Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1897-02-01 · Heft 9 (1.2.1897) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 9 (1.2.1897)
Date
1897-02-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448705-2448715--43302-2492344
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

tWA .W.-HfPpLWJH W. >1 «AWPIMW»GVWWW»WW?WWY 160 leben, zu assimiliren, daß er aber niemals die Juden auffordern würde, den Lehren des Alten -Testaments untreu zu werden. Der Redner schloß mit einem Berichte über seinen Besuch der jüdischen Colonien in Vineland, Woddbine und Alliance, entwarf in raschen Zügen ein Bild des Lebens, an das die jüdischen Ackerbauer sich gewöhnten und sprach rühmend von den Erfolgen, die sie an denselben Orten aufzuweisen hatten, welche Andere entmuthigt verlassen hatten. New-Uork. Viel zu wenig Aufmerksamkeit wendet man in Europa dem neuen Einwanderungsgesetz zu, das dies Parlament jetzt zu berathen hat. Weil man festgestellt hat, daß unter den Einwanderern sehr viele ungebildete Elemente sind, welche nicht lesen und nicht schreiben können, so z. B. unter den Portugiesen 772/30/0, unter den Italienern Russen 41l/,o^ und Oesterreichern 30o/o, so ist in denr Gesetz eine Klausel enthalten, daß alle neuen Einwanderer über 16 Jahre Nachweisen müssen, daß sie lesen und schreiben können. Man will eben auch in Amerika den Einwanderungsstrom hemmen und ist auf dieses Mittel verfallen, um so liberal wie möglich zu scheinen und doch diesen Zweck zu erreichen. Für die russischen und polnischen Juden könnte dies Gesetz eine ernste Gefahr werden und jede Einwanderung abschneiden, wenn cs nicht gelingt, hebräisch als anerkannte Sprache in dasselbe hineinzubringen; denn viele der armen jüdischen Emigranten können weder russisch, noch polnisch, noch deutsch lesen resp. schreiben. Wohl aber verstehen alle Hebräisch genügend, um die Ansprüche zu erfüllen. Wir wollen indessen hoffen, daß es gelingt im Senat oder Repräsentantenhaus der hebräischen Sprache ihr Recht zu verschaffen und so diese Gefahr abzuwenden. Bersonakien. MaroldSweisach Am 1 t. Cheschwan starb nach mchrwöchentlichcm Krankenlager im Alter von 94 Jahren Wittwe Eva Hecht Dieselbe erfreute sich körperlicher Rüstigkeit und einer seltenen geistigen Frische bis ins hohe Greisenalter. In seltenem Maße genoß sie die Liebe, Achtung und Verehrung ihrer jüdischen und christlichen Mitbürger aus Nah und Fern. Bei der Beerdigung, die unter zahlreicher Betheiligung der Einwohnerschaft stattfand, schilderte Lehrer Freudenbcrger aus Memmelsdorf unter Zugrundelegung des Verses: nsch n?is ttd rm? mNsn moy in kurzen Worten die Tugenden und Verdienste der Verblichenen. Möge sie in den lichten Höhen den Lohn ihres gott- und mcnschengcfälligen Lebens empfangen. Elbing (Westpreußen). Am 2. Januar ist Frau Bonns Po me ranz nach längerem Leiden entschlafen. Die Verstorbene war eine sehr religiöse Frau und eifrige Synaogenbesucherin. die nie ohne zwingenden Grund fehlte, wcsalb ihr Leichenzug auch an der Synagoge vorbeigeführt wurde. Sie erreichte ein Alter von nicht ganz 55 Jahren und hinterläßt außer dem tiefgebeugten Gatten 5 Kinder. vermischtes. Berlin. Der vom Konsistorium der Provinz Brandenburg veröffentlichten Nachweisung für 1895 entnehmen wir folgende die Juden angehenden Daten: Getauft wurden 15 Kinder jüdischer Eltern und 94 Erwachsene. Bei der letzten Ziffer