Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 94 (23.11.1896)
- Date
- 1896-11-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448608-2448694--42887-2491910- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1800 schaftliche Arbeit, so übte er bei einer anderen Gelegenheit die Milde seines Herzens gegenüber unglücklichen, verfolgten Juden. Als i. I. 1893 Herr Rabbiner Margulies aus Florenz die größeren Städte Italiens bereifte, um eine Hilfsaktion zu Gunsten der verfolgten russischen Juden einzuleiten, ging ihnl Cardinal Fürst Hohenlohe dabei mit Rath und That an die Hand. Er gehörte zu den „Chaside umauth ha-aulom", von denen unsere Talmudweisen versichern, daß sie Antheil haben an dem jenseitigen Leben. Rußland. Petersburg, 18. Nov. (Gefährdungder Existenz vieler Juden in Rußland). Seit mehreren Jahren hat die russische Negierung die Organisation des Monopols für Alcohol in Vorbereitung. Zuerst wurde diese große Reform in drei westlichen Bezirken versucht und nun in den Bezirken des „Territoriums" eingeführt. Niemand wird daran denken, den Fiskus anzuklagen, daß er hierdurch die jüdischen Familien, die von der Fabrikation und dem Verkauf von Spirituosen lebenzu Grunde richten will. Und dennoch wird die Existenz von mehr als 100,000 Juden gefährdet; und wenn auch das Monopol einerseits dem Märchen Einhalt gebieten wird, das den Juden als den Giftmischer der Bauern hingeftellt, so wird es doch das bereits so entsetzliche Elend der Juden in unabsehbarer Weise vergrößern. Was soll aus den Tausenden von Familien werden, die vom Handel mit Wein tmd Spirituosen lebend Wenn es ihnen noch frei stünde, sich in dein Innern des Landes anzusiedeln! Aber es ist ja bekannt, daß sie dazu verdammt sind, in dem Riesenghetto, das ihnen angewiesen ist, zu leben, und wo die Konkurrenz derartig ist, daß die besten Handwerker keine Arbeit finden und sich zu unglaublich lächerlichen Preisen verdingen müssen. Die russischen Behörden sind es, welche allein dem unabsichtlichen Nebel, das sie heraufbeschwören, abhelfen können, indem sie diesen Unglücklichen die Niederlagen von Wein und Spirituosen anvertrauten; indessen scheint es, daß sie die Juden systematisch ausschließen. England. London, 19. November. Am vorletzten Sonntag fand hier eine Versammlung der englischjüdischen Allianz (Anglo Jewish Association) statt. Der Vorsitzende gedachte in anerkennenden Worten des verstorbenen Sir Albert Safsoon, der 23 Jahre lang Vicepräsident der Allianz gewesen sei. Es wurde beschlossen, an Sir Edward und Mr. Reuben Sassoon ein Condolenzschreiben zu richten. Baronin Clara Hirsch sandte der Allianz neuerdings eine Spende von 200 Pfund Sterling. Es wurdet: hierauf die Berichte des Executivkomitös verlesen. Die Juden von Kermanshah in Persien bitten die Allianz um Schutz gegen die Verfolgungen, die sie auszustehen haben. Die Verfolger gehen straflos aus, ganz besonders sind es zwei Beamte, die es jederzeit zu verhindern wissen, daß die Klagen der Bedrückten zur Kenntniß der obersten Behörden gelangen. Das Elend ist so groß, daß vlehrere Juden den mohammedattischen Glauben anzunehmen gezwungen waren. Es wird beschlossen, dem Ministerium des Innern Vorstellungen in dieser Angelegenheit zu machen. Aus Bombay wird ein Bericht verlesen, der besagt, daß es Herrn Haeem Samuel, dem Präsidenten der von der Alliatlz errichteten Beni-Jsrael- Schllte, gelungen ist, tieuerdings eine Unterstützung von der Regierung für die dortige Mädchenschule zu erhalten. Die Herretl Rothschild unb Mocatta haben je 50 Pfund für den Baufond (behufs Errichtung eirres neuen Schulgebäudes) gespendet. Die Allianzschule in Kairo und die englische Schule in Tanger bitten, die Allianz möge ihnen Lehrer für Englisch senden. Das Ereeutiveomitö beschließt, Lehrer des Englischen in London zu engagieren. Die kleine Gemeinde der Samaritaner in Nablus (Schechenl) hat eine religiöse und tveltliche Schule erichtet, in welche Kinder der dortigell jüdischen Gemeinde allst genommen tverden; sie bittet also die Allianz um eine UtlterstütztlNg. Das englisch geschriebene Gesuch ist von Jakob, dem Hohepriester, und von Isaak, dein Priester der Samaritanergerneinde, unterzeichnet und schließt mit den Worten: „Möge uns Gott wieder vereinigen, wie tvir früher waren, ein Volk Gottes." — Das Executlvkomitö beschließt, erst einen unparteiischen Bericht aus Jerusalem abzuwarten. Aus Smyrna sendet der englische Lehrer der dortigen Allianzschule, Herr Henri F. Scott, einen Bericht über die Fortschritte der Schüler. Nach sechsmonatlichem Unterricht habe eitle Prüfung vor dem englischen Generalkonsul und einer Jury von englischen Lehrertl stattgefllnden, welche alle von den außerordeiltlichetl günstigetl Resilltateil überrascht tvaren. Literarische Notiz. Ein reizendes, kleines Büchelchen in Duodezformat hat Herr Rabbiner Dr. Stern, Kiel, zum Chanukafeste der Israel. Jugeild geweiht. Es ist die Chanukageschichte für Kinder erzählt, mit vier entsprechenden Bildern. Das ganze Buch kostet 10 Pfg. Vereine und Schulen haben Rabatt. -fc* Vermischtes. Fürth Herr Dr. Hermann Dessau, Privatdozent an der Universität Berlin, Sohn des Herrn Dr. Dessau in Fürth i. B, ist zum Professor ernannt worden, eine Auszeichnung, welche von den zahlreichen Freunden und Verehrern des gefeierten Gelehrten mit aufrichtiger Freude begrüßt werden wird.