Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 74-75 (15.9.1896)
- Date
- 1896-09-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXVH. Jahrgang. Erste Keil. M M 74 Leitende Artikel. Dringende Mnrnnng. -lus dem Regierungsbezirk Hessen-Cassel. Seit längerer Zeit reist ein angeblicher “ie^e, Namens Schapiro, in unseren Gegenden, sowie auch in Oberhessen, Bayern und Baden umher, der Tephillin und Mesusaus verkauft und Reparaturen alter Sifre Thora vornimmt. Derselbe hat durch seine auffallend billigen Preise, z. B. 2 Rmk. für 1 Paar Tephillin, 10—20 Rmk. für die Reparatur eines alten Sefer Thora, namentlich in den Landgemeinden viel Zuspruch gefunden. Kürzlich kam dieser Schapiro auch nach Jesberg und verkaufte dort verschiedene ncrip w. Der Lehrer dieser Gemeinde, Herr David, ein sehr gewissenhafter Mann, kaufte ihm auch 1 Paar p^en ab, erklärte jedoch, er werde dieselben von einem ihm bekannten ->^e nochmals prüfen lassen. Schapiro erwiederte, das sei durchaus nicht nöthig, da seine p^sn vollständig gut und tadellos gearbeitet seien. Dies hielt den Lehrer nicht ab, die pPsn öffnen und Nachsehen zu lassen. Welch entsetzlicher Anblick bot sich ihm dar! Die nmrpn beider qtQ bestanden ans mehreren auf einander geklebten Stückchen einer zerschnittenen alten Sefer Thorah!!! Diese letztere ist der Länge nach, also quer durch die Schrift, in Riemen zerschnitten, von denen dann die zur Herstellung der -rrn-ri verwendeten Stückchen abgeschnitten sind. Die HIEE' find hierbei mehrfach durchgefchnitten! — Außer diesem maßlosen Frevel sind auch die rvtrie voller Ich sende Ihnen, geehrter Herr Redakteur, diese p^n, damit Sie sich persönlich von dem nichtswürdigen Spiele, das hier urit unsren ntrrp getrieben wird, überzeugen können und ersuche Sie, das Publckum vor dem Ankauf solcher Waare aus den Händen von herumziehenden Leuten nachdrücklichst zu warnen. Was den genannten Schapiro betrifft, so ist es ein Mann von mittlerer, untersetzter Statur, im Alter von ca. 50 Jahren. Er hat einen ins Graue spielenden Vollbart; seine Sprache hat etwas ausländischen Accent. Ec trägt große Frömmigkeit zur Schau, besitzt ein Zeugnis; von Herrn Distrikts- Rabbiner B a m b e r g e r z u A s ch a f f e n b u r g, d a s n a ch ein gezogener Erkundigung gefälscht ist, gibt als Referenz auch Herrn Provinzial- 8- 75 des „Jlsnwlit“. Rabbiner Dr. Cahn zu Fulda an, der auf Anfrage erklärte, den Mann gar nicht zu kennen. Selbstverständlich dürfen die von diesem Betrüger verkauften oder reparirten rimun pten mvi nicht gebraucht werden und ist es Pflicht der Herren Rabbiner und Lehrer, ihre Gemeinde hiervon in Kenntniß zu setzen. Deßgleichen möge man sich hüten, alte nnn 'teb ent solche nnbekannteHändler oder Soferim abzugeben, wenn sie nicht mehr zu gebrauchen sind, da obiger Vorfall zeigt, zu welch schmachvollem Gewerbe man dadurch die Hand bieten kann! Es wäre eine verdienstvolle That, wenn man dieses Betrügers habhaft werden und ihn photographiren lassen könnte, um durch Aufnahme seines Bildes in Ihr Blatt, wie dies in einem ähnlichen Falle einmal geschehen ist, möglichst weite Kreise des jüdischen Publikums vor der Gefahr zu schützen, durch Ankauf seiner „Waaren" oder ihm zu übertragende Reparaturarbeiten unzähligemal die schwere Sünde der nbvEb he^e zu begehen. (Wir können den schmählichen Betrug, der uns durch Uebersendung jener p^sr vorgelegt ist, leider rur vollinhaltlich bestätigen. Vor mehreren Jahren wurde derselbe Betrug, der sich von dem vorliegenden Falle nur dadurch unterschied, daß in jenen pbvri auch die angeblichen nichts anders waren, als Streifen von zerschnittenen Thorarollen, von Herrn Rabbinats-Affeffor Posen zu Frankfurt a. M. in unserem Blatte zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Vielleicht haben wir es vorliegend mit demselben Schwindler zu thun. Auch wir halten es für unbedingte Pflicht, denselben feftnehmen zu lassen, damit dieser grauenhafte nicht noch weiter um sich greife. Die Red. d. I.) G«n, der Unter des Grbsrmns. Mainz, 11. September. (Schluß aus dem Hauptblatt.) Wenn wir von Gott als own ex und bvz ctrrn als der Vater und Herr des Erbarmens sprechen, so verbitldett wir zunächst danlit die Vorstellung, daß bei Jhut der Urborn alles Erbarmens, sowohl des an uns wie auch des von uns selbst geübt ruht. Wenn wir menschlich fühlen und handeln, haben wir göttlich gefühlt und gehandelt. Unser gutes Herz, mrsere Regungen des Erbarmens und Mitgefühls sind etwas was wir leicht geneigt sind uns selber zuzuerkenueu. Ju Wirklichkeit aber gehen alle Impulse zürn Edlen und Guten, das wir empfinden und vollbringen von Gottes Vaterliebe austrom pw. Er hat dir das Erbarmen eingegeben, heißt es in