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Der Israelit · 1897-01-11 · Heft 3 (11.1.1897) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 3 (11.1.1897)
Date
1897-01-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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43 war dieser kurz und dick, imb hatte sich, wie Altmeister Göthe sagen würde: „Ein Bäuchlein augemäst't, „Als wie der Doktor Luther." Die Tonsur brauchte er schon lange nicht mehr scheereu zu lassen, denn sein ganzer Schädel war spiegelblank, wie der zngefrorcne Main. Die hohe Stirn war frei von Runzeln, wie das ganze volle (Besicht, in dem sich nicht die geringste Spur von klösterlicher Entsagung anöprägte. Ja, die pnrpurothe, stumpfe Nase verrietst, daß Bruder Sibicho dem Heidengott Bachns wohl auch gelegentlich ein Opfer darbrachte. Doch lauschen wir ihrem Gespräche! „Du kommst wohl vom Kaiser?" fragte Sibicho, der sich schon in Franziskus Zelle befand, als der Mönch eintrat. „Ja!" versetzte Franziskus kurz. „Es scheint Dir dort nichts just Angenehmes widerfahren zu sein?" „Ich muß mir Lust schaffen! Beim heiligen Franziskus F'averius!" „Aber bei allen Heiligen! Was ist's? Sprich doch!" rief der dicke Sibicho ungeduldig. „Pest und rother Hahn!" Mit diesem, damals gebräuchlichen, jedoch gar weltlichen Fluche, den er einem Juden gegenüber für erlaubt hielt, begann Franziskus seine Antwort. „Mögen hnndertansend Teufel alle Inden gliedweis zerreißen," fuhr er fort '511 fluchen. „Jetzt schickt der Schwarzburger den alten Jllden Abrahain nach Speyer, so daß all' meine und des Klosters Pläne zu Grunde gehen! und außerdem —" „Des Klosters Pläne glaube ich zu keimen," siel Sibicho seinem erregten Intimus ins Wort, „doch voll Deinen Plänen hast Dll mir nie ein Wort gesagt." „Also will ich sie Dir jetzt sagen, damit Dil begreifst, tvas ich durch diesen verfluchten Jndeil verloren habe, und danll kannst Du mir gleich ein Mittet ansfinden helfen, wie ich mich an diesem Gottcsverächter rächen kann, denn bei unserer lieben Frau! Das soll mir der Jude büßen!" „Was kann der dafür, daß ihil der Schwarzburger nach Speyer schickt? Wahrlich! Ich glaube, der Jude würde die Mission ganz gern Dir abtreten! — Doch erzähle schnell, was Du in Speyer wolltest, bald wird der Abt die Zellen revidiren, da muß ich in der weinigen sein!" Der Lange schwieg einige Augenblicke, um sich zll sammeln, setzte sich dann auf die Pritsche, die ihm zum Nachtlager diente und wollte eben anfangen, als der weinselige Sibicho allheimstellte: „Du, Franz, ich denke, mit llasser Kehl' ist besser reden und schärfer zuzuhvren als mit trockener." Mit diesen Worteil ging er und kam alsbald mit einer großen, irdenen Kanne zilrück, die voll herrlichen, alten Niersteiners war. Sie hatten einen gutell Geschmack in Weinen, die lieben Fratres und des Rebensaftes, so ihre kühlen Keller bargen, brauchten sie sich just ilicht zu schämen. So war denn auch der dicke Sibicho, als er die Zelle wieder betrat, in bester Stimmung, derm er hatte im Klosterkeller schon den jungen, von einem wohlhabenden Burger gestifteten Oppenheimer versucht. In einem langen Zug und behaglichem Zungcnschnalzen hatte sein nicht abfälliges Nrtheil bestanden. Wie in allein, so eontrastirte auch jetzt wieder Franziskus Gesicht mit dem seines fürsorglichen Freundes, der ihm den Krug mit den Worten hinreichte: „Da, Bruder in Gott! Netze Deine Kehle wie Vater Noah und laß Deine Rede fließell wie König Salomo ill den Psalmen, so die heilige Sprache Kostetet nennet/' Bruder Sibicho drückte sich immer gern in biblischell Bildern aus, wenn er bei der Weinkanne saß. Daß ihm da oft kleine Jrrthümer mit unterliefen, ist wohl unschwer zu verstehen. „Doch sage mir, Hiob, was ist Dir widerfahren?" „Ich will es Dir erzählen, doch unter dem Siegel tiefster Verschwiegenheit. Du weißt doch, daß Carl, der Böheimer, seit Kurzem, nachdem er Mainz verlassen, in Speyer weilt. Nun habe ich die Pläne des Schwarzbnrgers durch Zufall erfahren —" „Und welche sind das?" unterbrach Sibicho neugierig. Franziskus sah sich scheu um, als ob er fürchtete, nicht ganz sicher 51t sein. Dann beugte er sich zu seinem dicken Freunde nieder und flüsterte ihm lange ins Ohr.- Als Franziskus anfgehört hatte so heimlich mit Sibicho zu reden, machte dieser ein sehr wenig geistreiches Gesicht, stieß dann ein erstauntes: „Ah" aus, und sagte nach einer Pauset „Das ist eine Ueberraschung tvie die, so die drei Engel unserm Vater Isaak ankündigten wegen Sodoms und Gemorahs!" Und um diese salzige Erinnerung wegzuspülen, nahm Sibicho einen kräftigen Schluck von dem goldenen Niersteiner, den er auch seinem Genossen reichte. Dieser fuhr, nachdem er ebenfalls einen tiefen Zug gethan, fort: „Doch das sind des Kaisers Absichten! Die weinigen — ich will mich kurz fassen — waren diese: Ich wollte dem Bischof von Trier, der auch Speyer

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