Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 67 (20.8.1896)
- Date
- 1896-08-20
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1292 6 der Tagesordnung verschoben wurde. — Von der Jakobsohn'schen Buchhandlung in Breslau waren einige Bücher eingegangen, und ist von ihr der Wunsch ausgesprochen worden, daß davon in Sitzung und Protokoll Kenntniß gegeben werde. — Alsdann wurde zur Vorstandswahl geschritten. — Der bisherige Vorstand wurd<: auf Vorschlag Reuß—Aurich durch Akklamation wieder gewählt. - Die Gewählten nahmen sämmtlich die Wahl dankend an. — Z» Punkt 3 der Tagesordnung — Bericht über den Delegirtentag in Berlin — übergehend, erhielt Ster n—Hildeshcim das Wort. Derselbe gab einen übersichtlichen, erschöpfenden Bericht über die zum großen Theil schon bekannten Verhandlungen und Abmachungen in Berlin. Er betonte, welche Schwierigkeiten die Begründung des Verbandes schon verursacht, welch' herrlichen Eindruck die Berliner Tage auf die Delegnteu gemacht. Die Tage seien ihm unvergeßlich. Der Gcmeindcbund, die Gemeinde und der Lehrcrvercin in Berlin hätten gewetteifert, den Delegnteu den Aufenthalt in Berlin so angenehm wie möglich zu gestalten. Allerdings seien die Geister auch heftig aufeinaudergeplatzt, und die Debatten hätten theilweise einen hohen Grad der Erregung angenommen. die Gründung sei aber vollzogen, und er hoffe, zum Segen der Lehrer und des jüdischen Schulwesens. Der Verein genehmigte ohne weitere Debatte einstimmig die Maßnahmen und die Beitrittserklärung der Delegirten. — Punkt 4 und 5 der Tagesordnung wurden einstweilen zurückgestellt, da für die Lesebuchkommissiou Abends noch eine Sitzung erforderlich war — Es folgte der Vortrag des Kollegen Werthcim—Hann. Münden über das vom Verbände gestellte Thema: „Auf welche Weise läßt sich am besten und schnellsten die Forderung im § 9v der Satzungen des Verbandes, betr. die lebenslängliche Anstellung sänuntlicher jüdischer Lehrer, ihre Pensionirung und die Versorgung ihrer Hinterbliebenen, auf gesetzlictem Wege erfüllen, resp. welche Grundlagen sind zur Herbeiführung dieser Forderung nothwendig." Der Inhalt dies s Vortrages ist folgender: 1. ein Zusammengehen der Lehrer mit den Gemeinden ist uothweudig zur Erreichung des zu erstrebenden Zieles. 2. Lehrer und Gemeinden müssen sich zu Jahresbeiträgen verpflichten, um allmählig einen Fonds zu bilden. Die Lehrer müssen es zu verhindern suchen, daß dein Lchrerstande neue Kräfte zugesührt werden; nur durch einen Lehrermangel würden unsere Gemeinden aus ihrer Lethargie aufgerüttclt und tarnen vielleicht zur Erkenntnis!, d ß etwas zur Besserstellung der Lehrer geschehen müsse. Der Wettkampf um eine Vakanz würde geringer und die unlauteren Wahlmanöver würden von der Bildflächc verschwinden. 3. Lehrer und Gemeinden müssen einem Verbände angehörcn und den Statuten, welche die Forderung unserer Ziele, die Pensionirung u s. w u. s. :o. erstreben, sich unterwerfen 4. Das Interesse der hohen Behörden müsse für die Sacke gewonnen werden Schutz und Sicherstellung ihrer Existenz können die Lehrer moralisch fordern, da auch Königliche Regierung die Ausbildung und Qualifikation zum Lehramte nach gesetzlichen Bestimmungen fordere. Nach Beendigung des mit Wärme behandelten Vortrags stattete der Vorsitzende dem Referenten den Dank der Versammlung ab und eröffnete die Geniraldebatte. Die Herren Landrabbiner Dr Löb und Tr. Lewinsky machten noch einige ergänzende Mitthcilungen zu der vom Referenten ausgestellten Statistik der Stellung der jüdischen Leh er in der Provinz Hannover, die ihm von den genannten Herren bereitwilligst als Material zur Verfügung gestellt worden war. Aus diesen Mittheilungen entnahm die Versammlung mit freudiger Genugthung, daß das Bestreben der Herren Landrabbiner fortgesetzt darauf gerichtet ist, die Einführung und Hebung des