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Der Israelit · 1896-09-15 · Heft 74-75 (15.9.1896) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 74-75 (15.9.1896)
Date
1896-09-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Trxw^r^r’ XXXVII Jahrgang. J|g 74 & 75. Der Israelit. Ein Aentrak-Wrgan für das orlhodore Iudenthum. Begründet von Dr. felmumt in Btain}. Dienftag, de« 15. September 5656 (1866). Die nächste Nummer unseres Blattes, eine Doppeluummer, erscheint Montag, ven 21. September. Da mit dem 1. Dctobcr 1896 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geül^^P ehrten Abonnenteil dararrf anfrnerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1896 eingetragen unter Nr. 3523. Neu eintretende Abonnenten (Postabonnenten gegen Vorlage der Postquittung) erhalten unser Blatt bis Ende September gratis. Leitender Artikel. Gott, drr Unter des Erbarmens. Main z, 10. Septenrber. Die letzten Tage des scheidenden und die ersten Tage des neuen Jahres laden uns vor Gottes Weltenthron. „ES sind die Tages des Gerichts. Dieser Gottesthron ist auf Wahrheit gegründet und aus Liebe gewoben. Auf ihm hält der Weltenkönig, als Richter, Ueberführender, Kundiger und Zeuge sein Weltengericht. Wir sehen das Buch der Erinnerung sich öffnen, das sich selber lieft und indem die Menschenhand jede verübte Thal durch die eigene Schrift bestätigt. Es zittern die Himmelsschaaren beim Hall des großen Welten-Schofar, denn sie fürchten den Tag des Gerichts, weil sie sich vor Gcktes Richterblick nicht schuldfrei wissen. „Die Menschheit erscheint als die große Heerde, die heute vor ihrem Hirten zur Musterung vorüber zieht. Jedes einzelne Glied, jedes einzelne Wesen schreitet vorbei, wird gebucht, gezählt, gemustert, jedem Geschöpf wird sein Bestimmtes zugemessen und der Urtheilsspruch verzeichnet." „Am Rosch-Haschono wird niedergeschrieben und am Jom-Kippur besiegelt: wie viele aus dem Leben, wie viele in das Leben treten werden, wer am Leben bleibm, wer sterben wird, wer zur Zeit, wer vor der Zeit, wer durch Wasser, wer durch Feuer, wer durch Schwert, wer durch Gewild, wer durch Hunger, wer durch Durst, wer durch Sturm, wer durch Krankheit, wer erdroffelt oder wer durch Steinigung sterben wird, wer in Ruhe, wer in Unruhe leben wird, wem ein zerriffenes, wem ein sorgenloses, wem ein leidvolles Dasein, wem Armuth, wem Reichthum, wem Erniedrigung, wem Erhöhung beschieden ist." Existirte der jüdische, strafende Rachegott, den dem Judenthum seine Verlästerer angedichtet haben, in diesen Tagen des Gerichts müßte er sich bemerklich machen, an ihnen müßte er seines Amtes walten. In Wirklichkeit ist aber das vollendete Gegentheil der Fall. Gerade diese ernsten Tage des Gerichts rufen uns zu Ihm “nbnn p -pst» 'o, „der in der That die Liebe übt, die sein Name haucht, der schwer zu erzürnen und leicht zu besänftigen ist, der nicht den Tod selbst des bereits bent Tode Verfallenen will, sondern die Rückkehr vom verfehlten Weg in's neu zu gewinnende Leben; der bis zur Todesstunde auf diese Rückkehr wartet und sie selbst dann noch annimmt." Wohl schrumpft vor dieser Liebesgröße des Vaters zu seinem Kinde, des Schöpfers zu seinem Geschöpfe, Gottes zum Menschen dieser in Wahrheit in sein schattenhaft, traumartig dahinhuschendes Nichts zusammen. „Sein Anfang Erde, sein Ende Erde, sucht er mit dem in ihm glimmenden, göttlichen Funken — Brod! :Dr6 u?c;c. Aber wie erscheint im Vergleich zu diesem abhängigen, menschlichen, sterblichen Schattendasein der

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