Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 73 (11.9.1896)
- Date
- 1896-09-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXYII Jahrgang. J|g 78. Der Israelit. Ein Uentrak-Mrgan für das orthodoxe Tudenthum. Begründet von Dr. felmatm in Btnfni. Freitag, den 11. September 5656 (1896). Die nächste Nummer unseres Blattes, eine Doppelnummer, erscheint Dienstag, den 15. September Leitende Artikel. Kamst« Mphael Hirsch und die Israelitische ReilzioiiWskllschM zuFriallstri a.M. Von Director Dr. Mendel Hirsch. II. Wir batten uns also nicht geirrt. Früher und deutlicher als wir es erwarten durften unser erster Artikel war noch unter der Presse, brachte uns eine folgende Nummer die Bestätigung, und zwar von denr Herrn Verfasser selbst. Wir hatten nämlich die Ueberzeugung ausgesprochen, daß die Verunglimpfung Samson Raphael Hirsch's und die seltsame Umwerbung unserer Religio n s g e se l l sch a ft als einer „Patriciergemeinde" nur den Zweck habe, gewisse Vorgänge zu benutzen, um ihr möglichst Abbruch zu thun, indem man ihr ganz unmerklich und geschickt die Ansicht suggerire, sie habe ja eigentlich die Berechtigung ihres Daseins verloren. Zunächst wllrde dies nur vorsichtig und wie beiläufig hingeworfeu, jetzt wagt es sich schon ganz unverhüllt hervor; zuerst wurde es als angebliche Befürchtung Samson Raphael Hirsch's bezeichnet, jetzt wird das schon einem „großen Theil der Mitglieder der Separatgemeinde" in den Mund gelegt. Ihnen erscheint bereits, so versichert der Herr Verfasser und setzt dabei seine treuherzigste Miene auf, nachdem die Existenzberechtigung der „Adaß Jeschurun" eine „sehr zweifelhafte" geworden, dieselbe als „ein sehr theures und überflüssiges Stück Möbel." Arme Adaß Jeschurun! Eben noch himmelhoch jauchzend als „Patriciergemeinde" und nun zu Tode betrübt und in den Winkel geschoben als ein „Stück Möbel" und noch dWu ein „überflüssiges!" — Jedenfalls ist das deutlich. Eine eclatantere Bestätigung unserer Auflassung von der wahren Tendenz jener Auslassungen konnte nicht gegeben werden. Um so notwendiger ist es, allen den irreführenden Vorspiegelungen, die nur voll einer totalen Unkenntniß der geschichtlichen Wirklichkeit zeugen, diese Wirklichkeit in ihrer ganzen Craßheit entgegenzuhalten. Dann wird sich's zeigen, daß wahrlich nicht von der „Einführung der Orgel und der Abschaffung einiger attcn Gebete" unsere Religionsgesellschaft die Berechtigung ihrer Existenz herleitet, daß ihre Gründung vielmehr für die Erhaltung des gesetzestreuen Judenthums in Frankfurt eine unabweisbare Rothwendigkeit war. Mit Evidenz wird sich daraus für jeden Verständigen ergeben, daß die angeblichen „Zweifel an der Existenzberechtigung der Separatgemeinde" mir als frourrne Wünsche in der Brust des Herrn Verfassers und des Einen oder Anderen ihrer Gegner em problematisches Dasein haben. Es ist ein trauriges Stück Geschichte, das sich vor unseren Augen entrollen wird. Zu den Ruhmesblättern der jüdischen Geschichte gehört es nicht. Es ist ein Stück „Kulturkampf", der sich auf dem Boden des israelitischen Gemeindewesens in der damaligen freien Reichsstadt abspielte, und von dein wir bezeichnende Momente hervorzuheben habeil. Wir nennen es „Kulturkampf", ilm die Bedrückungen, unter denen die Bekenner des gesetzestreueil Judenthums während fünf Decennien jn leiden hatten, dem Verständnisse der jüngeren Zeitgenossen wenigstens in etwas näher zu bringen. Denn sowohl bei der