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Der Israelit · 1896-11-23 · Heft 94 (23.11.1896) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 94 (23.11.1896)
Date
1896-11-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXTn. Jahrgang. SeUage;« M 94 des „Israelit". Literarische Umschau Die social- Frage und das jüdische Atterthum. Vortrag gehalten von Dr. .Heinrich Levh, Oberlehrer am Gymnasium zu Mülhausen i. E. Frankfurt a. M. I. Kaufs mann 1896. Dieser im Rathhaussaale zu Karlsruhe auf Veranlassung des dortigen Vereins für jüdische Geschichte und Literatur gehaltene Vortrag enthält ein Moment, das ihn in vortheilhafter Weise von den meisten Vorträgen dieser Art auszeichnet. Er beschränkt sich nicht darauf die Resultate seiner Forschung bekannt zu geben, sondern ist mit Erfolg bestrebt jeder derartigen Mittheilung durch praktische Anwendung auf das tägliche Leben aktuelles Interesse zu verleihen. Die Unterstützung von Darlehenskassen für die kleinen Bauern, der Schutzvereine gegen wucherische Ausbeutung des Volkes, Fürsorge für entlassene Strafgefangene, Baarzahlung bei Lieferung von Handwerkserzeugnissen, und viele andere Forderungen unserer Zeit, begründet dieser Vortrag durch Hinweis auf die Bestimmungen des jüdischen Gesetzes. Der Vortrag schließt dem entsprechend mit den schönen Worten: „Wenn wir die soziale Weisheit unserer jüdischen Bibel bewundernd ergründen, dann drängt sich uns auf die Lippen das deutsche Dichterwort: „Waö du ererbt von deinen Vätern hast, Erwirb cs. um es zu besitzen!" Und wir wollen dabei denken an den Ausspruch des alten Lehrers in Israel: wwn xbx ipy tmen xb „Nicht die theoretische Erforschung ist die Hauptsache, sondern die Thal." Laßt uns daher jederzeit und überall bereitwillig mithelfen an sozialen Werken, entschlossen vorangehen in sozialen Werken, zur Ehre unserer jüdischen Religion und zum Wähle unseres geliebten deutschen Vaterlandes!" Die jüdische Moderne, Vortrag gehalten im Akademischen Verein „Kadimah" in Wien von MnthiaK Acher (Birnbaum - Wien) Leipzig, Wien 1896. Kein Judenstaat, sondern Gewissensfreiheit. Eine Entgegnung auf Dr. Theodor Herzl's „Der Judenstaat" von Dr. Ludwig Ernst. Leipzig und Wien 1896. Kalte und warme Herzen. Ein Nachtrag zur Broschüre „Kein Judenstaat, sondern Gewissensfreiheit" von Dr. Ludwig Ernst. Leipzig und Wien 1896. Die Broschüre der „Judenstaat" von Dr. Herzl, die wir an anderer Stelle eingehend gewürdigtshaben, hat wie alle Bauten von Königen, mehrere Kärrner beschäftigt, wovon uns in diesen drei Broschüren Proben vorliegen. Während Herr Mathias Acher mit aller Wärme dem Dr. Herzlichen Judenstaat das Wort redet, bekämpft ihn Herr Dr. Ernst in feinen beiden Broschüren mit großer Entschiedenheit. Aber den Freunden des Herzlichen Judenstaats, dürsten die Acher'schen Sympathien wohl lästiger erscheinen, als die Ernst'sche Gegnerschaft. Der Vortrag des Herrn Acher verräth auf Schritt und Tritt den Vertreter des „Zionismus" und zwar in seiner bedenklichsten Form. Das Verfehlte, Rathlose und Schülerhafte aller bisherigen diesbezüglichen Bestrebungen sucht sich unter tönenden Phrasen zu verbergen, unter welchen die Ansichten des Herrn Acher als unanfechtbare Thesen und Axiomen hinausgegeben werden. Dieser selbstbewußte Kathederton stimmt schlecht zu dem schließlichen Resultat, daß alle bisherigen Bestrebungen den Antisemitisinus zu bekämpfen sich als erfolglos erwiesen haben. Besonders ist es dem Verfasser gelungen, die schwachen Seiten der zionistischen Bestrebungen klarzulegen, die er wohl, wie wenig andere aus eigener Erfahrung kennt. Er glaubt alles Thörichte, Unmögliche und Widersinnige, das bei dem Zionismus mit unterläuft, jetzt frank und frei nennen zu dürfen, denn es ist endlich das Radikalmittel gegen alles zionistische Mißgeschick erfunden werden: Der Herzl'sche Judenstaat! Wenn sich dieser zu gründende Judenstaat mit nationalen Juden und Zionisten nach dem Geschmacks des Herrn Acher füllen sollte, dann würde dieser Umstand allein genügen, ihn so unmöglich zu machen, wie es der Zionismus und seine Hirngespinste sind. Gegen solche ihn discreditirende Freunde wird sich der Verfechter des Herzlichen Judeustaat viel schwerer zu erwehren haben, als gegen Gegner vom Schlage des Herrn Dr. Ernst. Ob der letztere Jude oder Christ ist, geht aus den beiden uns vorliegenden Schriften nicht hervor. Seine erste Publikation schließt mit den Worten: „Die Juden haben das unvergängliche Verdienst, aus ihrer Mitte der Welt den Erlöser gegeben zu haben. Wenn nun die Juden die Initiative ergreifen, und seinen Lehren entsprechend, den Haß aus der Welt schaffen, so bieten sie der Menschheit zum zweitenmale Erlösung, Erlösung von confessionellem Haß und Zwietracht." Wenn Herr Dr. Ernst ein Jude ist, so finden wir es wenig taktvoll, daß er seinen Glaubengenossen, wie es hier geschieht, die warmen Herzen zuerkennt und die Menschen mit kalten Herzen bei den Ver-

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