ist nicht angegeben, ob alle 94 Juden waren, cs ist indeß sicher, daß wenn nicht alle, doch die weitaus meisten früher diesem Glauben angehörten, denn die Taufen von Heiden sind doch eine große Seltenheit in Brandenburg. Uebrigcns ist in diesen Ziffern Berlin mit einbegriffen. Leipzig, 29. Januar. Das Reichsgericht verwarf heute die Revision des Redakteurs Karl Sedlaczek. der am 20. Oct. v. I. vom Landgericht II Berlin wegen Beschimpfung der jüdischen Kirche und Gotteslästerung zu 9 Monaten Gcfängniß verurtheilt wurde. Pesih. Mit Vergnügen haben unsere Glaubensgenossen aus dem Amtsblatte entnommen, daß Sr. Majestät der König Tr. Isidor Baumgarten, einer der hervorragendsten Richter Ungarns, zum Staatsanwalt ernannte. AuS Ungarn. Der Neupester israel. Frauenverein feierte am 20. Januar das Jubiläum seines 25jährigen Bestandes. Die Feier begann mit einem Gottesdienste, bei welcher Gelegenheit Rabbiner Dr. Ludwig Venezianer eine schöne Festrede hielt, Nach dem Gottesdienste wurde eine Festsitzung abgehaltcn, der Frau Armin Friedmann und Dr. Ludwig Venezianer prasidirten. Unter colossaler Begeisterung wurde der Beschluß gefaßt, zu Gunsten des Fonds für das in Neupcst zu errichtende israel. Mädchenwaisenhaus eine Stiftung von 20 000 Kronen zu machen. Die Neupester Eultusgemeinde spendete 2 000 Kronen und Bankdirektor Friedmann 1000 Kronen. Preßburg. Am 7. l. M. hielt der Selbirbildungsverein rattf mNDn der hiesigen Rabbinatsschule seine Jahressitzung ab. Die Zahl der Mitglieder beläuft sich auf 30, darunter die hervorragendsten Hörer der Hochschule. Zweck des Vereins ist, daß je ein Mitglied allsabbatlich nach dem kKlIQ-Gebete im kleinen Saal des Schiur-Beth-Hamidrasch eine nt£H”i mS’in abhält. Am Abend nach tnr Sitzung wurde eine niüD £VnyD veranstaltet, die, gewürzt mit wohldurchdachten a'Errn — Nnnycip n:ro äußerst gelängen war. Erst nach Mitternacht trennte man sich Möge der Verein noch lange fortbestehen zum Heile und Wohle des orth Judenthums in Ungarn für alle späteren Generationen. X. Moskau. War da in Polen ein Bäuerlein, welches zwar eine vollen Speicher, aber einen leeren Schädel hatte und keiner der schwierigen Künste, als da sind Lesen, Schreiben, Rechnen, sich in seiner Jugend befleißigen wollte. — Die theuren Weizenpreise kamen und der Jude sollte den Weizen zu 6 Rubel pro Scheffel haben. Als er kam, um ihn zu holen, war die Frau, welche die Hosen an hat und auch mehr Grütze im Kopf hat, nicht daheim. Warten konnte man aber nicht, und das schmierige Geschäft der Abrechnung mußte besorgt werden. Der Jude schlug vor, man solle für jeden Scheffel einen Strich an die Wand malen, dann die Stiche zählen, und für jeden Strich gebe es dann 6 Rubel. Aber der Bauer dachte: Wo die schwarze Kunst des Schreibens beginnt, hat auch der Satan die Hand im Spiel, und ging nicht darauf ein. Man beschloß daher: Für jeden Sack, der aus dem Speicher getragen wird, wirft der Jude dem Bauern ein blankes 10-Kopeken-Stück (1/10 Rubel also) in die Mütze, wonach dann berechnet wird. So geschah es denn, und als die Verladung besorgt war, wurden der Schulze der Schulmeister imb der Sakristan herbeigerufen, um darüber zu wachen, daß der Jude ja nicht den ehrlichen Christenmenschcn betrüge. — Sie stellten fest, daß die Mütze 60 Münzen enthalte, folglich der Jude 360 Papkcrrnbclchen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.