Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 85 (22.10.1896)
- Date
- 1896-10-22
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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Mdislhe ßügkn unö Alterthwer in NrOmg. Von Hermann Löwinger. ÄgSAS&für das H4Ä U\r Ivwll Orthodoxe «MudenthumÄ ARON -Q^ -OAA OS E S v.‘ 22. Okt. 189G.] lNr. 15 EM MD WM Msr- II<,J l,M!EBfft Ire AatWausfigur. Der alterthümliche Bau des Preßburger städtischen Nathhauses mit seinem hochragenden Thurme zählt zu den ältesten Gebäuden der früheren Krönungsstadt Ungarns. Soll er doch schon zur Zeit des Mathias Eorvinus errichtet worden sein, und somit ein Alter von mehr als vier Jahrhunderte haben. Trotz dieses hohen Alters hätte er nach der Meinung Vieler seine frühere Form beibehalten, und von mehreren Restaurirungen abgesehen, ist er unseres Wissens nur einmal und zwar vor ungefähr zwei Dccennien durch Neubau des Nepräsentnntensaales, in seinem Innern einer gründlichen Renovirung unterzogen worden. In seiner äußeren Form ist er jedoch derselbe geblieben und so ziert noch heute dieses ehrwürdige Denkmal aus alter Zeit den Haupiplatz der Stadt Preßburg. In einer Mauernische unweit des Rathhausthores sieht man noch jetzt eine vom Wind und Wetter geschwärzte und verwitterte Steinfigur, über deren Provenienz die verschiedensten Sagen im Umlause sind. Von den vielen Sagen wollen wir die uns am wahrscheinlichsten dünkende, von vielen älteren Mitgliedern der Preßburger jüdischen Gemeinde erzählte Geschichte über den historischen Ursprung dieser mythischen Halbftgur mit dem vorgebeugten bärtigen Kopfe, herausgreifen, und unseren geehrten Lesern wiedergeben. Diese Erzählung dürste umsomehr das Interesse wachrufen, da dadurch ein. wichtiges Blatt aus der Geschichte einer uralten jüdischen Gemeinde, wie die Preßburg's, die sich vor beinahe zweihundert Jahren abgespielt, vor deren Augen entrollt wird. * * ■¥ Es war an einem heißen Julitage des Jahres 1710. Ein azurblauer Himmel wölbte sich über die alte Krönungsstadl, kein Wölkchen bedeckte den Horizont und heiß und versengend sendete die Sonne ihre Strahlen über Preßburg. Eine geradezu unerträgliche Hitze machte den Aufenthalt im Freien beinahe unmöglich. Besonders im alten Preßburger Judenghetto herrschte eine drückende Athmosphäre. Nur hie und da konnte man einen Passanten trägen Schrittes, den Schweiß von der Stirne sich wischend, dahergehen sehen, ein Jeder jedoch froh, wenn er sein Heim gesunden und der Gluthhitze entronnen war. Doch war die drückende Hitze, die zu dieser Zeit im Judenviertel herrschte, nicht von so lähmender Wirkung auf die Bewohner desselben, als die alle jüdischen Gemüther beklemmende und alles Leben in derselben stockenmachende Angst, die sich aller Juden Preßburgs, in Folge der traurigen Situation und der großen Gefahr, in der diese sich befanden, bemächtigt hatte. Die dunkelsten und abenteuerlichsten Gerüchte von einer bevorstehenden Judenaustreibung und von Cravallen durchschwirrten die Judengasse, und da zu damaliger Zeit derlei Dinge nicht zu den Seltenheiten gehörten, so fanden solche Hiobsposten