Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 89 (5.11.1896)
- Date
- 1896-11-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXTn, Jahrgang. >( LI M 80. V Itr Israelit. Ein Kenlrat-Hrgan für das orthodoxe IudenLhum. Begründet von »k. DehrnKnrr in M«irrr Donnerstag, den 5. Leitender Artikel. ZmsM llüpttarl jjjitfd) M DU Isrielitistze NrlisionszrsrllsHM roFrMsmt a.W. Von Director Dr. Mendel Hirsch. VIII. Die Wirkung der in unserem vorigen Artikel mitgetheilten Erwiderung war eine durchschlagende. Der frivole Angriff war zurückgewiesen, der Angreifer besiegt, definitiv. Seine eifrigsten Anhänger waren eifrigst um ihn bemüht, daß er nur um's Himmelöwillen nicht noch einen Gang wage. Einer dieser Verehrer, behutsam nennt er sich nicht, glaubt diesem Wunsche auch öffentlich einen Ausdruck geben zu sollen, in dem sich die ganze Rathlosigkeit verräth, in die man versetzt war. In Nr. 102 des „Jntelligenzblattes" vom 30. April 1853 meint er schonend, daß eigentlich Alle wünschten, daß „der öffentliche Streit zwischen Dr. Heß und Dr. Hirsch ein Ende nehme," und versichert den Ersteren nach wie vor der Verehrung seiner Schüler, von denen so viele selbst in fernen Ländern als achtbare Kaufleute daständen. Auf die Behauptung, Herr Hirsch habe in seinen Artikeln einen Jeden, der nicht nach der von ihm behaupteten „göttlichen Intervention auf den Küchenzettel" (sic) lebe, einen „Blut- und Würmerfreffer" genannt, folgt die Entdeckung, daß Herr Hirsch, der „durchblicken (!) lasse, daß in der Realschule ein gegen die Bibel gerichteter irreligiöser Unterricht ertheilt werde," ja auch nicht nach dem Buchstaben der Bibel lebe. Sitzt er denn etwa im Winter im ungeheizten Zimmer? Hat er auch nur einen einzigen Sabbathübertreter — gestei- November 5657 (1896). _ nigt? Nur „Affen und Papageien, Löwen und Wölfe, Haifische und Schlangen leben noch ganz nach den Gebräuchen ihrer Väter zur Zeit der Schöpfung" — und Herr Hirsch verlangt das von den Juden! Zum Schluß verlegt dieser Vertreter der wahren Bildung, der also kein Haifisch war und deßhalb auch nicht nach den Gebräuchen seiner Väter zur Zeit der Schöpfung lebte, sich auf's Prophezeien. Es könne, so meint er, Herrn Hirsch wohl aus einige Zeit gelingen, seine Institutionen zu erhalten, ja es fei sogar wünscheu swerh, daß ihm dazu Zeit und Mittel gegönnt werden, seine Pläne durchzufahren. Denn umsomehr werde „das Scheitern derselben zeigen, daß auch ein mit den reichlichsten Mitteln und kräftigstem Zelotismus gewagter Versuch gegen die Gesittung (sic!) der Zeit an zukämp fen , ein vergeblicher gewesen." — Nun, seitdem sind mehr als dreiundvierzig Jahre in's Land gegangen. Die Schule, der ein solches Prognostikon gestellt wurde, ist Gottlob noch immer im kräftigsten Gedeihen begriffen und erfreut sich in steigendem Maße der Anerkennung und thatkraftigen Förderung von Seilen ihrer Gemeinde, die noch immer in ihr ihre eigentliche Basis und die Trägerin der Hoffnungen ihrer Zukunft erblickt. Eine andere Schule ist es, an deren Auflösung die Schüler des Herrn Dr. Heß in konsequenter Befolgung seiner Lehren gegenwärtig -arbeiten. Auch an dem Gelde der frommen Thalmud-Thora-Stiftungen, das einst mit so grausamem Hohne den Sliftungszwecken entfremdet und ihr zugewandt wurde, scheint kein Segen gewesen zu sein. Die Gemeinde sei nicht reich genug, so wird behauptet, um die für ihre Erhaltung nöthigen Opfer zu bringen. Wenn es nun auch wohl nicht zum Aeußersten kommen wird, wenigstens nicht so bald, so spricht doch die bloße Thatsache, daß eine solche Frage in Frankfurt, der einstigen