Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 102-103 (23.12.1896)
- Date
- 1896-12-23
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Orthodoxe MuderrlhunÄ!o/W o 3 L mm mM ';^\. W.fiÄ M n II mwBE&EE&j as. De». 1896.] MtlÄrLKk. KM. LN Kr. ME r» lNr. 18. Ner Uenner. 4^rf\ Von Dr. M. Lehmann b"n. Es mögen wohl hundert Jahre her sein, als Fürst Woldemar von Waldburg eines Tages spazieren ritt. Es war ein schöner heiterer Sommertag, und Fürst Woldemar genoß in vollen Zügen die reine Luft, die ihm entgegenströmte. Er fühlte sich sehr glücklich; er war jung, schön, gesund, der regierende Herr eines kleinen, aber reichen Fürstenthums. Seit einigen Wochen war Fürst Woldemar verlobt mit der schönen, reichen, anmuthigen Erbprinzessin Wilhelmine von Sonderheim; die beiden Fürftenthümer lagen neben einander und sollten durch diese Heirath vereinigt werden. Fürst Woldemar war in so heiterer Stimmung, daß er die ganze Welt an sein frohes Herz hätte drücken mögen. Da kam ihm ein Mann entgegen, dem man schon von weitem die polnische Nationalität und den jüdischen Glauben ansah. Er trug einen schweren Knotenstock in seiner Hand; auf seinem breiten Rücken lagerte ein Pack, der wahrscheinlich seine Habseligkeiten enthielt. Der Jude grüßte den vornehmen Herrn, und der Fürst hielt sein Pferd an. „Wie heißt Du, Mauschel?" fragte er den Juden. „Da der gnädige Herr wissen, daß ich heiß' Mauschel, warum fragen mich der gnädige Herr?" antwortete der Jude. Fürst Woldemar lachte. „Woher bist Du?" fragte er weiter. „Aus Strzelno." „Wie heißt Euer Edelmann?" fragte der Fürst. „Der bin ich." „Dummer Kerl, Du bist doch nicht der Edelmann von Strzelno." „Doch gnädiger Herr; meine Frau heißt Edel, also bin ich der Edelmann, der Mann von der Edel." Fürst Woldemar lachte auf's Neue. „Ich meine," sagte er dann, „wie Euer Oberster heißt." „Der bin ich." „Du bist doch nicht der Oberste von Strzelno?" „Doch gnädiger Herr; man hat mir angewiesen meine Wohnung auf einem Thurm, daß ich soll geben Acht, wenn irgendwo wird ausbrechen Feuer, und da ich wohne oben im Thurm, bin ich der Oberste von Strzelno." Fürst Woldenlar lachte auf's Neue. „Du bist ein pfiffiger Kerl," sagte er. „Wohin geht die Reise?" „Nach Waldburg; dort möchte ich Seiner Durchlaucht, dem Fürsten, meine Dienste anbieten." „So? womit kannst Du denn dem Fürsten dienen? Was verstehst Du denn?" „Ich bin ein großer Kenner." „Ein Kenner? Was ist das?" „Ich bin ein großer Kenner von Pferden, denn ich habe sechs Jahre lang bei dem größten Pferdehändler gedient; ich bin ein großer Kenner von Diamanten, denn ich habe vier Jahre bei einem großen Juwelier gedient; ich bin ein großer Kenner von Menschen, denn ich habe zwei Jahre bei einem berühmten Rabbi, der zugleich ein großer Kabbalist