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Der Israelit · 1896-11-16 · Heft 92 (16.11.1896) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 92 (16.11.1896)
Date
1896-11-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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X XXVII. Jahrgang. Seilage ju M 92 des Jlsraelit“. Feuilleton. Aus Den Wemittil einer alten Kerstzns-Gtvliirk. Von ihr selbst erzählt. Von T. Tat, Oberrabbiner im Haag. (Autorisirtc Ucbel setzung aus dem Holläudischeu von Alcrander 8) Baum, Berlin.) (Nachdruck verdote».( Rothenburg besann sich einen Augenblick. Wenn dem reichen Manne so viel daran gelegen war, läge die Möglichkeit vor, daß er ihm 200, vielleicht 300 Gulden dafür geben werde, damit konnte er ein kleines Geschäftchen sich errichten. Er hielt es für seine Pflicht seinen Kindern gegenüber dies dann nicht zurückzuweisen. „Herr Fonseca, ich achte Ihre Anhänglichkeit an das Andenken Ihrer Vorfahren. Ich würde mich vielleicht dazu entschließen. Ihnen das Familienstück zu überlassen, doch wißt, daß ich es nicht für eine Kleinigkeit thun mag, dann würde ich es noch lieber als Geschenk hergeben. Wiederum kann ich mich nicht dazu entschließen, einen Preis dafür zu bestimmen, als ob das Buch eine Waare wäre." Bei diesen Worten hatte er mich aus dem Schranke genommen und mich Herrn Fonseca zur Ansicht übergeben. Dieser nickte nur mit dem Kopfe, als er mich ausschlug und die hebräischen Mittheilungen gelesen hatte. „Ja, ja," sagte er dann „gerade, wie man es mir gesagt hat." Dann legte er mich wieder auf den Tisch und sagte: „Herr Rothenburg, ich weiß, daß ich mit einem sehr achtbaren und angesehenen Kaufmann spreche, dem tausend Gulden eine Kleinigkeit ist. Ich verehre Sie und dieses Familien-Kleinod. Ich frage Sie also, ob Sie die Güte haben wollen, mir dieses Buch für 10,000 Gulden zu überlassen?" Kein Laut ließ sich nach diesen Worten im Zimmer vernehmen. Rothenburg saß wie starr aus seinem Stuhle, dann war es ihm wieder, als ob sich das ganze Zimmer mit ihm im Kreise drehe, als ob er sich dann vor dem einzigen ewigen Gott, zu dem er gestern in seiner Roth gebetet, niederwerfen müsse. Da war auf einmal Rettung für ihn und seine Kinder, die dort in ängstlicher Spannung sein Gesicht beobachteten. Er fühlte seine Seele zerfließen, zu einem lindernden Thränenstrom, der seinem gepreßtem Herzen eine wohlthuende Erleichterung war. Rach und und nach erholte sich Rothenburg von seiner seelischen Erregung, er bezwang sich äußerlich, nahm mich in seine zitternden Hände und las mit unbeschreiblicher Rührung und mit vor Thränen erstickter Stimme die Worte auf dem Vorderblatte, dann reichte er mich mit einem letzten wehmüthigen Blick Herrn Fonseca hin. Dieser sah einigermaßen erstaunt auf. „Also überlassen Sie mir dieses Kleinod für den Preis von 10,000 Gulden Rothenburg nickte zustimmend. „Wohlan,,, fuhr de Fonseca fort, indem er eine kleine Brieftasche hervorholle, „so darf ich Ihnen also gleich die Summe übergeben." „Meinen Dank," sprach Rothenburg einfach. Mehr konnte er nicht sagen. Die Gedanken jagten sich wirbelnd in seinem Kopfe, er konnte dies alles noch nicht fassen. „Gerettet, gerettet," flüsterten seine Lippen leise. — Er konnte nicht wissen, daß Rabbi Uri heute Mittag eine Besprechung mit dem Millionär de Fonseca gehabt hatte, dessen Resultat sich soeben vor unseren Augen im Zimmer des Jonas Rothenburg abgespielt hatte. . . . „Haben Sie Papier und Feder bei der Hand, Herr Rothenburg?" Dieser fuhr aus seinem Sinnen auf. Fonseca lächelte fein. Aber Rüben war schon aufgesprungen und brachte das Verlangte. Herr de Fonseca setzte sich hin und schrieb eine Erklärung in niederländischer Sprache, nach welcher Jonas Rothenburg das betreffende Talmud- Eremplar für die Summe von 10,000 Gulden an Herrn de Fonseca abgelaffen hatte. „Darf ich Ihnen nun noch zwei Bitten vortragen begann Fonseca wieder. „Ich sehe, daß es Sie traurig und schweigsam gemacht hat, daß Sie sich zu der Abtretung überreden ließen. Sie können beruhigt sein, ich werde das Geschenk Ihres Vaters sehr hoch in Ehren halten. — Run haben Sie noch die Güte, dieses Papier mit Ihrer Unterschrift zu beehren. Halten Sie den Schatz bereit, ich werde ihn in einer Stunde abholen lasten. Und nun erlauben Sie mir, daß ich mich Ihnen empfehle." Mit einer Verbeugung wandte er sich nach diesen Worten der Thüre zu, doch erstaunt sah sich Fonseca um, niemand hatte ihn hinausgeleitet. Vater und Kinder standen noch zu sehr im Banne des eben Erlebten, daß Fonseca ihnen die Unterlassungssünde verzeihen konnte. Als aber die Hausthüre mit schwerem Schlag

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