Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 84 (19.10.1896)
- Date
- 1896-10-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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„Weil Ihr dem Rembrandt seine Sammlung erhalten sollt. Steigern sollt Ihr, so viel als möglich. Alles was ich mir in den Jahren verdient, stelle ich Euch zur Verfügung, aber ich lvill dem Rembrandt seine Sammlung nicht zerstreut und zerrissen sehen, so lange der Mann lebt. Ihr sollt mir helfen. Ich schaffe ihm Alles — Alles, was ich retten kamt — wieder zurück." „Schaul, ich bin ein Geschäftsmann — was geht mich der Rembrandt an V" „Aber mich, der ich sein Freund biu, dem ich Alles verdanke; denn er führte unch erst ein in die Welt. Manasse ist todt — aber Rembrandt lebt; und ich zahle ihm meine Schuld, die ich nur messen kann an meiner Dankbarkeit für ihn." „Schenken, schenken wollt Ihr dem Rembrandt, was sich der Mann nicht erhalten konnte, ein großer Mann, gegen den wir nichts sind als arme Juden, die im Staube den Heller gesucht haben und gespart haben den Heller zum Heller, den Gulden zum Gulden? Schaut, seid Ihr ein Narr, ich will es nicht sein. Schaul, Euer Geschäft kann der Schlome nicht machen." „So wollt Ihr mich zum Gegner? Besinnt Euch wohl, eh' Ihr den Kampf aufnehmet! Auch ich finde Freunde. Sir und die Andern — Alle werden doch nicht todt oder abgefallen sein. Sie werden mir beistehen — aber was theilen wir die Beute vor der Schlacht? Aber auch darin seid Ihr im Jrrthum, als wollte ich Euere Hilfe umsonst, Euern Schaden will ich ja nicht. Berechnet Euer Geschäft; Euer Vortheil verträgt sich mit meinem Plane!" „Ich verstehe, ich verstehe. Gut, wir einigen uns über die Bedingungen. Warum soll ich auch spielen und wagen? Vielleicht, ja, es ist besser, wir gehen zusammen. Es ist vielleicht besser und sicherer, wir einigen uns im Guten. Aber Ihr habt mich erschreckt. So kommt mit, wir wollen die Sache vernünftig bereden!" Und das Unwahrscheinliche trat ein. Rembrandts Sammlung, die, nach heutiger Schätzung, Hundcrttausende werth war, auch trotz der finanziellen Calamität in jenen Tagen eine bedeutende Summe bringen mußte, ergab das lächerlich geringe Resultat von 5000 Gulden, und die Verbündeten konnten einen erheblichen Bestandtheil derselben erwerben. Schaul's Plan war als gelungen anzusehen. Mit welcher Freude erfüllte den jüngeren Mann der Gedanke, jetzt herantreten zu können vor den alten Freund: „Euer Schiff war gescheitert, aber seht, von der kostbaren Ladung Hab' ich Euch, wenn nicht Alles gerettet, doch Einiges für Euch geborgen. Nicht kahle Wände werden Euch umgeben, nicht die gähnende Leere soll Euch znrückschrecken, daß Ihr kümmerlich in enge Verhältnisse Euch zurückzieht!" Und auch Schlome wollte an der Freude theilnehmen, er wollte mit dabei sein, dem großen Mann, wenn auch nur bis ans die Schwelle seines Gemaches, nahe treten, so zusehen und sich mit freuen. Aber der Athem stockte den Beiden, als sie Rembrandts neue Wohnung an der Rozengracht betreten durften. Das hatten sie nicht erwartet. Wenn arnre Holzfäller im Walde sich von dent Geäste und Gezweige der niedergelegten Stämme eine kleine Hütte zusammeuschlagen, dann steht noch die kleine Hütte, wenn die stolzen Bäume schon weggeschafft sind von der Stelle; mühsame Arbeit giebt es da noch ringsum zu thun; Wurzeln auszugraben, Hol; zusammenzuschichten. Trostlos ist der Anblick, Verwüstung, Trümmer. Aber Rembrandt — blieb eben, der er war. Wunderbare Werke seiner Hand, ringsum an den Wänden und auf den Staffeleien, waren der Vollendung entgegengefördert. Auch die Sammlerleidcnschaft war nicht abgethan. Nehmt doch dem Sammler Alles, tragt Alles hinweg — Geister der Luft scheinen ihm, beflügelt, alsbald wieder Neues herzuzutragen und — der Phönix steigt herrlicher aus der Asche wieder empor! Rembrandt hatte gerade deit Kunsthändler Zomer bei sich, der ihm schon früher italienische Gemälde und Antiken verschafft hatte. Ein Blick, ein Wort, eine Bewegung entschuldigte ihn; dann verschlang er wieder mit den Augen ein Portefeuille mit vergilbten Kupferstichen, die ihm Zomer gebracht hatte, Blätter des berühmten Marc Anton Raimondi, des Meisters der äußersten Klarheit und oft herb in der Zeichnung, das der Rembrandtischen Art denkbar Fernste, und dem Maler vielleicht gerade deßhalb anziehend. Vor Zomer, dem langjährigen Freunde, gab sich Rembrandt gar nicht die Mühe, seine Aufregung zu verbergen. Rascher ging sein Athem. Er legte die Mappe mit den Kupferstichen vor sich, faßte krampfhaft die Tischplatte und stieß es nur so heraus: „Und Euer Preis, Zomer?" „Mynheer — es ist das vollständige Werk des Marc Anton!" „Vollständig, nein — aber das thut auch nichts. Ich muß Euren Marc Anton haben. Nennt Eure Forderung!" „Hundert Gulden, Mynheer, Hab' ich dafür gegeben." „Und Zomer, Ihr fordert?" „Mynheer, habt Ihr nicht mir einen Tausch dagegen vorzuschlagen?" „Zu tauschen — Zomer," lachte bitter Rembrandt. „Ach, ich bin jetzt so arm, so ausgeplündert! Meine Radirungen habt Ihr alle — "Neues — halt! Das habt Ihr noch nicht gesehen! Mein letztes Blatt!" Und Rembrandt holte eine Mappe herbei, aus welcher