Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1897-01-11 · Heft 3 (11.1.1897) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 3 (11.1.1897)
Date
1897-01-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2448705-2448709--43181-2492217
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

WWWM«WWWMMWW«WM«WWWWWNWWWWMWM^MWW^^M XXXTDI §a')rganst. KeUage zu M 3 des „"Ssrnellt“. Leitender Artikel. Prozeß ^chwennhagen ^edlatzek. (Schluß aus dem Hauptblatt) Der Zeuge wird über die einzelnen Beiveisanträgc befragt ^«3 den Stadtv. Borgiiiann betrifft, so er klärt Zeuge, das! dicS alte Sachen seien, die schon wiederholt zur Sprache gekommen. Der Kirchbauvcrein hatte ein Komitee, das sich speziell mit der Errichtung der Kaiser Wilhclin- Gedächtnistirche beschäftigte, beauftragt, Mittel zu sammeln. Das Komitee beschloß, sich an den Magistrat und die Stadtvcrordnetcn-Versammluiig zu ivenden: der Magistrat habe eine freundliche Zusage gegeben gehabt und es blieb nur noch übrig, die Stadlverordncten-Vcrsammlung für die Sache zrr intcrcssircn. Er (Zeuge) sei beauftragt ivordeu, mit der Stadtverordneten-Versammlung zu verhandeln. Es kam zur Sprache, wie man sich der sozialdenrokratischen Fraktion gegenüber zu verhalten habe, und es wurde gesagt, so peinlich ein verhandeln mit dieser Fraktion sein würde, so sei es doch Pflicht der Wahrheit und des Rechts, daß, wenn man mit allen Fraktionen verhandelte, inan auch mit der sozialdemokratischen Fraktion verhandeln müsse. So habe er denn mit den Fraktionen und auch mit der sozialdemokratischen unterhandelt. Man habe ihm von befreundeter Seite ein Verzeichniß von Stad verordricten gegeben, rvclche hierbei vorwiegend in Frage kommen könnten. Es sei sehr möglich. daß er den Stadtverordneten Borgmann telephonisch ausgcsordert habe, mit ihm znsammcnzlikonrinerr, und daß Bvrgmann dies abgelehnt habe. — Angeklagter Schiven»- hagen verzichtet hiernach auf die Ladung 'des Stadtverordneten Borgmann. Der Angeklagte Sedlatzct verwahrt sich gegen die beschimpfenden Ausdrücke, die der Zeuge gegen ihn und seine Zeitung benutzt habe, und bittet ihn dagegen zu schützen. — Der Vorsitzende mcitlt, dag cs ein alter Satz sei: rvie man in den Wald schreit, so schalle es wieder heraus. Der Angeklagte erwiedert, daß in dem Artikel doch Ausdrücke rvie „Frechheit" u. dergl nicht Vorkommen. — Zn den übrigen Bcweisanträgcn erklärt Frhr. v. Mirbach: Was seine Begegnung mit Herrn Singer betrisst, so sei er natürlich nicht so naiv gewesen, zu glauben, daß Herr Singer Kirchenbantcn se nerseitö unterstützen würde. Es sei nur seine Aufgabe gciveserr, ihn zu lütten, seinen Einfluß dahin geltend zu machen, daß, rvcnn die Sache in der Versammlung zrrr Sprache gebracht werden sollte, das Andenken des alten Kaisers nicht angetastet, sondern die Sache an bloo. erledigt werden möge. Er habe mit Herrn Singer in diesem Sinne gesprochen, bei dem Gespräch auch Arbciterverhältnisse in Berlin berührt. — Der Angeklagte Schwein,Hagen behauptet, daß der Zeuge nicht bestreiten könne, daß sein Verhandeln ruit Singer rnid sein Gespräch mit diesem über Arbeiterverhältnisse dahin habe führen müssen, daß sich über ihn abfällige Ansichten in der Oessentlichkcit festgesetzt haben. — Zeuge Frhr. v. Mirbach: Der Fall Singer habe mit diesem Artikel überhaupt gar nichts zu thun, er werde aber von einer gewissen Presse immer wieder dazu benutzt, um andere dreiste Angriffe gegen ihn zu schleudern. Ihm fei cs nun zunächst nicht im Traum eingefallen, Herrn Singer etwa sein eigenes politischrS oder Aibeiter-Prograium zu entwickeln. AIS Herr Singer zri mir sagte, daß seine Partei naturgemäß solche Dinge, wie Kirchcnbauten, nicht unterstützen könne, habe er ihm seiner Erinnerung nach gesagt: er möge nicht