Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 78-79 (1.10.1896)
- Date
- 1896-10-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1493 Lehrern und ihren Familien einen sorgenf eien Lebensabend gewähren soll. Die Stiftung ist um so erfreulicher, als Herr Rohr bekanntlich ein strcngrcligiöscr Mann ist. gontoott, 29 September. Unser Glaubensgenosse, Aldermaim Eaud eil Philips, ist zum Lordmayor gewählt worden. Feuilleton. Helldunkel. Eine jüdische Erzählung aus dem Jeden Vembranüts und Manasse Ken Israels. Von Professor Dr. M a n e f e l d. (Nachdruck auf das Strengste untersagt. Uebersetzungsrechte auch für die Niederlande Vorbehalten.) 9) „Seid Ihr auch ein Schwärmer, Mynheer Schaul? — Ich weiß nicht, soll ich die Schwärmer beneiden, oder bemitleiden, gleichviel, mir ist alle Schwärmerei versagt." „Und Ihr seid doch ein Dichter!" „Dichter, null ja, was mail so nennt; in der That nur ein Verseschmied. Seht Euch um in diesenl Sälchen, in diesen Kabinetten? Wer Marmor, Bronce und Alabaster sammelt und bemalte Leinwand und Bücher kauft, der ist kalt, wie Eis. Ein Schwärmer verwandelt sich selbst das wirklich pulsirende Lebeil in eine wilde Jagd von Traumgesichten, dem können Bilder und Bücher nicht sprechen. Darf ich mich beklagen, daß ich nicht anders bin? Mein Name ist Six, und mein Programm ist mir vorgeschrieben bis auf's letzte Wort. Noblesse oblige. Seht jetzt nur vor Euch den Müssigänger, Jan Six, der ein Heldenschwert aus den Stempel des Schwertfegers prüfen würde, und nach der Arbeit des in Eisen geschnittenen Korbes. — Noch immer nicht die schlechteste Vorbereitung und Spielerei für einen zukünftigen Würdenträger unseres Gemeinwesens! — Aber, wie geht's Euerem Nichtchen Margarethe — meiner kleinen Zukünftigen?" Im Augenblick wußte Anna Tutp, welche die Bedeutung der Frage für sie selber wohl erkannt hatte, gar nicht, was sie antworten sollte. „Ich hätte sie mitgebracht," sagte sie endlich, „aber die Kleine spielt gerne, wie Ihr mit Bildern und Statuen spielt, mit Tauben und Hühnern und Enten auf unserem Hofe." „Schaul," lenkte Anna Tulp auf ein anderes Gespräch über, „ich wüßte Euch einen Plan für Eure Zukunft, wobei Mynheer Jan Six Euch sehr von Nutzen sein könnte. Die Ostindische Kompagnie braucht zu diplomatischer Mission bei den eingeborenen Fürsten in unseren Colonien und den befreundeten und benachbarten Staaten gerne Aerzte, die sprachkundig, auf Sitten und Eigenthümlichkeiten des Orients einzugehen bereit und geschickt sind. Das wäre eine ehrenvolle und Euch angemessene Beschäftigung." „Delilah!" lachte Six. Schaul aber sah glühenden Blickes auf die Sprecherin. Jetzt aber trat in ihrer Matronentracht die Mutter Sir' herein, begrüßte ceremoniell, doch freundlich den Besuch und lud zu einer mit erlesenem Luxus servirten Erfrischung in dem anstoßenden Kabinete ein, wo der würdige Diener schon in großer Schürze bei den Flaschen dienstbereit stand. Das Ganze war mehr wie eine Eercmonie aufzunehmen; die alte Dame nahm nichts zu sich; Six plauderte nach seiner wie traumverlorenen Art; Anna zwang sich zu Scherz; Schaul, wie natürlich, lehnte ab. Noch einmal kam die Dame auf das von ihr angeregte Projeet des Agenten der Ostindischen Kompagnie zurück. Six sagte anscheinend bereitwillig seine Mithilfe und Empfehlung zu. Anna erglühend aber rief: „So laßt uns trinken auf den Erfolg, aut das Gelingen unseres Planes," und stieß mit Six an. Bald drängte Anna Tulp, die wohl ihre Verstimmung und Enttäuschung Six gegenüber beherrscht, zunl Aufbruch. Abendlich färbte sich auch schon die Landschaft; goldene Nebel schwebten um die prächtigen Baumgruppen der Tulp'schen Besitzung. Anna war voll Entzücken über diese herrliche Symphonie der landwirthschaftlichen Formen, des Alles umstuthendcn zauberischen Lichtes und der zu hinreißender, erhabener Schönheit sich ansbauenden Wolkengebilde. „Six, leihet uns Euren Kahn! Ich freue mich so auf die Wassersahrt." „Ich begleite die Herrschaften," sagte Six mit höflichem Ernste. „Nein, nein, vielen Dank! Schaul führt das Ruder. Ich steuere. Herrlich, herrlich — vor mir der goldene Himmel und das Boot, das gehorsame, in meiner Hand. Störet nlir meine Kreise nicht," sagte sie noch und es traf etwas wie ein zorniger Blitz aus ihren Augen den Jugendfreund. „Delilah!" sagte wieder Six, der die Kette des Nachens losband, und lächelte vor sich hin. Die Dame aber nahm rasch den Sitz am Steuer ein, Schaul ergriff die zierlichen Ruder und —■ dahin glitt das Fahrzeug mit dem schönen Menschenpaar, von deffen Anblick sich Six selber nicht loßreißen konnte.