Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 85 (22.10.1896)
- Date
- 1896-10-22
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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kam und keine Aussicht hatte, je vie Schuld an die Judengemeinde zu bezahlen, so hatten die sauberen Stadlväter auf Antrag ihres Bürgermeisters beschlossen, durch Beseitigung des Inden-Vorstandes und Vernichtung des von diesem mitgebrachten Schuldscheines sich von der Schuldenlast zu befreien. Doch durch die aufopfernde und wackere That des edlen Stadtrathes wurde dieses nichtswürdige Vorhaben noch rechtzeitig vereitelt und das Leben des Urahnen des berühmten „Takiss", R. Koppel Theben und der übrigen Koholsleute, die sich zur bestimmter Zeit im Stadthause nicht einfanden, gerettet. Der Zorn und die Wuth des Bürgermeisters und der übrigen Stadträthe über die Ungehorsamkeit des Judenvorstandes war ein unbeschreiblicher, um so größer, als man auf eine Renitenz seitens desselben nicht gefaßt war. Die Stadträthe kamen zu der Ueberzeugung, daß hier Verrath im Spiele, und daß der Verräther in ihrer Mitte zu suchen sei. Es war ganz natürlich, daß der Verdacht sich bald auf den betreffenden Stadtrath lenkte, von dem man wußte, daß er mit dem Vorstände der Judengemeinde auf freundschaftlichem Fuße stand. Kaum war dieser Verdacht von einigen Stadträthen leise ausgesprochen, als die übrigen den betreffenden edlen Stadtrath offen, als den Verräther des Complotts gegen den Judenvorftand bezeichneten. Doch da geschah das Unerwartete. Der so beschuldigte Stadtrath, ein hoher und edler Charakter, der keiner Lüge fähig, gestand offen seine That und bezeichnete sich selbst als Denjenigen, der in später Nachtstunde dem Vorstand der Judengemeinde das gegen ihn geplante ruchlose Complott oerrathen, um ein sündhaftes Verbrechen an Unschuldigen zu verhindern. Wie ein Funke in einem Pulverfaß wirkten seine Worte; denn kaum hatte er das offene und muthige Geständniß abgelegt, als die Stadträthe, wie eine Meute Hunde über den Unglücklichen hersielen und die Rohesten unter ihnen den Armen in ihrer grenzenlosen Wuth, nachdem sie ihn fürchterlich mißhandelt, vom Rathhausfenster hinabstürzten, wo der Eole mit zerschmetterten Glieoern todt liegen blieb. Dieses schreckliche Ereigniß hätte auch für die Juden Preßburg's üble Folgen gehabt, wenn nicht der biedere Rosch Hakohol, der bei der Negierung, ja sogar beim Monarchen im hohen Ansehen stand, sofort nach Entdeckung des Complotts eine Audienz beim Kaiser erwirkt, das verbrecherische Treiben des Bürgermeisters aufgedeckt und dagegen Klage erhoben hätte. Mittels Cabineis- Ordre wurde der Bürgermeister sofort seines Amtes entsetzt und verhaftet und nach eingeleiteter strenger Untersuchung dieser, sowie die mitschuldigen Stadträthe, die den bedauernswerthen Stadtrath vom Fenster gestürzt, zum Tode durch den Henker verurtheilt. So wurde dem scheußlichen Verbrechen seine Sühne gegeben. Zum Andenken an den von dem Rathhausfenster herabgestürzten Stadtrath, ist später hinter dem Erker des Fensters, von wo aus die Unthat geschehen, die aus Stein gehauene Halbfigur des Unglücklichen angebracht und dadurch verewigt worden. Dies die geschichtliche Sage über die Steinfigur am alten Preßburger Rathhause, wie sie uns von vielen älteren Mitgliedern der Preßburger jüdischen Gemeinde und auch von den Nachkommen des berühmten „Takts" Rabbi Koppel Theben, zu denen auch Schreibers Dieses zu zählen die Ehre hat, überliefert worden. Anzeigen. Für den folgenden Theil ist die Redaktion nicht verantwortlich. (Dxie Stelle als Kuttusbe» ** amter, der gleichzeitig Schächter, geprüft. Lehrer und Borbeter sein muß, und auch dtvtsche Borträge halten kann, ist pr. sofort zu besetzen- Einkommen 1500 Mk. Gehalt. Nebeneinkommen ca. 150 Mark. Meldungen nimmt der Vorstand entgezen. (5422 Schoeneck (W.-Pr.) 12. Okt. Der Synagogenvorstanb. gluf sofort od. p. 1. November c. zwei tüchtige Geselle« für meine Schlachterei und Wurstfabrik. (5514 Sally Silberberg Bremen,Molkenflrahe il. 1136 in nur bewährten Qualitäten, s Gesellschafts-,Stratzenn. Brauttoiletten liefert zu Original-Fabrikpreisen Leidenhaus M. Gsttltet», ArrankfueL a. M. Herstiche Bitte um Hilfe! Ein ordentlicher braver Mensch ist durch fortgesetzte familiäre Schicksalsschläge in bittere Noth gerathen. Flehendlich bittet derselbe edeldenkrude Glaubensgenossen um Hilfe und bitten wir insbesond ere Prediger und Lehrer in ihren Gemeinden eine Collecte zu veranstalten und ist die Expedition dieses Blattes zur W.iterbuörderung unter 5233 gerne bereit. Alls Wunsch theilen wir den Namen deS Unglücklichen im Vertrauen mit. (* Stelle rin. zweiten Kantors, Schächters u. mip in hiesiger Gemeinde tu am 1. Dezember d. I. zu besetzen. DaS Gehalt betragt 1350 bis 1500 M. pro Jahr und ansehnliche Nebeneinnahmen. Gecignete Bewerber wollen ihre Meldungen unter Beilegung von Zeugnissen und Angabe ihres A terZ und ihrer Familienverhältn.sie an den Unterzeichneten Vorstand biS zum 1b. November c. richten. Kempen, R. - B., Posen, 13. October 1896. Der Vorstand der jüb. Corporation : 5447) Jsaac Bloch.