Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 97 (3.12.1896)
- Date
- 1896-12-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1851 schüft für ihn. Gitel protestirte dagegen, daß Janket am Erew Schabbos (Ruhetag zum Sabbat) gehe. „Es ist keine Brocho drinn," meinte sie, „in all' den Geschäften, die man Erew Schabbos macht. Mein Saide (Großvater) hat immer gesagt, die Kaunim (Kunden), die am Freitag kommen, sind gar keine Kaunim, sondern lauter verstellte (maskirte) Schedim (Dämone). Jankel lächelte überlegen; denn der dümmste Mann hält sich für klüger als seine Frau; und der dümmste war Jankel allerdings noch nicht. „Am Freitag Vormittag seinem Geschäft nachzugehen," entgegnete er, „ist kein Jssur (Verbot). Was man Nachmittags thut bringt einem allerdings keine Brocho, aber bis Mittag bin ich ja längst wieder zurück." „Ich weiß nicht, was Dir aus einmal einfällt, Jankel," erwiederte Gitel. „Du bist doch sonst am Freitag gerne zu Hause und die Kathinka wartet auch noch bis Sonntag. Wir haben ja auf Schabbos genug, sagar ein Hendel (Huhn) und Fische, bleib daheim." Aber Jankel meinte, daß seine Frau vom Handel nichts verstehe. Er nahm aus seiner Kommode, da er ahnte, daß es sich um ein bedeutendes Geschäft handle, die ganze Baarschaft mit, die aus fünf Gulden und dreißig Kreuzern bestand, legte seinen Sack über die Schultern und ging auf das Gut, das eine kleine Stunde entfernt war. Jankel kam in der That schon lange vor der Mittagftunde mit leerem Sack verstimmt zurück. Gitel triumphirte. „Habe ich nicht gesagt, es ist keine Brocho an dem Erew-Schabbos Masso umattan (Geschäft)?" „Nur gemach," entgegnete Jankel, „ich habe heute wenigstens drei Gulden verdient und zwar dadurch, daß ich mit der Kathinka kein Geschäft gemacht habe." Bei diesen Worten wollte Jankel das lederne Geldbeutelchen wieder in die Schieblade zurücklegen, aber Gitel nahm es ihm aus der Hand, um sich an dem Anblick der gewonnenen drei Gulden zu weiden. Aber sie mochte zählen und rechnen, wie sie auch wollte, es waren nicht mehr, als fünf Gulden dreißig Kreuzer zu sehen. Jankel lächelte gezwungen, aber Gitels Scharfblick konnte er nicht täuschen. „Du," sagte er, „hast jedenfalls gewonnen. Habe ich die drei Gulden, nun dann ist's ja gut, habe ich sie aber nicht, so hast Du doch Recht gehabt, und mehr wollt ihr Frauen ja nicht." Daß Jankel so gegen alle sonstige Gepflogenheit seine wirklich bessere Hälfte mit allen anderen Frauen in einen und denselben Topf warf hätte diese wirklich übel nehmen können. Aber ihr gutes, frommes Gemüth sah in dieser Bemerkung nur ein Symptom der ungewöhnlichen Erregung ihres Mannes. Als wenn nichts vorgefallen wäre, legte sie ihr nasses Aufziehtuch, mit welchem sie eben ihr Wohnzimmer zur Ehre des Sabbat scheuern wollte, aus der Hand und fragte ihren Mann, was es denn wirklich Neues auf dem Gut gegeben habe. „Die Kathinka," erzählte Jankel, „hat von ihrem Bräutigam, dem Hofknecht Ignaz, ein ganzes Lotterielos schon vor vier Wochen geschenkt bekommen. Sie braucht aber auf Sonntag eine neue Haube und hat das Geld nicht dazu. Sie wollte mir nun das Loos verkaufen, damit sie sich ihren Kopfputz anschaffen kann. Was das Loos gekostet hat, weiß ich nicht, aber 20 Gulden ist das wenigste. Sie wollte es mir für zehn lassen. Davon konnte nun gar keine Rede sein, da ich doch nur fünf Gulden besitze; sie hält mich für einen Baron Rothschild; aber was ist mir damit geholfen?" „Was Dir damit geholfen ist?" warf Gitel ein, „mit dieser hohen Meinung von Deinen großen Kapitalien ist Dir alles geholfen. Wo würden Dir die Leute etwas anbieten und verkaufen und Dir ruhig jeden Credit gewähren, wenn sie eine Ahnung von unseren dürftigen Verhältnissen hätten! Du hast doch das Loos nicht gekauft?" „Nein, und sie ging sogar bis auf drei Gulden herunter, aber ich konnte mich nicht entschließen." „Wie viel hätten wir mit dem Loos gewonnen?" fragte Gitel. „Beim höchsten Treffer wären 300,000 Gulden herausgekommen." „Aber es wäre auch möglich, daß man nichts gewinnt?" „Allerdings, und daß man sogar den Einsatz verliert." „Darm," meinte Gitel, „hast Du Recht gehabt, daß Du das Loos nicht gekauft hast. Und wenn auch das Loos mit dem höchsten Treffer herausgekommen wäre, wie hätten wir das erfahren?" „Das kann man erfahren," meinte überlegen Jankel. „Rabbi Löb Bamberger bekommt jeden Tag von Wien die Zeitung, da steht Alles drin. — Aber das sind alles Hewel Hawolim. Erstens hätten wir doch auch nichts gewinnen können und zweitens hätte es Rischus bei dem Gutsherrn und bei der Hofmagd gemacht, wenn wir mit dem Loos von der Kathinka 300,000 Gulden gewonnen hätten.,, „Für 300,000 Gulden hätte ich mir schon etwas Rischus gefallen lassen," meinte Gitel. „Aber so ist es gewiß besser. Es ist gut, daß Du das Geschäft nicht gemacht hast." Damit war die Angelegenheit am Freitag erledigt. — Aber am Sabbat-Nachmittag, just um die Stunde, als wir den Leser in Jankels ärmliche