Religionsunterrichtes mit allen gesetzlichen Mitteln in ihren Bezirken zu erwirken. Dr. Lewinsky sprach sich im allgemeinen für die Ausführungen des Referenten aus. Seine Vorschläge seien aber weder friedlicher noch gesetzlicher Art, darum könne er dieselben nicht gut heißen. Es sei das Richtige, wenn die gesetzlichen Bestimmungen, wie sie in Hannover und Hessen- Nassau zu Recht bestehen, überall zur Einführung gelangten. Selig—Emden wünscht, der Verband niöge dahin streben, daß der jüdische Religions-Unterricht obligatorisch werde, und daß eine vom Staate eingerichtete Behörde denselben beaufsichtige. Des weiteren wendet er sich gegen die vom Referenten vorgeschlagene Gründung einer neuen Unterstützungskasse rrnd fordert zum Eintritt in die Achawa auf. Auch Stern—Hildesheim spricht sich gegen die Vorschläge des Referenten aus. Die Beantwortung dieser Frage sei eine schwere. Die Vorschläge bewegten sich nicht in den Grenzen der gesetzlichen Bestimmungen. In den alten Provinzen habe der Rabbiner wenig Einfluß auf die Gestaltung der Religionsschule. Der Verband möge vielleicht eine Petition an das Abgeordnetenhaus richten, daß die Religionsschule vom Staate anerkannt werde. Reuß Aurich wünscht die Arrerkenuung d<s Religionsunterrichtes vom Staate als obligatorisch. Dr. L ö b—Emden betont die Wärme, mit welcher Referent das Thema behandelt habe. Der Bortrag habe jedoch keinesfalls die Grundfrage berührt. Speziell für Hannover sei die Frage ja erledigt. Die vorgeschlagenen Mittel seien unausführbar. Die Lehrer müßten derart gebildet sein, daß durch sie der ideale Sinn gehoben . erde. Redner hält ein allgemeines konfessionelles Schulgesetz nach dem Zedlitz'schen Entwurf geeignet, die Lösung der Frage herbeizuführen, weil dann auch eine kleine ^Gemeinde einen staatlich geprüften Lehrer haben könne. Spanier - Stolzenau entgcgnete, daß gerade nach dem Zedlitz'scheen Schulgesetzentwurf viele jüdische Schulen den Ehnracter einer öffentlichen verloren hätten, indem viele Schulen beständen, welche die in dem Gesetzentwurf vorgeschriebene Schülerzahl nicht erreichen. In der Sache schließt er sich den Ausführungen Seligs an und bemeikt, daß, wenn der Religionsunterricht obligatorisch sei, der Staat auch die Verpflichtung anerkennen müsse, die Religionklehrer definitiv anzustellen. Solches sei dann mindestens nur eine Frage der Zeit. Nachdenr noch Levy— Norden und andere zur Sache gesprochen, bemerkte Wert- Heim in seinem Schlußworte, daß seine Ausführungen der Praxis entstannnen, und der Vorsitzende des Verbandes ihn ersucht habe, hauptsächlich die besonderen Verhältnisse zu berücksichtigen. Reuß Aurich verliest eine Resolution, deren Annahme er statt der aufgestellten Thesen empfiehlt. Aus Antrag Wolf-Aurich wird diese Resolution nebst den Thesen einer Kommission zur Beratluing überwiesen. In diese Kommission wurden gewählt: Blumenfeld —Adelebsen, Wolf —Aurich. Eckmann—Nienburg, Seli >—Emden und der Referent. Rach einer viertelstündigen Pause wurde die Versammlung, milden freien Besprechungen beginnend, wieder eröffnet. Seminardirektor Dr.Knoller -Hannooerrichtetenamens des Vereins zur Verbreitung der Handfertigkeit und des Gartenbaues die Bitte au die Versammlung, in den Gemeinden die Bestrebungen des Vereins fördern zu wollen. Der Verein sei gern bereit, materielle Beihilfe bis 100 Mk. zu gewähren Levy—Norden wünschte die Einrichtung von Ferienkursen, in denen auch älteren Lehrern Gelegenheit gegeben würde, sich in Handfertigkeit und Gartenbau auszubilden. Eckmalin—Nienburg brachte einige Mängel in der Ferienordnung zur Sprache und wünscht, bei Feststellung der Ferien auf die Belastung der Lehrer, welche auch Kultusbeamten sind. Rücksicht zu nehmen- Dr. Lewinsky wies darauf hin, daß eine Veränderung der Ferien. wie sie Eckmann vorgeschlagen, der Genehmigung des Oberpräsidenten