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Der Israelit · 1896-12-17 · Heft 101 (17.12.1896) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 101 (17.12.1896)
Date
1896-12-17
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXTU, Jahrgang. Imeite Seilage;u M 101 t« «Israelit-. MDM Unsere nächste Nummer gelangt erst Mittwoch, 23. Dezember, in stärkerem Umfange zur Ausgabe. Inseraten - Annahme bis Dienstag, 22. Dezember, Abends 7 Uhr. Leitender Artikel. Emanuel Schwarzschild b'% Mainz, 16. Dec. Der Tod hält reiche Ernte unter den Begründern und Leitern der Israel. Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. Ein Lustrum ist kaum dahin, daß Herr Rabb. Hirsch und Herr Benjamin Roos b'i vom Schauplatze ihrer irdischen Thätigkeit abberufen wurden, ein Jahr ist kaum verflossen, daß wir an dieser Stelle den Hingang des ewig unvergeßlichen Herrn Selig Goldschmidt V? zu beklagen hatten und nunmehr müssen wir über das Scheiden seines treuen Gefährten, mit dem er ein Menschenalter hindurch Schulter an Schulter den schweren Kampf gegen Unglaube und Gesetzlosigkeit, gegen Jndifferentismus und Heuchelei gekämpft und siegreich durchgeführt, in tiefster Trauer berichten. Die ehrwürdige und liebenswürdige Gestalt des in der Ueberschrift Genannten, der ein Alter von 71 Jahren erreichte, gehört mit zu unseren frühesten Jugenderinnerungen. Als der Vater des Leiters dieser Zeitschrift zu Anfang der sechsziger Jahre öfters zu seiner Erholung den Badeort Homburg v. d. H. aufsuchte, da war es Emanuel Schwarzschild, auch ein ständiger Besucher dieses Platzes, mit dem man Dr. Lehmann den ganzen Tag über in den kühlen Waldwegen der Landgräflichen Residenz treffen konnte. Und wovon unterhielten sich die beiden Männer die vielen Stunden hindurch? Etwa von den Vorgängen in den Spielsälen, die damals ganz Homburg beherrschten? Es waren andere Dinge, denen das Interesse derselben galt. Was man zur Hebung und Festigung der neu entstandenen Religionsgesellschaften in Frankfurt und Mainz thun könne, wie dem gesetzestreuen Judenthum wieder zu seinem alten Glanze zu verhelfen sei, das waren die Fragen, die die beiden Männer stets und immer beschäftigte. — War Rabb. Hirsch die Seele der Religionsgesellschaft, so war Emanuel Schwarzschild gewissermaßen deren rechte Hand, was die Seele, der Geist zum Wohle des Gemeindekörpers erfand und erdachte, das führte die Hand, der kräftig geschwungene Arm auch vollkommen aus. Schwarzschild war ein Mann der Praxis, des thatkräftigen Lebens und die oft complicirten Pläne Hirsch's, mögen sie nun auf dem Gebiete der Organisation oder der Verwaltung gewesen sein, fanden durch Schwarzschild's Energie ihre Verwirklichung. Ursprünglich aus Opposition gegen Rabbiner Hirsch, von einem kleinen Theile der Gemeinde, der die Ideen des großen Mannes nicht zu erfaffen vermochte, in den Vorstand der Religions- Gesellschaft berufen, wurde Schwarzschild bald Derjenige, der seinem Lehrer und Meister die allertreueste Heeresfolge leistete. Und Hirsch wußte, was er an ihm besaß, das Größte und das Kleinste wurde mit Schwarzschild eingehend besprochen und oft war ein Projekt, noch ehe es in die Vorstandssitzung kam, schon so vollständig und nach allen Richtungen ausgearbeitet, daß die Vertreter der Gesellschaft weiter nichts wie ihre Zustimmung zu ertheilen hatten. Diese eifrige, nie erlahmende Thätigkeit Schwarzschild's ließ mit seinem Alter und unter dem Nachfolger Hirsch's nicht nach. Kurz vor dem Ableben des ersten Rabbiners der Gesellschaft, wurde hauptsächlich durch Schwarzschild's Wirken die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums" in's Leben gerufen, deren Vorsitzender er bis zum Schluffe seines Lebens gewesen und deren segensreiche Tätigkeit den Lesern dieser Zeitschrift ja zur Genüge bekannt ist. Die Geschäfte dieses Vereins erledigte der nimmer rastende Mann, der fast bis zu seinem Tode auch die Leitung der Jsr. Religionsgesellschaft inne hatte, fast ganz allein. . Er führte die Bücher, er machte die Abrechnungen, er besorgte die Correspondenzen, und das Alles nicht etwa in dilletantenhafter Weise, wie man das so oft bei den Inhabern von Ehrenämtern trifft, nein, nach den Regeln des sorgfältigen Kaufmanns, in fast pedantischer Art lag er den freiwillig übernommenen Pflichten ob. Wenn man seine schöne Handschrift, die eleganten Zahlen in den Büchern der Religionsgesellschaft zu bewundern Gelegenheit hatte, so mußte man gestehen, daß kein Buchhalter mit noch so hohem Salair es hätte bester machen können. '-i' bv Diät p^ao Es ist das Verdienst des ehrwürdigen Herrn Rabbiner D r. C a r l e b a ch in Lübeck, daß uns von dem theuren Dahingeschiedenen ein köstliches Vermächtniß Hinterlasten wurde. Auf Anregung des genannten Herrn legte nämlich Emanuel Schwarzschild feine Erinnerungen und Erfahrungen auf dem Gebiete des Frankfurter Kehillalebens in einer Broschüre nieder. Dieselbe, erst vor einigen Monaten dem Drucke übergeben, führt

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