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Der Israelit · 1896-10-15 · Heft 83 (15.10.1896) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 83 (15.10.1896)
Date
1896-10-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1586 Anlehnung an seine früheren Beschlüffe eine Entscheidung von prinzipieller Bedeutung. Der zur Zeit in Furtwangen ansässige Fabrikant Johann Fellheimer war zur Steuer für allgemeine kirchliche Bedürfnisse der israelitischen Religionsgesellschaft in Baden hercmgezogen worden, indem ihm von der Kirchenbehörde die Auflage gemacht wurde, eine dem Steuerkataster entsprechende Kirchensteuer zu leisten. Gegen das Vorgehen der israelitischen Kirchenbehörde legte Fellheimer Beschwerde ein und verlangte die Entscheidung des Bezirksraths. Er begründete seine Beschwerde damit, daß er angab, schon im Jahre 1887 in London seinen Austritt aus dem israelitischen Glaubensbekenntniß angezeigt zu haben. Zum Beweis dafür, daß er dem Judenthum nicht mehr angehöre, berief sich Fellheimer, der ein geborener Württemberger ist, auf die Volkszählungslisten der Jahre 1890 und 1895, in denen er als Atheist resp. als keiner Religion nngehörend eingetragen ist. Trotz dieser Argumentation wies der Bezirksrath die Beschwerde ab. Er ging dabei von der Ansicht aus, daß Fellheimer eine unzweideutige Erklärung den zuständigen kirchlichen Organen gegenüber, aus welcher hervorgehe, daß er dem israelitischen Bekenntnisse nicht mehr angehöre, nicht angegeben habe. Eine solche Erklärung sei aber zum Austritt aus einer Religionsgesellschaft nöthig. Herr Fellheimer bleibt also trotz seines Atheismus vorläufig noch Jude. vermischtes. Dresden (Kauft nicht bei Jude n i. Cf ine Stempelmarke mit dieser bekannten Anschrift mar obne Wissen des Ausfüllers eines Meldezettels aut dessen Rückseite geklebt, dem Polizeiamt in Leipzig zugegangen Die Behörde er blickte hierin eine grobe Ungebühr ihr gegenüber und belegte den verwest tlich Schuldigen wegen Verübung groben Unfugs mit einer Strafe von 1k» Mk. Der Herr, dem dies Strafmandat zugcdacht mar, befand sich bei Zustellung der Strafverfügung auf Reisen, er theilte nach seiner Rückkehr dem Polizeiamt mit, daß ec gerichtliche Entscheidung beantrage, da er sich keiner Verübung groben Unfugs bewußt sei. Darauf erhielt er vom Polizeiamt ein Schreiben, ivorin ihm mitgetheilt wurde, daß die Strafverfügung rechtskräftig ge worden fei, fein Antrag auf gerichtliche Entscheidung des halb keinen Erlolg haben könne, wenn er aber seine Angabe, daß er die Marke nicht selbst darauf geklebt habe, einigermaßen zu belegen vermöge, eine Rücknahme dieser Strafe in Erwägung gezogen werden solle. Diese Zurücknahme erfolgte dann auch. Winzenheim (Ober-Elsaß.) Anfangs voriger Woche waren es hundert Jahren, daß das hiesige rvs angelegt wurde Vor hundert Jahren war Winzenheim die größte israelitische Gemeinde des Landes. Damals und noch lange Jahre nachher war Winzenheim Sitz des Be zirkscynsistoriums und heute nimmt die hiesige israelitische Bevölkerung von Jahr zü Jahr mehr und mehr ab. Grün. Das neunjährige Kind der Wäscherin Johanna Mihalowitsch stürzte plötzlich in die Donau. Auf den Hilfc- Tuf der Mutter eilten Viele herbei, doch (Niemand wagte es aus Furcht vor dem Strudel, ans Rettungswert zu gehen. ' Endlich sprang der 19jährige Student Eduard Horn angekleidet ins Wasser und rettete mit eigener Lebensgefahr das Kind, am Ufer vom zahlreichen Publicum