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Der Israelit · 1896-09-15 · Heft 74-75 (15.9.1896) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 74-75 (15.9.1896)
Date
1896-09-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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mal so theucr bezahlen, als was ich für die Platte selbst verlangte." „Heißt ein Geschäft!" jammerte mitleidsvoll Schlomc; „und Ihr gebt es nicht aus, fort mit Schaden, sangt was anderes an, ein gebildeter Mann, wie Ihr seid'?" „Aufgeben! Es ist ja ein Dämon, der mich besessen hält. Das könnt Ihr nicht begreifen! Es giebt allerhand Leidenschaft, womit uns der Teufel plagt. Und die Erfahrung macht auch nicht klug. Redet doch Vernunft mit dem Spieler, Mäßigkeit mit der durstigen Kehl, Enthaltsamkeit mit dem Nachtschwärmer! Ebenso wenig heißt eS „Halt' ein!" dem Künstler zuzurufcn! Der schwärzt seine Platte ein, wischt und putzt, prüft gegen das Licht, athemlos hebt er den Abdruck. Ist das noch seine Arbeit? Tausend Dämonen flimmern und huschen in dem lichtdurchsetztcn Dunkel und — mit dem nächsten Abdruck reizt Erich wieder ein anderes Spiel der Lichter und Schatten — und vergessen ist alles Elend, alle Roth. So geht's mir nicht allein, so gcht's dem Rembrandt selbst, gegen den, Gott sei's geklagt, ich nur ein jämmerlicher Stümper birr, und doch ilennt mich Rembrandt seinen Freund nub hat mir schon manches Stück abgekanft und in des großen Rembrandt Gemächern und nicht an geringer Stelle hängen Bilder von Herkules Seghers dem armen Teilfel. Rembrandt — aber was wißt Ihr von Rembrandt!" „Weiß ich doch, wo er wohnt, und ein junger Mann, ein guter Freund voll mir, kennt ihn schon seit Jahren, und der Rembrandt hat ihn gemalt, wie Jhr's haben wollt als einen David, Tobias, in Gewändern, angethan uuc ein Fürst und ist doch auch ein Judenknabe gewesen. Ich sollte den Rembrandt nicht kennen! Ich kenn ihn doch, und gesehen Hab' ich seilt Gemälde, sein großes, wo der Schlome hat gesagt, mehr als er sollte." Das Letzte hatte Schlome nrchr für sich ge sprochen. Aber je unverständlicher der Mann ihm war, je mehr reizte es ihn, mit demselben näher bekannt zu werden. Der war doch nicht vornehm, ihn konnte man fragen; er war getviß auch nicht theuer und ganz richtig sagte sich Schlome, daß wer etwas von den Dingen verstehen will, uluß wissen, wie sie gemacht werden. So brachte er ihln daitn voll nun an oster seine Erwerbungen auf die Dachkammer, wo Seghers wohnte, ließ sich Schäden ausbessern, was dem eigensinnigen Künstler nicht gerade paßte, horchte ihn aus um seine Meinung und ließ sich belehren. Vraottznt, fabrilia fabri, nun freilich. Aber von seinen Ideen unaufhörlich erfüllt, brachte auch Seghers dem verwunderten Schlome alles Mögliche herbei, Abdrücke auf blaue,n, grauen und braunen Papier, auf Leintvand mit Oelfarben in zwei oder drei Tönen gedruckt. Seghers ein erfinderisches Genie, war der Vorgänger Aller, die auf dem Gebiete des auf Kupferstiche angewendeten Farbendrucks sich versuchten, wie solcher am Schlüsse des achtzehnten Jahrhunderts wirklich in die Mode kam. „Hemden Hab' ich verkauft, Betttücher zerrissen, für diese meine Abdrücke." „Wilder, junger Mann! Kann ich Euch helfen, sagt ein Wort!" „Mir Helsen? Verkauft mir nleine Bilder; anders könnt Ihr mir nicht helfen. Für den Augenblick ist das mein Trost!" Und er brachte dem entsetzten Schlonte eine Flasche italienischen Weines herbei. Eiiws schönen Tages verkaufte Schlome wirklich denl arnien Teufel ein Bild, uild Herkules Seghers verjubelte das Geld in einer "Rächt, kam betrunkcll nach Hause und stürzte sich, von der steilen Stiege herabfallend, das Genick ab. So war dem armen Teufel geholfen auf immer. VH. Kanalfahrt lieber die spiegelnde Bahn eines von Weiden umsäuintcn Kanals, neben dem sich die gepflasterte und mit kleinen Muscheln überschüttete Straße herzieht, gleitet eines jener zierlichen Fahrzeuge, wie sie die reichen Amsterdamer Bürger benutzten, um ihre ländlichen Besitzungen zu besuchen. Man zog sie den schtversälligen, plumpen und beengenden Earrossen vor, die mehr für die eermoniösen Visiten in der Stadt im Gebrauch waren. Sie vereinigten den Eomfort des Hauses mit der denkbar angenehmsten Art der Lokomotion und waren daher ganz besonders bei den Damen beliebt; wenn da einmal das friedliche Landschaftsbild ermüdete oder ein Regenschauer in der Kajüte zu verweilen nöthigte, konnten sie darin aus zierlichen Spiegeln ihr Ebenbild erblicken, während an beit Fenstern ihre Blumen, auf Tischen zierlich gebundene Bücher zur Zerstreung einluden, nicht zu vergessen der allzeit bereit stehenden chinesischen Theetassen und der seinen Gebäcks. Aber nicht mit den Emblematabüchern, deren künstliche, oft verkünstelte Allegorien und Anspielungen erst durch die begleitenden Verse — oft in mehreren Sprachen - ihre Erklärung fanden nicht mit dieser damals allbeliebten und gar für leichte Kost angesehenen Waare befaßte sich die junge Dame, in der wir nach Tracht und Erscheinung die Hauptperson im Schiffe erblicken müssen, sondern mit der schweren Lektüre des Horaz und zwar in der Ursprache unterhielt sich Mefrouw Anna, die schöne junge Schrvester des Doktors und neckte zeitweilig einen jungen Mann, de,n der klassische Boden dabei bedenklich unter den Füßen schwankte und der daher oft kauni seine Verlegenheit verbergen konnte. (Fortsetzung folgt.)

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