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Der Israelit · 1896-08-13 · Heft 65 (13.8.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 65 (13.8.1896)
Date
1896-08-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1245 Wenn ein sogar höher Geprüfter : «2.1 ine-,, 're: nach Sedom komme nicht meine Seele", ein anderer „n-n (Wöchnerin) mit Thier übersetzt" und ein dritter, der sogar vom Schulinspektor als L'hrtalent bezeichnet wurde, das Wort pnx nicht schreiben kann, so braucht man einen Unterschied nicht zu machen, w il er wirklich besteht. Allerdings hat der junge Mann, der ein Staatsseminar besucht, oft nicht einmal Gelegenheit, sich ein tüchtiges, jüdisches Wisstn anzueignen; er hat es auch nicht nöthig. Das Zmgniß über die Abgangsprüsung ist ein passe-partout, mit welchem ihm überall der Eintritt als Religionslehrer gestattet wird. Derjenige aber, der sich speziell zum Religionslehrer ausbilden will, wein, daß er in diesem Fach etwas können muß, weil er sonst gar nicht aukommen kann. Selbstverständlich gilt das Gesagte nicht von allen Lehrern, weder von Geprüften noch von anderen. Bei uns in Bayern merkt man im Verkehr unter den Lehrern keinen 11” terfcbieb und in den Statuten des Vereins ist meines Wissen ein solcher auch nicht ausgestellt. lieber den Schaden, den die nicht staatlich Geprüften schon in der Schule angerichtet haben sollen und von dem Unglück, das es für die Gemeinden sein soll, daß die Ersteren auch mit einem kleineren Gehalt zufriedell sind, will ich, wenn es nöthig sein sollte, an der Hand lebendiger Beispiele später berichtet!. Und zum Schlüsse noch etwas. Gewisse Herren möchten die Macht der Orthodoxie gebrochen sehen. Mir scheint, daß der Lehrer, wenn er so lebt, tote die Religion, die er zu lehren hat, es vorschreibt, die Orthodoxie nicht zu fürchten hat; er wird vielmehr an den „hochmögenden, orthodoxen Herren" Freunde und Berathcr finden. Ein nicht staatlich Geprüfter. O e st e r r. - U n g a r. Di 0 n a r ch i e. (K.) Miskol;, 6. August. Vor Kurzem hat der hiesige jüd. Gewerbverein sein 6l>jähriges Gründungsfest gefeiert, wobei er zugleich auch seine neuangeschaffte Fahne einweihen ließ. An unseren guten König ging dann ein Huldigungstelegramm ab und überschickte ihm der Verein zugleich einen goldenen Nagel. Diese Woche ist nun an unfern Obergespan ein Ei laß d s Königs eingetroffen, der ihn beauftragte, den goldenen Nagel in die Vereinsfahne einzuschlagen. Italien. Mailand. Der vor etlichen Monaten hier verstorbene jüd. Banqnier ProsperoMose L 0 r i a hat sein ganzes Vermögen im Betrage von zehn Millionen Lne nach Abzug einiger Legate zu lmmanrtären Zwecken testirt. Dessen Verwandte fochten jedoch das Testalnent au. Das Gericht hat deren Klage zurückgewiesen und das Testament vollinhaltlich bestätigt. Asien. (off Bokhara, Ende Juli. In den jüdischen Gemeinden Mittelasiens: Bokhara, Samarkand, Khokand, Taschkend, Margilan, Chodschend rc. macht sich seit Kurzem eine Bewegung bemerkbar, welche verdient, auch von den Juden im Westen, besonders in Europa, mit großer Aufmerksamkeit verfolgt zu werden. Alle diese genannten mittelasiatischen Gemeinden find Colonien oder eigentlich Tochlergemeinden der hiesigen Gemeinde, die bekanntlich schon vor zweitausend Jahren, also noch um einige Jahrhunderte früher als die großen Lehrhäuser in Babylonien existirten, als eine Mutter- und Muttergemeinde galt. Was damals die Juden Bokharas thaten und beschlossen, oas wurde getreulich von allen diesen Tochtergemeinden nachgeahmt. Da es nun damals, zur Zeit als das erste jüd. Gemeinwesen hier entstand, nicht üblich war, dem Rabbiner oder wie man damals sagte 2X pi ii'2 und den anderen Gemeindefunctionären ein festes Gehalt auszusetzen, sondern sie einfach auf freiwillige Spenden oder Sporteln (arabisch: Dachaliah) verwies, so bat sich nun dieser Gebrauch bis auf unsere Tage herab erbalten, und das Gehalt, das daher die Rabbiner, Vice-Rabbiner (p), Vorbeter, Schächter ec. hierzulande beziehen, ist daher noch jetzt ein recht geringfügiges. Dafür sind ihre Sporteln von den Gerichtssitzungen, Erbschafts-Angelegenheiten, Trauungei', Ehescheidungen, den freiwilligen Spenden zu den hohen Feiertagen ec. immerhin bedeutende. Rur die Sterbefälle £"2 werfen keine Sporteln ab, da Grabreden liier nicht üblich sind und nur beim Ableben eines Frommen oder Gelehrten abgehalten werden dürfen. Solche Zustände sind aber für unsere Zeit nicht mehr geeignet, und auch unsere Rabbiner, Vorbeter rc. wollen auf ein festes Gehalt rechnen können. Natürlich müßte aber dann eine feste Eultussteuer eingesührt werden, damit ein Jeder eine Abgabe entrichte, so wie er sie kann und nicht wie er sie will. Es wird zugleich ein Modus für dw Einhebung der neuen Steuern nothwendig werden, und gedenken daher die betreffenden Gemeinden ganz neue Statuten (m:pn) eiuzuführen, oder die alten zu resormireu. Wir werden daher voraussichtlich einen neuorganisirten Cultusoorstand (bnp) nach dem Muster der jüdischen Gemeinden Rußlands erhalten und in jeder Stadt wird es dann nur einen einzigen CultuSvorftand und nicht deren mehrere zugleich geben. Vermischtes. Hameln Kürzlich wurde der Bankier Hermann Silberschmidt von hier wegen Verleitung zur Kuppelei verhaftet. Der Name Silberschmidt genügte nun der antisemitischen „Hannoo. Post", um ihn sofort zum Juden zu

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