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Der Israelit · 1896-09-11 · Heft 73 (11.9.1896) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 73 (11.9.1896)
Date
1896-09-11
Page
– (sequence 25)
Language
German
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Mrthodoxe «MuderrthumÄ ARO N f». lNr. 12. 11. Sept. 1896Z ■ £uo&< {sSgste& pm, ■"7^\ ch^O Mn einem NomWippur. Von IS. David Rosenthal. (Aus dem Hebräischen.) In dein ganzen, überwiegend von Inden bewohnten Städtchen, herrschte eine feierliche, ernste Stimmung. Es war am Vorabende des Jom-Kippur, beim Sinken des Tages. Um diese Stunde fühlt sich der Jude wie verwandelt; alle Sorgen um die Roth des Lebens, jeder Gedanke au deu Erwerb, jegliches werktägliche Gefühl weicht und macht einer eigenartigen Empfindung Platz, die alle Herzen erfüllt utib aus Stolz und Zerknirschung, Furcht, Hofftlung, Freilde und Bangen gemischt ist. Der Tag des Gerichtes steht bevor, aber er ist auch der Tag der Versöhnung. Gott hält an diesem Tage Musterung über die Menschen und wägt ihre Thaten, die guten und die bösen, es ist der Tag der Entscheidung über Leben und Tod, aber der Jude sieht ihr mit Zuversicht entgegen. Hat er doch Fürsprecher und Vertheidiger die Fülle; hat er doch die Opferung Isaaks, eine lange Reihe von Märtyrern und Märtyrerinnen, welche sich hingeopfert haben für Gottes Flamen, die fürchterlichsten Marter erlitten für ihren Glauben und ihre Thora. Während die Abendschatten länger wurden und sich über die Landschaft ausbreiteten, rüsteten sich die Juden zum Empfang des heiligen und erhabenen Tages. Die einen rannten aus denr Tauchbade nach Hause, indenl Bart und Stirnlocken noch voul Wasser troffen; die Ailderen eilten zur Synagoge, um Mincha zu beten und sich Malkoth schlagen zu lassen, wodurch die Demüthigung und Zerknirschung ausgedrückt wird. Andere kamen ernst und langsamen Schrittes daher, den Tallisbeutel mit den Gebetbüchern unter dem Arm, zwei große Wachskerzen in der Hand, das eine Licht für die Lebenden, das andere für die Abgeschiedenen. Und in der Synagoge ist der Boden mit Heu bestreut, dessen frischer Geruch den Raun: erfüllt. Einige Beter flüstern das „Widduj" mit weinerlicher Stimme und schlagen ihre Brust: „wir haben gesündigt! wir haben gefrevelt;" andere sind mit Einstecken der Lichter in die mit Sand gefüllten Kisten beschäftigt. Ein junger Mann, dem die Ehre zufiel bei Mincha vorzubeten, beginnt mit thränenzitlernder Stimme die Kednscha; während hinter dem Almemor der Schamnres steht und den Riemen schwingt, mit dem er auf die Schultern eines vor ihm hingestreckten Mannes leichte Schläge niedersausen läßt. Der Gezüchtigte erhebt sich, dankt und macht einem anderen Platz. Alle nehmen die Züchtigung hin ohne zu murren. Sogar Reb Grojnem, der Gabbe, von dem der Schammes das ganze Jahr hindurch nur Schimpfworte bekommt, welche mitunter in Ohrfeigen sich verdichten, naht jetzt ganz kleinlaut und unterwürfig, um sich dem „Strafgericht" zu unterwerfen, dann verneigt er sich vor dem Züchtiger, der heute die Oberhand hat und unumschränkt waltet. In der Vorhalle der Synagoge sind Sammelteller auf einem Tische aufgestellt. In der Mitte

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