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Der Israelit · 1896-09-21 · Heft 76-77 (21.9.1896) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 76-77 (21.9.1896)
Date
1896-09-21
Page
– (sequence 25)
Language
German
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U^}f >,MW2 für das Brthodoxe MudenrhunrÄ ARO N^-f^ 21. Sept. 1890.] Ute. 13. .SÜSifMgpf. Mt 2 Tr*»' [ *""■ .. V''' \ k , : Wliah der Moosehändler. Von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) „Mutter, gieb mir noch ein Stück Brot, ich habe noch Hunger." „Aber, inein Kind, Du hast schon zwei Stücke gegessen und das Brot ist bald alle und ich habe noch fein Geld, wieder ein neues zu kaufen." „Ich habe aber noch Hunger, Mutter. Gieb mir nur noch ein kleines Stückchen, ich will dann auch ganz gewiß zufrieden sein." Das junge Weib, an welches ein hübscher, blondlockiger Knabe von ungefähr fünf Jahren diese Worte richtete, sah ihr Kind mit zärtlichem Blick an, schnitt eine dünne Scheibe von dem zur Neige gehenden Brot ab und gab es dem Kinde, welches mit beiden Händchen zugriff und zum Dank der Mutter sein rothes Mündchen zum Kusse hinhielt. Voll Zärtlichkeit umschlang die Mutter den Knaben und küßte ihn leidenschaftlich, während Thränen ihre Augen füllten, die sie jedoch vor dem Kinde zu verbergen suchte. „Iß Du Dich wenigstens satt, mein Herzensjunge," sagte sie, indem sie zärtlich über die blonden Locken strich und schwer aufalhmete; „wenn das Brot alle ist, wird uns der liebe Gott neues Brot geben." „Hat denn der liebe Gott so viel Brot?" fragte der Knabe. „O," antwortete die Mutter, „der liebe Gott hat sehr viel. Ihm gehört Alles, die ganze Welt ist sein, und wenn die Menschen .brav und fromm sind, so giebt ihnen der liebe Gott Alles, was sie bedürfen." „SD, Mutter, dann will ich brav und fromm werden, damit ich recht, recht viel bekomme. Das gebe ich Alles Dir, Mutter, und —" der Knabe schmiegte sich an das junge Weib und blickte zärtlich zu ihr aus — „dann wirst Du nicht mehr so viel weinen wie jetzt." „Ach ich weine ja gar nicht," versetzte die Mutter, sich mit der Hand über die Augen wischend, „das sind nur meine Augen, die mich schmerzen." Der Knabe gab sich zufrieden und ging mit dem Brote in der Hand an den Tisch, auf welchem weniges Spielzeug stand, mit dem er sich beschäftigte, während die Mutter wieder ihre Stickarbeit aufnahm und fleißig weiter arbeitete. Hie und da warf sie einen Blick auf ihren Knaben, der in kindlicher Unschuld am Tische stand und glücklich spielte. Die feine Stickerei, welche die junge Frau anfertigte, verlangte helles Licht und da der Tag zu Ende ging und die Dämmerung niederstieg, mußte sie sich an das Fenster setzen, um noch genügend sehen zu können. Aber auch hier wurde es bald zu dunkel und als sie nicht mehr genug sehen konnte, ließ sie ihre Arbeit für einen Augenblick in den Schoß fallen und blickte sinnend nach dem dunklen Firmamente, an besten weiter Ausdehnung jetzt die Sterne erschienen. Ein schwerer Seufzer entrang sich ihren Lippen. Ihre Gedanken weilten bei ihrem Manne, dem Geliebten ihres Herzens, den eine tückische Krankheit vor Jahres-

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