vergessen, daß in einer Zeit, in welcher die Bauthätigkeit brach liegt, die Kirchenbanten doch vielen Bauarbeitern Arbeit geben würden. — Angekl. Schwcnnhagcn verzichtet auf die Ladung des Herrn Singer. Was das angerufene Zeugniß des Stadtv. Vogtherr betrifft, so verzichtet der Angeklagte auch auf diesen Zeugen. — Oberstaatsanwalt Drescher bemerkt hierzu: Der Zeuge habe, als der versteckte Vorwurf des fahrlässigen Meineides erhoben ivnrde, mit ihm dienstlich Rücksprache darüber genommen, ob er gegen den „Vorwärts" wegen dieses Vorwurfes Vorgehen könne. Er habe davon abgerathen, rvcil der Vorwurf in so geschickter Form gemacht sei, daß sich der Verfasser den bequemen Rückzug offen ließ. — Bezüglich des Stadtv. Cassel giebt Zeuge v. Mirbach zu, daß er mit diesem ebenso wie mit anderen Stadtverordneten -- bmmitcr mid» jüdischen — Rücksprache genommen habe. Rechtsanwalt Cassel sei ihm von dritter Seite als ein treuer, einsichtiger, braver Mann geschildert rvordcn und er habe es für durchaus zweckmäßig gehalten, mit einem solchen Rücksprache zu nehmen, noch bevor sich die Versammlung selbst mit der Angelegenheit beschäftigte. Stadtv. Easscl hat auch in der freundlichsten Weise die Unterhaltung mit mir gepflogen. — Aus die Vorladung dcS Rechtsanwalt Eassel lvird hiernach auch verzichtet. — Was die Redakteure Dr. Oertcl und Oberminder betrifft, so erklärt Zeuge: Er könne nur sagen, daß von jener Presse fortgesetzt Verdächtigungen gegen ihn erhoben worden seien und daß, wenn die Leser solche Dinge immer wieder lesen, sie schließlich^zu dem Glauben kommen, daß etwas daran sein müsse Solche mögen sich vielleicht von ihm abgewendet haben; im Uebrigen könne er sagen, daß er unter seinen Freunden und Standesgenossen eine Achtung genieße, wie er sie besser nicht wünschen könne: — Schwcnnhagen: Auffallend sei doch, daß der Zeuge von ihm so fern stehenden Blättern, wie dem „Kleinen Zournal" und der „Volkszeitung", verthcidigt ivordeu sei und daß das „Kleine Journal" ausführlich über einen vom Zeugen in Potsdam gehaltenen Vortrag zu berichten im Stande war. — Frhr. v. Mirbach: Die Einwändc des Angeklagten beweisen nur wieder, in n'elchcr Weise gegen ihn, den Hof und alle Werke der Kaiserin verfahren werde. Das Gegcnthcil von der Behauptung, daß nur linksstehende Blätter ihm bcigesprungen, sei wahr. Die „Kieuzzeitung", der „Reichsbote" haben wiederholt auf das unpassendeVorgehen der christlich-sozialen Blätter aufmerksam gemacht Die „Krcuzzeitung" hatte dies in letzter Zeit nicht mehr gethan, rvcil er aus vielen guten Gründen Herrn v. Hammerstein habe entgegentrctcn müssen Was den Potsdamer Vortrag betreffe, so habe er dort über Gemeindehäuser gesprochen, nicht aber, wie fälschlich behauptet worden, gegen ' die christlich-soziale Partei Wenn freisinnige oder jüdische Blätter ihm gegenüber mehr auf Anstand, Recht und Wahrheit gegeben haben als jene Presse, so könne ihm doch daraus kein Vorwurf gemacht werden. Allele christliche Blätter haben die gegen ihn geschleuderten Verdächtigungen auch mit Abscheu zurückgcwiesen. Hospredigcr Stöcker habe ihm wiederholt er klärt, daß er den schamlosen Angriffen völlig fernstche und sie sehr bedauere, dieselbe Haltung haben ihm sämintlichc kirchliche 'Würdenträger bewahrt. Der Vertheidiger besteht ans der Vernehmung der Rcdaktenre Ocrtel und Oberivindcr darüber, daß sich viele, adlige Standesgenossen von dem Zeugen zurückgezogen haben. Der Oberstaatsanwalt beantragt, diesen Antrag als , unerheblich abzulehncu. — 'Was schließlich die Frau v. Kos- ' ziclska und Frau v. Mendelssohn betrifft, so erklärt Herr v. Mirbach, daß er Frau v. Koszielska kann: kenne, daß der Gatte der Frau v. Mendelssohn eines der treuesten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.