Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 102-103 (23.12.1896)
- Date
- 1896-12-23
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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1976 „Durchlauchtigste Mama," sagte er dann, „schon seit frühester Kindheit werde ich von Zweifeln gequält, die mich sehr beängstigt haben. Der hochselige Fürst hat oft Aeußerungen fallen lasten, die mich befremden mußten. Bei dem geringsten kindlichen Verstoße sprach er Worte aus, die Sie, gnädigste Mama, mißbilligten, wenn Fremde zugegen waren, gegen die Sie aber nichts einzuwenden halten, sobald wir allein waren. Diese Vorkommniste haben in mir Zweifel hervorgerufen, die mich seit Jahren entsetzlich quälen; ich bin es müde, länger in Ungewißheit zu leben und muß jetzt die volle Wahrheit erfahren. Verweigern Sie mir dieselbe, so schieße ich mir hier in Ihrem Beisein eine Kugel vor den Kopf." „Du thuft Unrecht, mein Sohn," sagte die Fürstin, „daß Du mich so bedrängst. Es wäre bester für Dich, die Wahrheit bliebe Dir verhohlen. Doch, da Du sie durchaus wissen willst, so sollst Du sie erfahren. — Mein hochseliger Gemahl und ich, wir lebten lange in kinderloser Ehe, was uns um so mehr schmerzte, da das Fürstenthum nach dem Ableben des Fürsten an unfern Vetter Erich gefallen wäre, den wir Beide aus tiefster Seele haßten. Endlich erhörte Gott unser Gebet; ich gebar einen Sohn, und Katharina, die Frau des Bauern Rompel aus Bösendorf, kam als Amme in's Schloß. Wir gestatteten ihr, ihr Söhnchen milzubringen. Mein armes Kindchen war elend und schwach; es starb nach wenigen Wochen. Niemand wußte davon als der Fürst, die Amme und ich. Da befahl der Fürst, daß man das gestorbene Kind als das der Amme ausgeben solle, während das Kind der Amme als unser Kind gelten mußte. Dieses Kind, Waldemar, bist Du. Du heißest eigentlich Christian und bist der Sohn des Bauern Rompel und seiner Frau Katharina." „Mutter, Mutter," rief der Fürst, „was habt Ihr gethan!" „Was wir gethan haben, war wohlüberlegt. Vetter Erich ist ein schlechter Mensch, wollüstig und ausschweifend, gewaltsam und boshaften Charakters. Wäre er regierender Fürst geworden, er hätte Land und Leute zu Grunde gerichtet. Dich aber haben wir in Tugend und Gottesfurcht erzogen, um so strenger, da Du nicht unser Sohn warst. Deine Regierung wird ein Segen für das Land werden. Was wir gethan habenkönnen wir vor Gott verantworten." „Wenn aber die Wahrheit an den Tag kömnlt V" „Sie wird nicht an den Tag kommen. Der Fürst ist tobt; Katharina hat einen heiligen Eid geschworen, den sie niemals brechen wird, und ich, ich werde Dich nicht verrathen." Einige Stunden nachher ließ der Fürst den Juden Moses zu sich bescheiden. „Moses," sagte er, „Deine Menschenkenntniß ist nicht weit her. Diesmal hast Du Dich geirrt; ich bin kein Bauernsohn, doch, fürchte nichts, ich werde Dich nicht todtschießen. Aber sagen sollst Du mir, wie Du auf den Gedanken gekommen bist, daß ich der Sohn eines Bauern sei." „Gnädigster Herr," sagte Moses, „der Edelmann, der Prinz ist generös; der Bauer, auch der reichste, ist knikkerig. Der Bauer, auch der reichste, dreht den Kreuzer dreimal herum, ehe er ihn ausgibt. So etwas steckt im Blute und vererbt sich auf die Nachkommen. Ich habe Eurer Durchlaucht das Leben gerettet. Ein Prinz hätte den ganzen Inhalt seiner Börse, ohne zu zählen, in meinen Hut geschüttet. Sie suchtet: lange und reichten mir endlich einen Thaler; ebenso schenkten Sie mir, als ich Sie vor dem Verluste eines großen Vermögens bewahrt hatte, einen Ducaten. Daher schloß ich, daß Sie kein geborener Pritrz, sondern ein geborener Bauer sind." Fürst Woldemar lachte. „Du bist ein feiner Menschenkenner," sagte er, „trotzdem Du Dich diesmal geirrt hast; ich muß Dich aber wohl nachträglich generös belohnen, damit Du nicht länger an meiner fürstlichen Geburt zweifelst. Ich schenke Dir zehntausend Thaler und ernenne Dich zu meinem Hofagenten. Du kannst Dich in Waldburg niederlassen. Jetzt reise nach Hause und hole Deine Frau und Kittder hierher." Wer schildert die Freude, als Moses nach Hause kam und seiner Edel von seinen Erfolgen erzählte! Er wurde ein reicher und angesehener Mann, und seine Nachkommen gehören zu den angesehensten jüdischen Familien in Deutschland. Allerlei. Dünavurg. (Zur Jud eufra ge.) Das erste Departement des Senats hat, nach dem „Herold", wiederum eine Entscheidung getroffen, nach welcher den verabschiedeten Untermilitärs mosaischer Confession, welche ihre Militärpflicht nach dem alten Rekrutirungsmodus geleistet haben, bedingsunglos das Recht zugestanden wird, im ganzen Reich zu leben; hierbei ist es irrelevant, ob diese Personen zu Gemeinden in der jüdischen Ansässigkeitssphäre angeschrieben sind oder nicht. Rheingönheim (Bapr. Pfalz). Am Sonntag feierte der Cantor und £3IW (Simon Guggenheim, welcher bald 25 Jahre hier wirkt, seinen 80. Geburtstag. Aus diesem Anlasse wurde derselbe von Seiten der Bürgerschaft mit vielen Glückwünschen und Geschenken bedacht. Außerdem widmete der Männergesangoerein dem Jubilar ein Ständchen.