mit begeisterten Zurufen begrüßt. Amsterdam, 8 Okt. Ein Theil der Kroudiamanten von Frankreich, «nnst von der Kaiserin Ellgenie getragen, wurde jüngst hier versteigert. Sie wurden größtentheils von russischen Glaubensgenossen im Aufträge griechischorthodoxer Juweliere in Petersburg angetanst und zwar um den Preis von M. 170,000. Podwoloczhska Unser kleines entlegenes Städtchen wurde von einem Brand unglücklich betroffen. Das EonnE wandte sich an Frau Baronin Hirsch in Paris, die auch nicht zögerte uns eine großmüthige Spende von 2522 Gulden zutommen zu lassen. J. P— p. Petersburg. In unterrichteten Kreisen verlautet, daß die vor einigen Jahren erlassene Verfügung, wonach die Zahl der jüdischen Studenten ans den Hochschulen das Ver hältniß von 5 Prozent der Gesammtzahl der Studirenden nicht überschreiten dürfe, demnächst aufgehoben werden soll. Aus Spanien berichten die „Hamb. Rachr.": Von 1875 bis 1*95, also in einer Zeitspanne von 20 Jahren, hot der Fiskus in Spanien .108,175 Grundstücke beschlagnahmt, deren Eigcnthümer nicht im Stande waren, die daraus lastenden Steuern zu entrichten. Die Grundstücke gehörten zumeist kleinen Bäuerin die infolge der bestehenden hohen Bodenstenern mid des in Spanien grassirenden Wucher wesens ins Elend gerathen sind. Spanien ist bekanntlich seit io 0 Jahren j üben ran. Constantinapel David Molcho Pascha, oberster Dolmetscher der Pforte, ist vom Kaiser von Japan mit der ersten Klasse des japanesischcn Ordens decornt worden. Es gibt kaum einen Fürsten in Europa oder in den civilisirten T heilen Asiens, ivelcher dem allgemeinen beliebten David Molcho nicht schon eine ähnliche Gunst eriviese» hätte. Konstantinopel« Der Sultan hat Dr. Jacques Rissim Bep, den obersten Arzt des dritten Armeekorps, welcher sein Hauptquartier in ^alonichi hat, zum Range eines Pascha erhoben. Aus London berichtet man, daß Air. W. S. Penlen, der berühnste Verfasser von „Eharlep's raute" «Eharlcn's Aunt> rind seine (Gemahlin lebenslängliche Kuratoren des jüdischen Kranken und Waisenhauses geworden sind. Herr Penlen hat 20 Guineas gespendet und bei der (Gelegenheit seine Absicht kundgcgcben, sich auch weiterhin mit einem jährlichen Beiträge zu bctheiligen. Diese erfreuliche Thatsackie beweist von dienern, welch gutes Einvernehmen zwischen der Londoner Knnstwell und der jüdischen Gemeinde besteht New Port. < S o n n t a g s r u I) c i n A mcri k a.) Vergangenen Montag hatte der Richter Eornell über eine schwierige Frage in Sachen der Sonntagsruhe zu eictfcheiden. Mehrere jüdische Geschäftsleute umrben var Gericht citivt und die Anklage wegen Störung der Sonntagsruhe wider sie erhoben. Die Angeklagten machten geltend, daß sie ihren eigenen Sabbat heilig hielten. Der Richter entschied nun, daß, da nach 264 des Eriminalgesches es vollständig genüge, wenn der Beklagte einen anderen Tag (als dcn Sonntag) in der Woche, den Sabbat, den seine Religion vorschreibe, heilig halte, er sämmtliche Angeklagten freispreche, und er fügte hinzu, daß er in allen ähnlichen Fällen mit einem Freispruch vorgehen werde. Capstadt Das hiesige EonnE der Hebrew Public School hat Mr. Euleuberg, seinem Schatzmeister, eine Adresse überreicht gelegentlich seines Fortganges von hier nach England, um ihn: in feierlicher Weise den Dank der Allgemeinheit auszudrücken für die bei der Errichtung der Schtilc bewiesene Umsicht, Energie und Aufopferung.

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