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Der Israelit · 1896-09-03 · Heft 71-72 (3.9.1896) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 71-72 (3.9.1896)
Date
1896-09-03
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXVII, Jahrgang. Zweite Beil.;u M 71 5- 72 de» „Israelit". Leitende 2trtikcl. Die Hand mit dem Hammer. Berlin, 30. August. Seit einigen Wochen sicht man sie allerorten. Auf den Bahnhöfen, in dcll Frenldenherbergen, an den bunten Straßenecken, überall, wo man den Blick des Vorübergehenden anzulocken versucht, ist sie an die Wand geklebt, in derben Umrissen, mit dem ehrenfesten Flachdruck eines altfränkischen Holzschnittes aufs Papier gezeichnet. Kerzengerade, stark und steif ihren Hamvter itmklammernd, langt sie aus der durchbrochenen Erdkruste hervor, daß man glauben könnte, es wäre Vulean selbst, der aus unterirdischer Werkstatt seine Faust drohend gegen den Himmel hob. Doch drohen will die Hand nicht; sie will nur zeigen, daß gesammelte Kraft in ihr wohnt, Gutes zu verrichten, Großes auSzuführcn, sic will nur beweisen, daß sie etlvas kann. Die Hand mit dem Hammer ist das Wahrzeichen der Berliner Gewerbe-Ausstellung, die gegenwärtig im Treptower Parke über eine Million von Quadratmetern sich ausbreitet, und es ist ein trefflich ersonnenes Wahrzeichen, denn wenn auch die Maschine schon längst selbstherrlich die Welt regiert, so ist diese Alleinherrschaft doch nur ein Schein. Die Maschine, die der Kopf ersinnt, wird von der Hand gemacht. Die Hand ist die treue, mächtige Dienerin des Geistes, die wundersam geschickte Vollstreckerin feiner Gebote, und beschall) mag sie auch als das Symbol des gewerblichen Fleißes, als das sinnigste Wahrzeichen einer Geiverbe - Ausstellung gelten, denn Industrie und Gewerbe sind die Handarbeit des menschlichen Geistes. Wir haben in einer Reihe von früheren Artikeln die Betheiligung der Juden an der Berliner Gewerbeallsstellung eingehend dargestellt, cs sei uns heute gestattet, noch Einiges über einzelne Fächer nachzuholen. Die Ausstellung jüdischer Dörfer in Palästina ist es natürlich, die sich in einem jüdischem Blatte immer wieder iu den Vordergrund drängt und deshalb wollen wir uns dieselbe noch einmal in ihren Einzelheiten besehen. Links neben dem Eingänge zur jüdischen Ausstellung steht ein Tisch mit Photographien, darunter ein Album, das nicht weniger als 9 Lichtorncke enthält und trotzdem zu dem geringen Preise von 90 Pf. verkauft wird, während größere Bilder zum Preise von 25, 50 Pfg. und 1 Mk. zu haben sind. Auch Postkarten zu IO Pfg. das Stück sind käuflich und tragen außer einem Bilde aus dem heiligen Lande die Aufschrift: „Gruß aus Palästina." Ich kaufte einige davon und während ich inzwischen die anderen Bilder betrachtete und zu Geschenken einige der billigen Albums erstand, trat ein Herr im Fez, aber offenbar ein Deutscher auf mich zu und erbot sich in freundlichen Worten uns als Cicerone zu dienen, da er gesehen habe, daß wir großes Jutereffe an dieser Ausstellung nähmen. Wir accep irten gern das liebenswürdige Anerbieten und erfuhren nun, daß die ganze Ausstellung das Werk eines philantropischen Comites ist und die Aufgabe hat, die Erzeugnisse der jüorschen Bauern Palästinas, in erster Linie die Weine auf dem deutschen Markt einzusühren. Dem ComitL gehören Herren der verschiedensten Berufe an: Stadtverordneter Baumeister Wohlgemuth, Dr. Nathan, Nedacteur der „Nation", Verlagsbuchhändler S. Cronbach, Dr. H. Hildesheimer, die Rechtsanwälte Sonnenfeld und Jonas, Moritz Dorn und Bildhauer Rheinhold. Die Herren Dr. Hildesheimer und W. Bambus waren übrigens zur Zeit auch in der Ausstellung anwesend, sie sollen dem Werke außerordentlich viel Zeit und Mühe opfern. Unser freundlicher Cicerone war, wie ich soeben erfuhr, der Dr. Löwe, der bekannte Redacteur des Zion, und in der Thal zu einer Erklärung di.ser Ausstellung wie geschaffen, um so mehr, als er erst im vorigen Jahre Palästina mit Herrn Bambus, dem obengenannten Comilönntgliede znsannnen bereist hatte. Doch zurück zur eigentlichen Ausstellung. Herr Dr. Löwe führte uns in ein Häuschen, in dem die Seidenzucht in allen Details und ihren verschiedenen Stadien plastisch dargestellt war. Dieses höchst lehrreiche Gebäude, eine sehr saubere und instruktive Arbeit des verdienstvollen Agronomen M. Meprowitz in Rffchon le Zion, führt UNS durch alle Erlebnisse der Seidenraupe bis sie sich in den Cocon einspinnt und zum größten Thcil als Cocon benutzt wird, nur zum kleinen Theil als Zuchtmaterial liegen bleibt, bis der Schmetterling die Hülle durchbricht und der Kreislauf wieder von vorn beginnt. Reben di»sein Modell-Gebäude sieht man dann ausgehäuft die Cocons, in denen die Raupe noch liegt, nachdem sie durch Dampf getödtet ist, den vorzüglichen Seidensaden, der aus diesen Cocons in der Fabrik in Rofch Pinah gewonnen wird und sehr schöne bunte Seidengewebe, welche im Orient als Kopftücher getragen werden. Wie wir erfuhren, ist diese landwirthschaftliche Industrie, nachdem die ersten Versuche ein gutes Resultat gegebcn haben, im starken Zunehmen und fast alle Dörfer pflanzen jetzt die ausgedehnten Maulbeerplantagen, deren die Seidenzucht bedarf.

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