Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 69 (27.8.1896)
- Date
- 1896-08-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1806, Urkundenfälschung 750 statt 429, betrügerischen Bankerott 191 statt 20, einfacher Bankerott 1116 statt 69, Wucher 100 statt 6»/, Vergehen in Bezug auf das geistige Eigenthum 110 statt 12. Wegen dieser und verwandter Verbrechen und Vergehen wurden überhaupt 12,742 Juden verurtheilt während es nach der Bevölkerungsziffer nur 12,531 hätten sein dürfen. Dieses Mißverhältniß zu Ungunsten der Juden ist damit zu erklären, daß es sich hier meist um Strafthaten handelt, an denen vorwiegend Handel und Gewerbe betheiligt sind. Mit andern Worten, nicht der Jude, sondern der Kaufmann begeht verhältnißmäßig viel Meineide und Betrugsvergehen, weil er eben mehr Nechtsgeschäfte schließt. Und weil die Juden nach der Berufsstatistik stärker im Kaufmannsstande vertreten sind, so sind sie in diesen Delikten stärker betheiligt. Oesterr.-Ungar. Monarchie. (Z.) Törör-Szent-Mttlos, 17. August. Die hiesige Gemeinde hat soeben den Sohn des berühmten Rabbiners von Szatorallya-Ujhely -WBon "n n o-Y yyttö, Dr. Moritz Weiß, der seine theologischen Studien im Rabbiner-Seminar zu Berlin gemacht, zu ihrem Seelsorger gewählt. Letzteres Seminar fängt nun an, dem Rabbiner-Seminar in Budapest tüchtig Concurrenz zu machen, denn in der jüngsten Zeit wurden schon etliche Zöglinge dieser Anstalt von österreichisch-ungarischen Gemeinden zu ihren Rabbinern gewählt. (vb) Mattersdorf, 16. August. Die ungarische Regierung hat das Spielen des Lueger-Marsches in den Wirthshäusern unseres ComitaleS, das fast durchgängig von Deutschen bewohnt wird, aufs Strengste verboten. Unser Stuhlrichter ging noch um einen Schritt weiter und setzte eine Strafe von 50 bis 100 fl. für Jeden, der diesen Marsch spielt, aus. Rußland. Petersburg, 16. August. Am Krönungtztage war meinem hiesigen Gymnasium angeordnet worden, daß sämmtliche Schüler, ohne Unterschied, den Festgottesdienst in der Anstaltskirche zu besuchen haben. Darunter war auch ein jüdischer Schüler. Als bei einer Stelle des Gebetes alle niederknieten, blieb der Jude stehen, und wurde deßhalb in Untersuchung gezogen. Nach dem Grunde befragt, erklärte der jüdische Schüler: „Bei allen Empfindungen von Ehrerbietung vor anderen Religionen, bin ich gläubiger Jude. Ich würde es deßhalb als eine Heuchelei betrachten, wenn ich die Religionsgebräuche anderer Confessionen mitmachen würde." Darauf hin wurde die Untersuchung niedergeschlagen. Der glaubenstreue und muthige Knabe ist der Sohn eines hiesigen Arztes. Türkei. (-p) Aleppo, 14. August. Es ist sehr erfreulich zu sehen, daß, trotzdem das Rabbiner-Seminar in Adrianopel schon einige Jahre besteht und schon mehrere Schüler mit dem Reifezeugniß entlassen hat, die Gemeinden Kleinasiens, Syriens, Mesopotamiens und Kurdistans, wenn sie einen Rabbiner benöthigen, sich doch lieber an die alten bewährten Jeschiboth wenden und sich von dort einen holen, und dabei die erwähnte Rabbinerschule übergehen. So wurden im eben abgelaufenen Jahre mehrere Bachurim (Jünger) der Hiesigen berühmten Jeschiba als Rabbiner, Dujanim oder Darschaninr (Prediger) nach türkischen oder arabischen Gemeinden berufen. Uebrigens war Aleppo schon von jeher eine der berühmtesten Pflegestätten unserer heiligen Thora und große Gaonim haben hier ihre talmudischen Studien gemacht. Aber auch die materiellen Opfer, welche unsere uralte Gemeinde bringt, um das Thorastudium hier nicht erlöschen zu lasten, sind bedeutend und verdienen öffentlich gerühmt zu werden. Briefkaste» der Expedition. B T I r Für Holland verweisen wir Sie an die Nedaction des Weekblad, Verlag von Ioachimsthal in Amsterdam; für England Redaction des „Jewish Ehronicle", London; für Spanien keine Adresse bekannt. Frau Jenny Bleicherode hat in der Berliner Gewerbe- Ausstellung speziell jüdische in ihrem Atelier angefertigte Synagogenstickereien ausgestellt Zunächst sieht man einen kostbaren, künstlerisch ausgeführten Tempelvorhang (Porauches), der für die neue Synagoge in Myslowih bestimmt und von Herrn Siegmund Nothmann daselbst bestellt ist. In der Mitte desselben befindet sich außer einer entsprechenden Widmung, eine reiche, von einer umrahmten Krone überragte Löwengruppe von echter Goldstickerei; außerdem ist das Ganze von einer sehr csfectvoll wirkenden Bordüre eingefaßt. Ein weiteres Kunstwerk ist das „Gebet für den Landesherrn" in deutscher Sprache. In einiger Entfernung gesehen, glaubt man einem gedruckten Bilde gegenüber zu stehen, bis man durch ein Plakat darauf aufmerksam gemacht wird, daß das über 1100 Buchstaben enthaltende, in altgothischer Schrift gestickte Geb^t Handarbeit ist. Erwähncnswerth sind noch außer einigen anderen Stickereien mehrere Thora-Mäntelchen in den verschiedensten Stilarten, sowie, seiner ganz eigenartigen Schrift wegen, ein jüdischer Haussegen. Für den Kunstliebhaber lohnt es sich, diese in ihrer Art einzige Ausstellung, die auch mit Recht allgemeine Bewunderung erregt, zu besichtigen. ZurücL§68etLte Woll^ u. Waschstoffe im Ausverkauf. Alpaka doppeltbreit modernste Farben L M. 1.15 per Meter. Wasch»! offe k22 Pfper Meter Mousseline laine L 60 Pfper Meter Muster auf Verlangen franco in’s Haus. versenden in einzelnen Metern franco ins Haus, neuste Modebilder gratis. OETTlStälEIt & Öo., Frankfurt am Main. Separat-Abthetlung für Herrenklelder*toffe. Suxkin v. M. 1.35 Pfg., Cheviots v. M. 1.95 Pfg. an pr. 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