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Der Israelit · 1896-12-03 · Heft 97 (3.12.1896) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 97 (3.12.1896)
Date
1896-12-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1850 tnxt Bestimmtheit Voraussagen, daß es in der Wiener Stadtvertretung in diesem Tone, aber crescendo, weitergehen wird, denn der Siegeshochmuth der antiliberalen Mehrheit kennt keine Grenzen. Wo dabei freilich das Wohl und Gedeihen der Stadt bleibt, ist eine andere Frage. Wereinsnachrichten. Posen, 2. Dez. Der Verein zur Förderung des Handwerks und des Ackerbaues unter den Juoen hielt dieser Tage seine erste Generalversammlung ab. Der Verein bezweckt, das Handwerk, die technischen Berussarten, das Kunstgewerbe unter den Israeliten zu fördern. Er unterstützt zu diesem Behufe unbemittelte Juden, welche in Posen wohnhaft sind, bei Erlernung einer der vorn bezeichneten Berufsarten; ausnahmsweise können auch in der Provinz wohnhafte nach Maßgabe der vorhandenen Mittel Unterstützung erhalten. Bevorzugt werden die Angehörigen solcher Orte, in welchen sich Zweigvereine gebildet haben. Zöglingen des Vereins können nach wohlbestandener Lehrzeit und nach erfolgtem Nachweis für die Befähigung in ihrem Berufe zum Zwecke weiterer Fortbildung oder selbstständiger Niederlassung Beihilfen, geeignetenfallS in Form von Darlehen, gewährt werden. Wenn die vorhandenen Mittel es gestatten, kann der Vorstand auch solchen Gesellen oder Meistern Darlehen bewilligen, welche nicht Zöglinge des Vereins gewesen sind. — Der Verein zählt zur Zeit 170 Mitglieder. Die Einnahmen betrugen 3271,91 M. Verausgabt wurden 3008,98 M., wovon jedoch 1533 M. auf den Ankauf von Pfandbriefen fallen. Seine eigentlichen Zwecke wird der Verein wobl erst jetzt in Angriff nehmen, da das erste Geschäftsjahr unter Vorbereitungen hierzu verstrichen zu sein scheint. vermischtes. Brünn. Erzherzog Leopold Ferdinand erschien heute um 1 Uhr Nachmittags in Begleitung des Statthalters Geheimen Rathes Freiherrn v. Spens-Booden und seines Kammervorstehers Obersten Grafen Nostitz-Rieneck im israelitischen Tempel, in welchem der Vorstand der israelitlschen Cultusgemeinde mit dem Vorstande Julius Ritter o. Gomperz und zahlreiche Personen sich eingefunden hatten. Der Erzherzog wurde bei offener Bundeslade vom Landes-Rabbiner Dr. Placzek, begrüßt und mit dem Statthalter und dem Kammer Vorsteher auf das Emporium geleitet. Sodann wurde unter Leitung des Ober-Cantors Heller ein Chor gesungen, sowie Gebete für den Kaiser verrichtet und schließlich von der versammelten Gemeinde stehend die Volkshymne gesungen. Unter Ovationen der versammelten Gemeinde verließ der Erzherzog in Begleitung des Statthalters und des Kammervorstchers den Tempel. Fe»Me«»n. Aus der Leiter. Eine Erzählung von Robert Hänlein. I. Unsere Erzählung führt uns nach U., einem kleinen Städtchen an der russisch-galizischen Grenze. Es ist Sabbat-Nachmittag. In allen Gipfeln herrscht Ruh. Auf dem zum größten Theil von Juden bewohnten Städtchen, lagert eine zauberhafte Stille, die demjenigen besonders auffällt, der das rege, bunte Treiben der Woche kennt. Die ganze Gemeinde hält ihren Nachmittagsschlaf, oder schickt sich dazu an. Jankel Goldberger und seine Frau Gitel, die Helden unserer Erzählung, sind auch bereits im Begriff, den: Sabbatschlaf seinen Tribut zu zollen. Jankel sitzt auf der harten, hölzernen Bank, die Füße auf zwei tannenen, wurmstichigen Stühlen ausgestreckt, mit dem Rücken an die Zimmerwand gelehnt, summt halblaut die Sidra (den heute in der Synagoge vorgelesenen Thoraabschnitt) vor sich hin; zweimal in der heiligen Sprache und einmal in der chaldäischen Uebertragung. Gitel sitzt am entgegengesetzten Ende des Tisches auf einem gebrechlichen Stuhl, mit dem Rücken gegen das Bett gelehnt und liest ihren Zeeno Ureno. Das kleinste 7 Monate zählende Kind liegt, in eineni großen Korb gebettet, schlafend da. Die beiden größeren 8—9 Jahre alten Söhne sind zum „Verhören" beim Melamed (Lehrer) und die zwei 13 und 14 Jahre zählende Töchter haben sich zu ihren Altersgenossinnen begeben, um gemeinschaftlich den Sabbat scherzend und spielend zu begehen. Jankel ist ein Handelsmann in des Wortes wörtlichster Bedeutung. Er hat drei Dörfer in der nächsten Nähe, die er täglich mit seinem Sack aus dem Rücken besucht. Dieser Sack nimmt Alles auf, was sich ihm nur bietet; Lumpen, Knochen, altes Eisen, Zinn, Früchte, Hühner, Fische, Jankel kann Alles gebrauchen und zahlt dafür die höchsten Preise. Zu Hause wird dann das Ganze sortirt und in Geld umgesetzt. Der Gewinn ist nur sehr niäßig, aber er reicht aus, die Familie allerdings bei großer Sparsamkeit „bekowaud" (in Ehren) zu ernähren. Am Sabbat ist vom Handel in ganz U. keine Rede; am wenigsten bei Jankel Goldberger. Er geht schon Freitag nicht mehr über Land, es müßten denn ganz ungewöhnliche Vorkommnisse sein. Aber heute machte Gitel eine Ausnahme. Man kann sich denken, daß sie ein ganz ungewöhnliches Ereigniß beschäftigte. Gestern in aller Frühe hatte nämlich die Hofmagd des nächsten Gutsbesitzers Jankeln sagen laffen, er möge sobald als möglich auf das Gut kommen, sie hätten ein, wichtiges Go-

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