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Der Israelit · 1896-08-31 · Heft 70 (31.8.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 70 (31.8.1896)
Date
1896-08-31
Page
– (sequence 11)
Language
German
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WMWWWWWMWWWFW m WWWWWWWWWWWWW 1357 Klein in Szemara residiren. Erzherzog Otto ist bekanntlich der präsumtive Thronerbe der österr.- ungarischen Monarchie. Hiesige Blätter erzählen folgenden Vorfall: In der vorvcrgangenen Woche traf die jüdische Wittwe Ben au aus Szerdaheli in dem benachbarten Orte Groß-Tapolcan ein, um dort auf dem Grabe ihres Gatten zu beten. Einige Freundinnen geleiteten sie auf das Grab. Hier jammerte sie nun, daß sie Gott bald aus dem Leben nehmen uröchte, da sie von ihrer Schwiegertochter viel zu leiden habe. Wenige Minuten nachher sank sie auch schon todt nieder. Ein Herzschlag batte ihrem Leben ein jähes Ende bereitet. Frankreich. Paris. (Korrespondenz einesKönigs von Babylon.) In der „Acadämie des inscriptions et des belles-lettres“4 theilte Herr MaSpero einen Brief des in Konstantinopel ansässigen Forschers Scheil mit, der Bezug hat auf eine kürzlich aufgefundene Korrespondenz zwischen Hammourabi, König von Babylon im 23. Jahrhundert v. d. g. Z. und Sinidinnam, König von Lara, seinem Vasallen. Dem Schreiben waren drei babylonische Schriftstücke beigefügt, in deren einem von Götterbildern die Rede ist, die Hammourabi seinem Vasallen wegen seiner Tapferkeit am Tage der Niederlage von Kuthur-Laghamar zum Geschenk machte. Im Kapitel XIV der Genesis wird bekanntlich von einer Expedition eines Königs von Elam Khodor-Laomer und seiner Vasallen gegen Palästina erzählt. Die Archäologen behaupteten bis jetzt gegen die Affyriologen, daß dieser Souverän nur ein Fabelgebilde sei. Diese Behauptung ist schon im vorigen Jahre durch Andeutungen widerlegt worden, die auf zwei von Herrn Pinches entdeckten babylonischen Tafeln sich fanden und auf Korthur Laghamer Bezug hatten; durch die Entdeckung Herrn Scheils ist sie nun völlig hinfällig geworden. Rußland. St. Petersburg. Es verlautet wieder einmal, daß der Minister für Ackerbau und Domänen einen Spezialkommissionär nach Süd-Rußland entsenden will, unl die wirklichen Zustände auf den jüdischen Äckerbailkolonien dort zu prüfen. Von den vielen bisher eingegangenen und sich widersprechenden Berichten ist es nicht möglich, sich ein erschöpfendes Bild von dem gegenwärtigen Zustande dieser Schöpfungen früherer humanerer Negierungen zu machen. Türkei. Konstautinopel. Abermals sind 71 Juden, welche auf dem Rückwege von Argentinien sich befinden, hier eingetroffen und nicht im Stande ihre Reise fortzusctzen. Die russischen Kapitäne nehmen sie nicht am Bord, denn sie haben durch die Auswanderung ihr Aufenthaltsrecht in Rußland und ihre Eigenschaft als russische Staatsbürger verloren. In Salonichi, wo man sie aufnehmen wollte, möchten sie nicht gerne bleiben, vielmehr nach Rußland zurückgehen, es ist aber sehr zweifelhaft, ob sie es erreichen können. (6.) Konstantinopel, 23. August. Es hat hier sowohl in den Regiernngskreisen, sowie auch im kaiserlichen Palaste einen vortheilhaften Einoruck geinacht, daß die Juden auf der Insel Kreta während der Unruhen, die nun dort schon seit nahezu sechs Monaten herrschen, ihre loyale Haltung gegen den Sultan treu bewahrt und trotzdem, daß dort jetzt nahezu Anarchie herrscht, so daß selbst die Steuerexecutoren nicht einmal mehr ihres Amtes zu walten wagen, sie ihre Abgaben gehörig und pünktlich entrichtet haben. Ja, die kretensischen Juden gingen in ihrer Loyalität gar soweit, daß sie trotz der Aufforderung der Epitropie (revolutionären Regierung) an die Bevölkerung, das Kirchengebet für den Sultan nicht mehr zu verrichten, jeden Samstag in ihren Synagogen das njwn;rnn laut beteten. Dieser ihrer loyalen Haltung haben sie es aber auch zu verdanken, daß die fanatischen Mohamedaner, die in vielen Ortschaften die Christen aus ihren Häusern vertrieben und sich dann selbst darin festgesetzt, die Wohnhäuser der Juden nie berührt haben. England. London. Ein Fall einer in England ganz ungewöhnlichen Verurtheilung eines Juden, weil er sein religiöses Gesetz beobachtet habe, macht sehr viel Aufsehen. Im Ostend von London sind ca. 60 jü dische Bäcker, welche etwa 170 durchweg jüdische Ar beiter beschäftigen. Dieselben haben am Sabbat fest geschlossen, dagegen backen sie nur Sonntag». Einer derselben ist nun denunzirt worden, weil er die gesetzlichen Vorschriften über die Sonnlagsheiligung übertrete und er wurde in der That zu 12 M. Strafe verurtheilt. Der Richter bedauerte selbst den Vorfall, er erklärte aber nach dem bestehenden Gesetz nicht anders entscheiden zu können, denn in dem Gesetz von 1878 betreffend die Sonntagsruhe ist zwar für die Juden, welche am Sonnabend feiern, die Sonntagsarbeit erlaubt, dieses Gesetz besteht jedoch nicht für die Bäckereien, welche nach einem alten Gesetz Georg III. zu behandeln seien. In diesem ist.keine Ausnahme für Juden gemacht und daher dürfen jüdische Bäcker auch heute noch am Sonntag nicht arbeiten, während andere jüdische Handwerker es thun dürfen, wenn sie nur am Sonnabend feiern. — Ebenfalls ruft Aufsehen hervor, daß neuerding» mehrere Verurteilungen gegen Exzedenten im Ostend nöthig wurden, welche

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