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Der Israelit · 1897-01-07 · Heft 2 (7.1.1897) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 2 (7.1.1897)
Date
1897-01-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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HauptcS dem Kaiser, während Frcydank und Abraham sich in eine Fensternische zurückzogen, wo sie sich leise auf Lateinisch unterhielten. Kaiser Günther frag nach des Mönchs Begehr, woraus der Fromme salbungsvoll anhub: „Verzeiht im Herrn, hochedler Herr, wenn die Zunge Eures treusten Dieners vorher zu eilig war und vergönnt ihm, in Gnaden ein Wort, das ein gläubiger Diener der Kirche in Euerem hochwichtigen Wohle sprechen zu muffelt glaubt." „Kommt zur Sache, Bruder Franziskus!" mahnte der Kaiser ungeduldig. „Möge cs mir vergönnt sein," fuhr jener fort, „Euch vor Augen zu stellen, wie gefahrvoll es für unseren Freund, den tvohlweisen Medikus ist, in diesen Zeiten nach Speyer zu reisen. Abgesehen davon, daß, wie ein Bruder meines Ordens mir versicherte, daselbst die Pest schon stark wüthet, so sollen auch die Speyerer Juden einer gar großen Lebensgefahr ausgesetzt sein und ferner — —" „Bitte ich Euch, frommer Bruder," siel Kaiser Günther unwillig ein, „Euch nicht in weltliche Dinge 511 mischen!" „Es ist zunt Wohle eines Meuscheubrnders." „Dächtet Ihr frommen Leute nur immer so mcnschenbrnderlich.' Doch das thut Ihr nur, wenn für Euer Kloster etwas zu erbeuteil ist, was Ihr auch hier wieder hoffet. Doch da irrt Ihr Euch, frommer Bruder!" Der Mönch kneifte feine schmalen Lippen zusammen, also daß fein frommes Antlitz einem zugezogenen Geldbeutel glich. Er versuchte einen Widerspruch, wurde aber durch den Eintritt des jugendlichen Ritters Johann von Marburg daran gehindert. Die Anwesenden entfernten sich, so daß der Kaiser uub sein Freund allein blieben. Der Mönch begab sich in seine Zette, die sich im Westende des geräumigen Johanniterklosters befand, während Abraham sich in seine Wohllung zurück begab. Als der Kaiser sich mit dem jungen Ritter Johannis von Marpurg allein sah, Hub er an: „Hast Du mir Besonderes 511 berichten, Hans?" „Rein, nichts! daß das Volk Dir inniger zugethall ist als je einem Kaiser, das wirst Du wohl wissen." „So lieb mir die Volksgunst ist, Hans, so wenig baue ich auf sie. — Volksgunst und Weiberlaunen, das sind Dinge, die sich nach meiner Ansicht so ähnlich sind, wie ein schwankes Schilfrohr dem andern — ohne Bestand und Festigkeit." „Jedenfalls," wandte der von Marpurg ein, „ist die Volksgunst nicht zu unterschätzen." „Rein, gewiß nicht! und ich unterschätze sie auch gar nicht. Sie nützt mir jetzt viel. Doch eine Herrschaft kann man nicht nur auf Volksgunst gestützt gründen. Ich habe geschworen, allezeit ein Mehrer des Reichs 511 sein und ich will das Reich glücklich machen. Zuerst muß ich jedoch einen geheimen Kanzler haben, lind dazu will ich Dich machen, Hans! — Du brauchst nicht zil erschrecken," fuhr Günther, dem jungen Marpurger voll in's Gesicht sehend, lächelnd fort: „Wir kennen uns zu gut, als daß ich nicht wüßte, wie wenig es Dir auf den hohen Titel ankommt. Doch eben deshalb habe ich gerade Dich zu meineul Minister auserwählt, weil ich weiß, daß Du Dir der schweren Aufgabe wohl bewußt bist und die Lasten, die ich Dir durch diese „Kaiserliche Gnade" auflade, wohl zu schätzen weißt, sticht ich bin, der giebt, nein ich bin es, der empfängt, weint Dil eiuwilligst. Deshalb frage ich Dich, Hans, willst Du den angebotenen Posten annehmen?" „Laß mir Bedenkzeit, Günther", antwortete der junge Ritter nach kurzem Schweigen. — „Ich will Dir Morgen Antwort geben." „Ueberlege es Dir nnb vergiß nicht. Du thust mir einem großen Gefallen damit, wenn du einwilligst." „Ich werde alles in Betracht ziehen, Günther. Doch ich kam, um dich 311 fragen, ob du dein jüdischen Medikus schon mitgetheilt hast, daß Du Um nach Speyer schicken willst?" „Gewiß! Als du hcrcintratest, ging er weg. Lieber wäre mir allerdings gewesen. Du selbst wärest nach Speyer gereist. Doch deine Gründe dies nicht thuu, haben viel Vernunft für sich. Meinst Du, daß der Böheimer einwilligen wird?" „Ich kenne ihn zu wenig, um ein sicheres Nrtheil abgeben können. Rach den Beschreibungen wohlunterrichteter Leute will es mir scheinen, als ob ihm mehr an seinem Böhmen gelegen sei, als an allen andern Ländern zusammen. Im äußersten Falle kannst Du ihm ja noch Geld bieten, das nützt in allen Fällen bei ihm. Das einzige, tvas ich fürchte, ist, daß ihm die deutschen Pfaffen abrathen werden, denn diese wissen nur allzugut, daß sie unter Deiner Herrschaft nicht so freie Hand haben werden als unter derjenigen Earl's, der sich nicht viel um ihr Thun »ttb Lassen kümmert, wenn sie ihn nur gehörig mit Geld versorgen." „Höre auf! ich Haffe, ich verachte diese furchtbare Macht des Geldes! „Du hast allen Grund hierzu! Durch Geld, mir durch Metall, durch Hände oder Sänke voll gleißenden Goldes erreicht dieser Karl alles, alles. Wer nur wüßte, wie er es anfängt, itnmcr bei Gelde zu sein?" „Ich will es garnicht wissen. Meine Hand soll keinen Menschen durch Gold blenden. Rein! Gott sei gelobt, daß ich frei von derlei mir ekelerregenden Geldknnsten bin." (Fortsetzung folgt.)

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