Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 78-79 (1.10.1896)
- Date
- 1896-10-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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m VII. Jahrgang. M 78 & 79, Der Israelit. Ein Uenlrat-Wrgan für das orthodoxe TudentHum. Begründet von Br. in Btninf. Donnerstag, den 1. Oetoder 6566 (1896). Leitender Artikel. Kamst« glrstz unii Mt IsmlitW Neltziaasztstllschast jufruniifutt a.W. Von Director Dr. Mendel Hirsch. III. Der geneigte Leser wolle die unliebsame Verspätung der Fortsetzung unserer Darlegungen freundlichst entschuldigen. Dringende Arbeiten ließen eine rechtzeitige Fertigstellung für die vorige Nummer dieses Blattes zu unserem Bedauern nicht mehr zu. Wir wollen dafür besorgt sein, daß in unseren Darlegungen eine weitere Unterbrechung möglichst vermieden werde. Die bisher angeführten Daten ans der inneren Geschichte der Israelitischen Gemeinde in Frankfurt reichten eigentlich schon hin, uni die gänzliche Unwahrheit der über Entstehung, Wesen und Existenzberechtigung der „Separatgemeinde", als welche man die Israelitische Religionsgesellschaft bezeichnet, geflissentlich verbreiteten Anschauungen klar zu stellen. Unsere Darlegungen haben jedoch ein so lebhaftes Interesse in weiten Kreisen wachgerufen, die berichteten Dhatsachen muthen überall so fremdartig an, sie erscheinen den jüngeren Zeitgenossen so unglaublich, daß zur richtigen Würdigung der Gegenwart es nur nur so unerläßlicher erscheint, in der Anführung einiger charakteristischer Momente weiter zu gehen, wie wir dies bereits am Ende des vorigen Artikels angedeutet haben. Je mehr wir die Gewinnungeiner objectiven, gerechten und leidenschaftlosen Erkenntniß und Würdigung der Religionsgesellschaft, dieser jüdischen Gemeinde neben der israelitischen Gemeinde, weiteren Kreisen unserer Brüder ermöglichen, umsomehr dienen wir, wir wiederholen es, zugleich der Sache des wahren Friedens. Zunächst also im Anschluß an die im vorigen Artikel berichteten Maßnahmen des Vorstandes der Jsr. Gemeinde einige charakteristische amtliche A e n ß e r u n g e n desselben. In einem Berichte an den Senator Ihm, d. d. 2. Februar 1638, scheut sich dieser Vorstand einer Israelitischen Gemeinde nicht, mit dürren Worten zu erklären, daß „der Werth unserer canonischen Bücher, woraus unsere Religion geschöpft, in Frage gestellt und in Zweifel zu ziehen sei." (A. a. O. S. 28.) Und zwölf Jahre später, in einem Berichte vom 13. Mai 1850, spricht er seine Meinung dahin aus, daß die Anstalten für das Pa ff ahm eh l, für die Sabbathspeisen, für das F r a u e n b a d, eigentlich nur für d i e noch Werth haben und von denen erhalten werden müßten, die in allen diesen Ceremonien das eigentlich jüdisch Religiöse finden." (Das.) Es ist doch eigenthümlich. Dieselben Männer, die im bürgerlichen Leben doch sicher höchst respectabel, liberal und loyal waren, verlieren alles Gefühl für Recht und Billigkeit, wo es sich um das gesetzestreue Judenthum, um die altjüdische Frömmigkeit handelt. Also, daß die Frommen mit bezahlen mußten zur Erhaltung einer Kanzel, auf der ihr Heiligstes verspottet wurde, einer Schule, die die jüdische Jugend zum Abfall vom Gottesgesetze erzog, also für Dinge, die, um mit dem Vorstand zu sprechen, für sie nicht nur keinen Werth hatten, sondern auf ihrem Standpunkte sich als schwerste Versündigungen darstellten, das erschien ihnen als ganz natürlich. Aber sobald es sich um die religiösen Angelegenheiten dieser selbigen Frommen handelt, um solche Bagatellen wie Passahmehl und Mikweh, da ist es nur recht und billig, daß sie dafür allein sorgen. Es ist die Naivetät ^985