Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 87 (29.10.1896)
- Date
- 1896-10-29
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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1671 Der Religionslehrer erfülle unbestritten eine hochbedeutsame Kulturaufgabe. Der erste und vornehmste Unterrichtsgegenstand der Schute, der Religionsunterricht, sei seine Lebensaufgabe. Er leistet dem Staat eineil wichtigen Dienst, indem er ihm religiöse, moralisch-sittlich gute Menschen erziehen helfe, und doch — diese Mißachtung seiner Leistung! E i n Grund hierfür sei jedenfalls darin zil suchen, daß wir nur eine geringe Minorität im Staate bilden. Das aber werde nicht bedacht, daß auch wenige, irreligiös erzogene und sittlich verkommene Menschell Unheil in Menge anrichten können. Die gegenwärtige Zeitströmung berechtige zwar llicht zu großen Hoffnungen, aber wir Lehrer bürftcn das Hoffen nicht aufgeben. Wenn der Winter noch so lauge dauere, einnial lllüsse es doch Frühling werden, einmal müsse doch das Morgenroth einer glücklicheren Zukunft anbrechen! Was im benachbarten Württemberg schon lange Thatsache ist, sollte bei uils eilt Ding der Unmöglichkeit fein? Gewiß llicht, es bedürfe nur des guten Willens. Bis es aber dahin käme, müßten wir den Hebel anderswo einsetzen, ulüßten auf einen anderen Punkt unsere Kräfte konzeiltriren, und damit kmu der Vortragende wieder aus deil Ausgaugspunkt seiner Erörterungen zurück, auf den Verein. Er hob hervor, daß in richtiger Erkenntnis; der traurigen Zustände es ein Schritt rettender That gewesen sei, als im Jahre 1879 ein aus 6 Mitgliedern bestehendes Eomitö eine Versammlung zur Gründung eiltet Vereins einberief, um, wie es hieß, durch ein inniges Alleinanderschließen die meist auf kleinen Landgemeinden zerstreutell, mit Roth kämpfenden, ganz auf sich angewiesenen Glieder des israelitischerr LehrerstaudeS vor ruaterielleul Verkommen und intelektueller Versumpfung zu bewahren. Referent erörterte sodanil das Verhältniß unseres Vereills zu delu baycrischell Schullehrervereine, weil in einer Polenlik zwischen dein Vorsitzenden dieses uild dem des evangelischen Schulvereins mehrfach Bezug auf den israelitischen Lehrerverein genommen wurde, und kam zu dem Resultate, daß der israelitische Lehrerverein voll und gailz auf dem Standpunkte des bayerischen Voltsschullehrervereins stehe und dessen Tendenzen, wie solche in £ I seiner Satzungen niedergelegt sind — Förderung des vaterländischen Volksschulweseus und Kräftigung des Volksschullehrerstandes — in keiner Weise lviderstrebe. Es sei deshalb kein Grund vorhanden, die Mitglieder des israel. Lehrervereills, soweit sie auch solche des bayerischen Volksschul- Lehrervereins seien, von diesem auszuschließen?) In seinen weiteren Ausführungen kam der Vor- *) Die Verhandlung der am darauffolgenden Tage stattgefundenen Delegiertenversammlung des letztgenanten Vereins hatten in Wirklichkeit auch dieses Ergebniß. tragende zur Beantwortung der Frage: Was können und sollen wir thun, um für den Verein zu seinem weiteren Ausbau die nöthigen Bausteine zu gewinnen? Eine sulide Grundlage sei zwar geschaffen, aber zu einem stattlichen Ausbau fehle noch sehr viel. Wenn die Nnterstützungsguote für eine Wittwe oder einen dienstunfähigen Lehrer nur hundert Mark betrage, so bedürfe es keiner weiteren Auseinandersetzung, daß dieses Rerchniß bei jegltchem Mangel an gemeindlichen oder staatlichen Zuschüffen zur Bestreitung auch der bescheidensten Lebensbedürfnisse kaum genügen könne. Und wenn wir nicht darauf bedacht seien, unserer Kaffe erhebliche Einnahmen zuzuführen, so könnte leicht, bei der sich immer steigernden Inanspruchnahme derselben der mißliche Fall eintreten. die Unterftützungsthcile wieder herabsetzen zu muffen; und welch'bittere Enttäuschung dies für die Empfänger wäre, leuchte wohl ein. Die erste und wichtigste Pflicht aller Collegen sei daher, ihre Gemeinden für unseren Verein zu erwärmen und deren Sympathien für denselben zu erwerben. Es muffe den Gelneinden nahe gelegt werden, daß ihnen die moralische Pflicht obliege, wenigstens etwas zur Sicherstellung der Zukunft der Lehrer und deren Hinterbliebenen beizutragen. Das ureigenste Jntereffe der Gemeinden erfordere diese Berücksichtigung. Denn, wenn der Lehrer von dem Bewußtsein getragen werde, daß '.nan seinen Leistungen auch insoferne Anerkennung zolle, daß man dazu milhelfe, seinem Lebensabend nicht troft- und hoffnungslos entgegen sehen zu müssen, so werde er gewiß mit Eifer und Schaffenslust sein Arbeitsgebiet bestellen, ja das Gefühl der Dankbarkeit werde ihn dazu anregen, das ihm entgegengebrachte Vertrauen zu rechtfertigen. Das Leben uub Wirken des Lehrers selbst sei ein wichtiges Moment zur Gewinnung des Interesses für unfern Verein. Wenn der Lehrer keine Achtung und kein Ansehen in seiner Gemeinde genieße, so sei es wohl selbstredend, daß man seinen Worten, die den Beitritt zu unserem Verein bezwecke, keine Beachtung schenken wird. Wir sollten daher in steter Verbindung mit dem Hause und der Familie zu bleiben und deren Vertrauen zu gewinnen suchen. Aus dem Laude sei dies ja besonders leicht. Hier sei der Lehrer meistens der einzige geistliche Beraiher und oft komme man mit religiösen Fragen zu ihm. Wenn nicht auf der Kanzel, so doch wenigstens bei den allfabbatlichen Schiur-Vorträgen, wo die meisten Gemeinvemitglieder versammelt seien, böte sich schöne Gelegenheit, durch anregenden Vortrag in geistigen Wechselverkehr mit der Gemeinde zu treten. Verhalten wir uns den Gemeindeinstitutionen gegenüber nicht indifferent und suchen deren Bestrebungen thatkräftigst zu unterstützen. Leben wir nicht