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Der Israelit · 1896-10-22 · Heft 85 (22.10.1896) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 85 (22.10.1896)
Date
1896-10-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXVII Jahrgang. M 8S Der Israelit. Ein Aentrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von vr. f^mann in M«rnz Donnerstag, den 22. Oetober 5657 (1896). sä- Brnei ffltavh abonnirt man bei allen Postanstalten für die Monate November und Dezember auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSfchalter des Wohnorte» des Besteller» oder bei dem betreffenden Landbriefträger aufgegeben werden. Die ErpeüiUon des „Israelit". L«tt««ve« Artikel. jSomfon Mttl HlrsH «ad die IsraMslhk Relisioasgesellslhast zaFlMsart «.M. Von Director Dr. Mendel Hirsch. VI. Die herrliche Erwiderung lautet: Da» rabbinifche Judenthum und die sociale Bildung. Ein erstes und letztes Wort zur Verständigung. Ein mit Nr. 78 des „Frankfurter Journals" ausgegebenes Blatt hat von der Ankündigung einer Unterrichtsanstalt der Israelitischen Religionsgesellschaft Veranlassung genommen, sich über rabbinisches Judenthum und sociale Bildung in einer Weise zu expectoriren, daß mit der ganzen Expectoration nichts weiter erreicht ist, als dem Publikum zu zeigen, wie sehr dem anonymen Expectoranten die allerersten Elemente sowohl der socialen Bildung, als des rabbinischen Judenthums eine unbekannte Größe seien, und wie sehr man in gewissen Kreisen das rabbinische Judenthum gern bereits als so antiquirt und in der allgemeinen Achtung herabgekommen betrachten möchte, daß auch die leichtsinnigste Gedankenlosigkeit und die begriffloseste Unwissenheit auf zujauchzende Sympathien im Publikum rechnen zu können vermeinen dürften, sobald sie nur über das rabbinische Judenthum vornehm den Stab brechen, und wenn sie auch damit tausende von Bruderherzen, die noch mit inniger Liebe diesem väterlichen Heiligthume anhangen, in kalter Gefühllosigkeit schmerzlich verwunden. Nicht daher jene in sich selbst zerfallenden anonymen schülerhaften Ergießungen zu entkräften, sondern diesen Todtenschein unseres jüdischen Heiligthums nicht durch Schweigen zu bestätigen, ist Zweck dieser entgegnenden Worte. Sociale Bildung? Sociales Wissen und Leben? Die Erleuchtung des Geistes, daß er die Verhältnisse und Beziehungen des allgemeinen socialen Lebens in ihren auf dem Boden dev Natur und Geschichte erwachsenen Entwickelungen der Vergangenheit und Gestaltungen der Gegenwart wahr zu erfassen und gerecht zu würdigen verstehe, — die Veredlung des Herzens, daß es warm für alles Wahre, Edle und Große in weitem humanen Kreise schlage, und mit freudiger Hingebung überall bereit sei, wo nur immer es gelte, menschliches Elend zu mildern, menschliches Heil zu mehren, — die Entwickelung endlich aller Anlagen und Kräfte, daß auch mit dem Willen die Fähigkeit sich eine, für das allgemeine menschliche und bürgerliche Heil segensreich thätig zu sein —: das haben wir einfältige, rabbinische Juden in unserer rabbinischen Einfalt bis jetzt für den alleinigen Stempel wahrhafter socialer Bildung gehalten, und waren so einfältig zu glauben, daß diese Erleuchtung des Geistes, diese Veredlung des Herzens, diese Ertüchtigung der Kräfte, diese echte sociale Bildung sehr wohl mit der treuen, unverbrüchlichen Anhänglichkeit an den väterlichen Glauben bestehe, ja, in diesem Glauben und aus ihm erst ihre rechte Wurzel und Nahrung ziehe; waren so einfältig zu glauben, daß der Erleuchtung des Geistes, der

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