Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 6 (21.1.1897)
- Date
- 1897-01-21
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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110 Dankbarkeit der ausgeschiedenen Vorsteher der Herren Direktor Herrmann und Sanitätsrath Wiesenthal, und schloß mit den Worten: Nach der Lehre unserer Weisen sei die Wohlthätigkeit eine Säule des Judenthums, so lange diese bestehe, sei trotz aller Anfeindungen der Bestand des Judenthums gesichert.— Von Seiten des Vorstandes erwiederte zunächst Herr Julius Jacoby. Er stehe auf liberalem Standpunkt und sei gegen allen Gewissenszwang, einer großen Anzahl Gemeindemitgliedern seien die Speisegesetze heilig und so müsse denn auch die Schechita allen religionsgesetzlichen Vorschriften genügen. Der Zwiespalt in der Gemeinde werde erst dann aushören, wenn jeder seinen religiösen Bedürfnissen geeigneten Ausdruck verleihen könne, auch müsse die Stelle des Herrn Dr. Ungerleider wieder besetzt werden. Er hoffe, daß die separirten kleinen Gemeinden wieder in die Hauptgemeinde eintreten werden. — Alsdann ergriff Herr Justizrath Meyer das Wort: Seine bei der Einweihung des Hospitals gehaltene Rede sei vielfach mißverstanden worden. Es habe ihm fern gelegen, ein Mißtrauensvotum den 'Neuwahlen gegenüber auszusprechen, da aber der gefeierte Herr Moritz Manheimer in Folge des Wahlresultats ausscheiden wollte, so habe er (Redner) geglaubt, dies verhindern zu müssen und schreibe das Verbleiben des Herrn Manheimer zum Theil seiner Rede zu. Differenzen zwischen Vorstand und Repräsentanten mögen in friedlicher Weise ausgeglichen werden und die Eintracht in der Gemeinde gewahrt bleiben. In der öffentlichen Sitzung, welche hierauf erfolgte, wird beschlossen, den Herren Director Herrmann und Sanitätsrath Wiesenthal ein Dankschreiben zu senden. Eine Besprechung der Satzungen der Eommission für die Friedhofsangelegenheit wird vertagt. Die Zuwendung der Geschwister Unger von 12 (HK) Mk. an das Hospital wird angenommen. Die Zahlung der Umsatzsteuer von 125" Mk. für das Grundstück Lützowstraße 16, wird beschlossen und ein Stiefelgeld von 20 Mk. pro Person an die Leichenträger gewährt. Saarbrücken, 13. Jan. Gestern verhandelte das hiesige Schöffengericht über die von Stöcker gegen den Redacteur Schwuchow angestrengte Klage wegen Ehrenbeleidigung. Bevor der Verklagte den Beweis der Wahrheit antreten konnte, dessen Zulassung von dem Gerichte beschlossen war, zog Stöcker die Klage zurück und wurde zur Tragung der Prozeßkosten vernrtheilt. Auf dem gewesenen Hofprediger bleiben also die schweren Anwürfe sitzen, die er nicht von sich abzuschütteln vermochte. Diese Anwürfe waren von dem Verklagten nur in der Neuen Saarbrückener Zeitung reproducirt worden; ihr Urheber war Freiherr v. Stumm, welcher sie in der bekannten Neunkirchener Rede gegen Stöcker geschleudert hatte. Und dies ist das eigentliche politische Moment in der Sache, denn der wirkliche Gegenstand der Klage war jene von Schwuchow abgedruckte Stumm'sche Rede, in welcher auch die Erklärung enthalten war, daß der Kaiser die christliche-soziale Agitation auf das schärfste mißbillige. Indem Stöcker die Klage zurückzog, verhütete er die Vernehmung des als Zeuge gelaoenen Freiherrn v. Stumm, der von dem Kaiser ermächtigt gewesen sein soll, über die Unterredung, in welcher der Kaiser jene mißbilligende Aeußerung getban hatte, vor Gericht rückhaltlos auszusagen. Die Kläglichkeit des christlich-sozialen Heros im Priestergewande wird durch den Ausgang dieses Prozesses wiedereinmal drastisch in Erinnerung gebracht. vermischtes. Berlin. Der Redakteur Sedlatzeck, der jüngst wegen Beleidigung des Freiherrn von Mirbach verurtheilt wurde, stand heute vor dem Reichsgericht in Leipzig, da er gegen das gegen ihn ergangene Urtheil wegen Gotteslästerung Revision eingelegt hatte. Der Termin wurde vertagt, da der Angeklagte den Präsidenten des Senats, Löwenstein, ablehnte, weil derselbe Jude sei. Die Zeitungen behaupten dagegen, Löwenstein sei kein Jude. Bad'Erns Herr Bromet, Inhaber des bisherigen „Hotel Bromet" hat, wie wir zu unserer Freude erfahren, das in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes befindliche Hotel I. Ranges „Hotel de France" käuflich erworben. Dasselbe enthält zwei geräumige, nach modernstem Geschmacke eingeiichtete Speisesäle, die mindestens 200 Personen fassen. Aus einer breiten Marmortrcppe gelangt man zu den Etagen des Hotel, woselbst 00 vermietbare, auf das Eleganteste eingerichtete, zum Theil mit „Balkon" versehene Zimmer sich befinden Da Herr Bromet dem Verlangen unseres Herrn Rabbiners Folge leisten und eine streng religiöse Dame zur Beaufsichtigung der Küche engagiren will, so ist hier einem wirklichen Mangel abgchslsen, der von allen, die auf gute Speisen, moderne Einrichtung und strenge Religiösität reslectiren, stets empfunden wurde. Daß das „Hotel" durch seine Lage, Bequemlichkeit und Eleganz sich wie kein anderes zur Abhaltung von eleganten „Hochzeiten" eignet, braucht nicht noch erwähnt zu werden. Möge das „Hotel de France" von unseren Glaubensgenossen den Zuspruch finden, den es voll und ganz verdient. (47b Briefkasten der Redaction. B. I.: Wenn ein Kind in einem Gemeinjahr rott'2 ruttf in Adar geboren ist, und das Jahr seiner Barmizwah fällt, wie in diesem Jahr, in ein Schaltjahr maiyo ru^, so wird dasselbe erst am betreffenden Datum des zweiten Adar Barmizwah. Ein Jahrzeit aus einem Gemeinjahr wird im ersten Adar gehalten, nur wenn der Sterbetag in einem Tage des 2. Adar war, so ist das Jahrzeit im 2. Adar. I. G. in Pretzdrrrg: Das Seminar nimmt nur Schüler auf, die ein Maturitätszeugniß eines Gymnasiums oorzeigen können. Die Dauer der Studienzeit hängt von den Vorkenntnissen des Eandidaten ab. H. in W.: Die Aufnahme ist wegen Raummangel unterblieben. L. H. in Kr. r Konnte wegen Raummangel leider keine Aufnahme finden. Briefkasten der Expedition. Herrn M. in L. a. M.: Betrag von M. 10 dankend empfangen.