Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 83 (15.10.1896)
- Date
- 1896-10-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXVII. Jahrgang. M 83. Der Israelit. Ein Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthmn. Begründet von vr. Xeljmratm in Mainz Donner st as, den 15. Leitender Artikel. Sarafon Macl Kirsch und die Israelitische ReiigimlSgeselischast zuFrMsmt a.M. Von Director Dr. Mendel Hirsch. V. Auf den 1. April 1853 war die Eröffnung der „Unterrichtsanstalt der Israelitischen Religionsgesellschaft" angekündigt, nachdem der Lehrplan die Genehmigung der Staatsbehörde gefunden hatte. Dieser tief durchdachte Lehrplan, der, von einem einheitlichen großen jüdischen Grundgedanken ausgehend, die Einführung in die verschiedenen Gebiete des Wissens und Könnens im Lichte eines höheren Standpunktes als Mittel zur Ertüchtigung für die dereinftige Erfüllung des jüdischen Menschenberufes begreift, ist, wie wir dem geehrten Herrn Anonymus, dessen Angriffe das Verdienst haben, den Anstoß zu diesen Darlegungen gegeben zu haben, nach dem Bisherigen wohl kaum noch zu sagen haben, nicht, wie er so genial meinte, eine „Concession" Samson Raphael Hirsch's an den „Patriciergeschmack" seiner „Patriciergemeinde", sondern war, wie wir ihm hiermit verrathen, nur die Verwirklichung des Planes einer jüdischen Erziehung, der bereits zwei Jahrzehnte zuvor im Kap. 84 seines ersten großen bahnbrechenden Werkes, des „Chaurew," in voller Ausführlichkeit niedergelegt ist. Doch dies nur beiläufig. Hervorheben aber möchten wir noch, wie hocherfreulich schon an sich die Genehmigung eines solchen Lehrplans und der Errichtung einer solchen Schule von Seiten einer Regierung war, die bis dahin jeden Unterricht in den jüdischen Bekenntnißschriften als der Bildung Detober 5657 (1896). und Gesittung feindlich perhorresciren zu müssen geglaubt hatte. Die nichtjüdische Staatsbehörde hatte sich der Belehrung zugänglich gezeigt. Anders verhielten sich die Wortführer der unjüdischen Juden. Am 1. April 1853 wurde die Schule eröffnet. An demselben Tage wurde mit dem „Frankfurter Journal", das damals die größte Verbreitung hatte, als Beilage ein Flugblatt herausgegeben, das man jetzt nicht anders als das gehässigste antisemitische Pamphlet charakterifiren würde. Es erschien anonym. Als Verfasser bekannte sich erst in einer zweiten, auf demselben Niveau stehenden Veröffentlichung der damalige Director des Philanthropins. Das Leitmotiv des Schmähartikels war die Verspottung des Grundsatzes: pH fH dp rmn wrxbt\f es sei eine von Herrn Hirsch beabsichtigte kecke Täuschung des Publikums, wenn er ihm vorspiegeln wollte, daß altjüdische Frömmigkeit sich sehr wohl mit socialer Bildung und altjüdische Gewissenhaftigkeit sich mit socialem Leben vereinigen lasse. Nun bildet der Inhalt des Chaurew bekanntlich die Darstellung der in ihrem ganzen geistigen Gehalte erfaßten Totalität der auch im Exile zur Erfüllung kommenden religionsgesetzlichen Pflichten, mit steter Hervorhebung des tiefen ethischen Momentes. Gerade diese Darstellung des geistigen Gehaltes des Judenthums, wie der große Forscher ihn erfaßt hatte, und die stete Mahnung und Erziehung zur denkenden, bewußt e n Erfüllung seiner Gesetze machen den eigentlichen Inhalt des Werkes aus. Nur als sachliche Belege und zugleich als Winke für die praktische Anwendung sind sodann jedem Kapitel eine Auswahl kurzer Auszüge von Paragraphen des Schulchan Aruch angefügt. In perfider Weise ignorirte nun der Pamphletist vollständig den eigentlichen Inhalt des Werkes, und gab als „Probe des Religionsbuches des Herrn Hirsch" eine Auswahl — ein Liebermann von Sonnenberg hätte sie nicht schlauer