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Der Israelit · 1896-12-03 · Heft 97 (3.12.1896) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 97 (3.12.1896)
Date
1896-12-03
Page
– (sequence 17)
Language
German
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für basoT- Abrthodoxe MuderrthumÄ [-OM O S £ S vO-~ l| lNr. 16 3. D«,. 1896.] Mt 5"M imiiJiii* i Kritgsgkstzichteü des ölten ' 9 Nacherzählt von LtrttvlV Mann. k ofd)cl) etfon. 1 Der Premlerlleutenant Bettendorf „Es sind Kriegszeiten, aus denen ich Euch was erzählest will." So pflegte der alte Moscheh Gerson zu beginnen, wenn er sich daran machte, seinen Freunden und Kehillagenossen aus seinem Leben etwas zum Besten zu geben. Er hatte viel erfahren. Glück und Unglück, Sonnenschein und trübe Nebel hatten bei ihm abgewechselt, hatten ihn bald zum Himmel emporgehoben, bald tief zu Boden gedrückt. Wir lauschen ihm alle gern; denn er erzählt so lebendig und kernig, so wahr und treu, als ob man das Alles wieder miterlebte, was er da aus der Vergangenheit vor einem aufleben läßt. Kein Wunder! War doch Moscheh Gerson in seinen besten Jahren ein „Kinderlehrer" par 6X661161166 gewesen, einer aus der alten Schule, der die Pädagogik nicht erlernt und studiert hatte, den: sie aber im Kopf und im Herzen saß, und der weiter mit ihr kam und Schöneres mit ihr erreichte, als mancher „seminaristisch gebildete", der seinen Herbart auswendig herzusagen wußte. Was Wunder also, daß derselbe Moscheh Gerson, der die zarten, lieblichen, strengen und erhabenen Bilder der Bibel so lebenswahr zu erzählen wußte, und der die kindlichen Gemüther so meisterhaft anzufüllen wußte mit ben töftlidjcn Schätzen der heiligen Lehre, wie mit den Kleinodien ihrer Erzählungen, was Wunder, daß er auch Große und Erwachsene durch die Kunst seiner Darstellung zu fesseln verstand. „Es sind Kriegszeilen, aus denen ich Euch etwas erzählen will!" So pflegte, wie gesagt, Moscheh Gerson zu beginnen; denn nichts tischt er uns ieber auf, keine von seinen Erzählungen sind aber auch mit so viel — man kann sagen — dramatischem Leben angefüllt, wie seine Kriegsschilderungen. Man darf mich jedoch nicht mißverstehen, Nicht als ob Moscheh Gerson früher eine Art Schlachtenbummler gewesen wäre, als ob er mit der Landkarte und deni Krimstecher bewaffnet den Kriegszügen beigewohnt hätte und nun Episoden und Geschichtem aus diesem Leben zum Besten giebt. Weit entfernt! Das konnte Moscheh Gerson nicht. Denn zum Schlachtenbummeln hatte er weder Zeit, noch hatte er Jntereffe dafür — — Zeit nicht, weil er wohlangestellter Kultusbeamter, Vorbeter, Lehrer und Schächter war und Wichtigeres zu thun hatte, als hinter den Kriegsleuten herzuziehen, und Jntereffe nicht,-nun, wer hätte dem kleinen Männchen mit seinem kleinem Amt ein Jntereffe daran zutrauen wollen, wie die Heere marschieren und wie die Schlachten geschlagen werden? Nein! Moscheh Gerson war viel zu sehr Jude, hing mit viel zu großer Liebe an der Religion seiner Väter, und nahm viel zu innigen Antheil an dem Ergehen und an den Schicksalen seiner Stammesgenossen, als daß er nicht bei seiner vielbewun-

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