Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 69 (27.8.1896)
- Date
- 1896-08-27
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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1342 der Büste stand ein Sessel für die Redner und vor demselben waren Tribünen errichtet, wo die besonders Geladenen ihre Plätze cinnahmen. Darunter befanden sich zahlreiche Verwandte des Verstorbenen, wie der berühmte Schriftsteller Dr. Georg Brandes, Prof. Hannover, Dr. Frederica, Dr. Rudolf Bergh, Prof. Carl Salomonsen ec. und die Häupter der verschiedenen Regierungs-Departements, sowie die hervorragenden Aerzte der Stadt. Nach dem Absingen einer zu diesem Zwecke besonders componirten Cantate hielt Dr. Orum, Primar-Arzt des Hospitals, eine Rede, in welcher er eine Revue über die verschiedenen humanen Jftitutionen passtren ließ, die Brandes ihre Existenz verdanken, mit besonderer Betonung des Krankenhauses; wie letzterer sich für alle Tagesfragen interessirte, namentlich in Bezug auf Krankenvereine, Maßregeln gegen Unmäßigkeit u. s. w. Brandes war einer Derjenigen, der 1859 mit großem Muth und Ausdauer gegen die Cholera gekämpft hatten. — Der Redner hob besonders hervor, daß dies das erste Mal in diesem Lande sei, daß einem Juden ein Monument errichtet wurde und bemerkte, daß jene verabscheuungswürdige, aller Cultur zuwiderlaufende und leider in anderen Ländern grassirende Agitation, der Antisemitismus, in Dänemark nie Eingang finden werde. Hierauf erhoben sich alle Anwesenden, entblößten ihr Haupt und das Monument ward enthüllt. — Herr Shaw, Advokat des höchsten Gerichtshofes und Präses der Spitalverwaltung, in der goldgestickten Unifornl seines hohen Amtes, trat hervor, nahm im Namen des Instituts das Denkmal in Empfang und versprach, nicht nur dasselbe zu beschützen und zu bewahren, sondern auch den Geist zu pflegen, in welchem die Anstalt gegründet wurde und wovon die Büste des Brandes das Symbol bilde, nämlich den Geist der H e r - zensgüte und Nächstenliebe. Zum Schlüsse drückte Herr Hermann Brandes, Halbbruder des Verstorbenen (Vater des Dr. Georg Brandes) in rührenden Worten seinen Dank im Namen der Familie aus. So schloß diese schöne, den Juden zur Ehre und großen zverrp verbreitende Ceremonie, die noch lange in Aller Angedenken bleiben wird. M a r o c c o. Marocco. (Die Juden von Marokko.) Bekanntlich ist die Lage der Israeliten, welche das Innere Marocco's bewohnen, eine wenig sichere. Ohne Vertheidigungsmittel gegenüber dem Fanatismus der Menge und der Habsucht der Angestellten, welche die Vorurtheile des Volks theilen, leiden sie unter der Rückwirkung aller Vorgänge und aller Unruhen, die im Lande Vorkommen. Seit der Thronbesteigung des neuen Sultans sind zahlreiche Tribünen im Aufstand, und fast allenthalben haben sie damit begonnen, die Juden anzugreifen; sie plündern die Häuser, äschern die Synagogen ein und rauben die Frauen uttb Kinder. Vor einigen Monaten drang eine aufrührerische Menschenmenge in das Judenviertcl zu Demnat ein, wo sie raubte und plünderte. Kinder und junge Mädchen wurden geraubt und die isracl. Gemeinde mußte zu ihrer Wiedererlangung große Opfer bringen. Ganz kürzlich sind diese Thatsachen zur Kenntniß des Central-Comitös der „All. isr." gebracht worden. Dasselbe sandte sogleich Hilfsmittel nach Demnat und empfahl die Opfer dem Wohlwollen und deul Schutz der europäischen Legationen in Tanger. MINiiM titkMislhr Aiykigr! Im Verlage von I. Kauffmatttt, Frankfurt a. M. erscheint in den nächsten Wochen: »Schriften vermischten Anhalts" von W. Frank. Dieses fast ausschließlich nur für Israeliten und in erster Reihe nur Lv'n trtpS geschriebene Büchlein dürfte als Festgeschenk ganz besonders geeignet erscheinen. Sowohl den Freunden einer heiteren und volksthümlichen, wie auch den Liebhabern einer ernsten, wissenschaftlichen Lektüre sei dieses Werkchen hiermit bestens empfehlen. Vermischtes. Düsseldorf, 23. August. Eiue rohe That setzte die hiesige Gemeinde vorige Woche in eine nickt geringe Aufregung, eine That, welche uns an die Wahrheit des prophetscheu Wortes erinnerte und welches in den nächsten Wochen in allen Synagogen Israels verlesen wird. Dieses Wort heißt: rtro ltsnjn iO Bpwn w tmjj d»3 cryEnm „Und die Ruchlosen sind, wie das aufgeregte stürmische Meer, seine Gewässer regen Schlamm und Lehm ans." Aus dem alten jüd. Friedhofe wurden 50 Grabsteine umgeworfcn und zertrümmert. Um dem Ganzen! ie Krone aufzusetzen, fand man auf einem das Wort" „Antisemit" eingemcißelt. Hoffentlich sind von bestem Erfolge die Bemühungen der Behörde gekrönt, welche als Belehnung Mk. 100 zur Ergreifung der Thäter aussetzte. Un'crer Ansicht nach wäre es am Platze, wenn der Vorstand unserer Simagogen-Gcmeindc, den es doch zunächst angcht, auch eine Belohnung für die Ermittelung der Thäter anssetzen wurde. Paris. Das antisemitiscke Pariser Hetzblatt, die „Libre parole", erzählte dieser Tage in ihrer gewöhnlichen Tonart, ein Schüler der poly cchnischen Schule, die in Frankreich die Offiziere der gelehrten Waffen heranbildet, sei von seinen Kameraden bei wiederholten Diebstählen in der Anstalt abgcfaßt worden, man habe ihn aus der schule gestoßen und er werde seine Zeit bei einer Straskompagnie abdienen. „Libre parole" fügte hinzu, der Dieb sei „natürlich ein Jude." Heute stellt sich heraus, daß die Geschichte wahr ist, nur ist der Dieb, ein gewisser Blois, kein Jude, sondern arischer Katholik, Sohn eines achtbaren Großkaufmanns in Lille. Der Unglückliche hatte eine Liebschaft mit einer Kellnerin des lateinischen Viertels, und da er von seiner Familie knapp gehalten wurde, vergaß er sich bis zunr Diebstahl, um seiner Geliebten die von ihr geforderten Geschenke machen zu können.