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Der Israelit · 1896-08-17 · Heft 66 (17.8.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 66 (17.8.1896)
Date
1896-08-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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"AKG-^ - i' 1269 München" genannt, fühlt von Zeit zu Zeit das Bedürfniß, von sich reden zu machen, um zu oocumentiren, daß ihr der Athem noch nicht ausgegangen ist. Da ihr selbst aber die nöthigen geistigen Kräfte fehlen, um anständig in VoHksv.rsammlungen vor die Oeffentlichkeit treten zu können, läßt sie sich von Zeit zu Zeit von auswärts Agitatoren verschreiben, die sich durch mehr oder minder glückliche Agitation einen Namen zu verschaffen gewußt haben. Nach langen Bemühungen gelang es den Münchener Antisemiten, den Vice-Bürgermeister Dr. Karl Lueger für eine Versammlung in München zu gewinnen. Um das Erscheinen Lueger's sensationell und aufsehenerregend zu gestalten, war der Empfang im Ostbahnhofe möglichst pompös vorbereitet. Eine halbe Stunde vor Eintreffen des Salzburger Schnellzuges fand sich Herr Ludwig Wenng mit einem aus etwa zehn Herren bestehenden Comit«, alle mit weißen Nelken im Knopfloche, ein. Auch fünf Festjungfrauen mit großen Blumenbouquets waren erschienen. Vor dem Bahnhöfe sammelte sich eine nach Hunderten zählende, aus Arbeitern, Frauen und Kindern bestehende Menge an, die wohl zumeist aus Neugierde, nicht zum mindesten für den bereitstehenden Fleischmann'schen Hochzeits- Galawagen erschienen war. Als nach Ankunft des Zuges Dr. Lueger und mit ihm Neichsraths-Abgeordneter Schneider dem Coupe entstiegen, ertönten lebhafte Hochrufe, während die Damen Blumenbouquets überreichten. Als Dr. Lueger außerhalb des Bahnhofes sichtbar wurde, brach ein Theil der Menge in ein Hoch aus. Mit aller Entschiedenheit weigerte sich Dr. Lueger, den Galawagen zu besteigen, dafür lud er als galanter Mann zwei der Damen ein, den Galawagen zu benützen, während er selbst mit Herrn Schneider und Herrn Wenng im nächsten Zweispänner Platz nahm. Hierauf ging es zum „Hotel Kaiserhof", wo die Gäste aus Wien Absteigequartier nahmen. Inzwischen hatte der Münchener Kind'l-Keller-Saal seine weiten Räume geöffnet, die sich rasch füllten. Um 8 Uhr, dem Beginne der Versammlung, war der Saal zum Brechen voll. Man hatte nicht ohne Erfolg auf die Neugierde des Publikums gerechnet. Vertreten waren unter den Anwesenden alle Parteien, aber überwiegend natürlich die Social-Demokratie. Die Antisemiten selbst hatten nur ein bescheidenes Eontingent Besucher gestellt, da ihre Anhänger in München fast an den Fingern zu zählen sind. Die Ankunft des „Volkstribunen" verzögerte sich bis Uhr. Als er um diese Zelt den Saal betrat, erschollen lebhafte Bravo-Ruse, untermischt mit Pfeifen. Die Folge war, daß man etliche hinauszuwerfen versuchte, was aber in Folge der Stauung im Saale nicht gelang. Schneider ist Antisemit der gewöhnlichsten Sorte; ein tollwüthiger Judenfresser, der Angriffe gegen seine Person oder seine Partei mit den ödesten Schimpf- und Hetzreden und märchenhaft klingenden Beschuldigungen gegen die Judenschaft erwiedert und von sich abzuwälzen sucht. Er ist des Wortes so wenig mächtig und einer kritischen Situation so wenig gewachsen, daß sich während seiner Rede die wüstesten Lärmscenen abspielten konnten, die eben nur das häßliche Echo häßlichen Partei-Fanatismus waren. Erst Lueger verstand es, die Menge, die bis dahin die Elementarbegriffe von der Abwicklung einer Volksversammlung entweder überhaupt nicht hatte oder doch wenigstens vergeffen hatte, zu parlamentarischen Gepflogenheiten zurückzuführen." Einem Berichte der „Münchener Neusten Nachrichten" über die Rede des Dr. Lueger ist zu entnehmen, daß der christlich-sociale Antisemiten-Führer sich in München wieder einmal auf den strammen Deutsch-Nationalen hinausspielte. Wo man ihn nicht kennt, dort kann er es ja auch mit der Rolle des „deutschen Bruders" probiren. Er schloß seine Rede mit folgenden Worten: „Möge das deutsche Volk endlich einmal zur Einsicht kommen, daß es die Pflicht eines jeden Deutschen ohne Rücksicht auf territoriale Grenzen ist, festzuhalten an seinem Vaterlande! Möge ihm ein Führer werden, der es rettet aus aller Noth, der es erhält auf der Höhe seines Ruhmes, der es nicht blos rettet vor seinen äußeren Feinden, sondern es auch von seinen inneren Feinden befreit! Vergeffen Sie nicht, daß wir Alle stammverwandt sind, daß wir Oesterreicher — Sie sind in etwas beffer daran — einen verzweifelten Kampf um unsere Nationalität, um unser deutsches Volk kämpfen. Möge die gemeinsame Noth auch gemeinsame Arbeit erwecken." Das sind doch nur leere Phrasen im Munde eines solchen Mannes. Sie werden geradezu lächerlich, wenn man bedenkt, an was für eine Versammlung sie gerichtet waren. Es war — wie die „Neusten Nachrichten" schreiben — eine „richtige Radau- Versammlung." Arabien. 0>'i) 0atld im Pemen. Von in Jerusalem rinn ansäßigen yemensischen Juden sind in der letzten Zeit Briefe hier eingelangt, welche meldeten, daß der Vali von Syrien aus Konstantinopel den Auftrag erhalten habe, die Einwanderung von fremden Juden nach Palästina für einige Zeit hintanzuhalten, da die Pforte nicht wünsche, daß die jüdische Bevölkerung dieser Provinz überhand nehme und die mohamedanische daselbst verdränge. In Folge dessen haben nun einige Gemeinden unserer Provinz beim Vali hier angefragt, ob sich dieses Verbot der Pforte auch auf die Juden Pemens, die doch gleichfalls türkische Unterthanen sind, beziehe. Der Vali fragte nun diesbezüglich in Konstantinopel an. Der Bescheid von dorten lautete nun dahin, daß die Pforte es wohl den

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