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Der Israelit · 1896-08-06 · Heft 63 (6.8.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 63 (6.8.1896)
Date
1896-08-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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biner wirkten, sieht es zwar schon lange nicht so aus, wie es z. B. unter der Leitung und Führung eines pj’ö wo '*) oder fn?pn tsnn n aus gesehen hat; ja, die Gemeinde gehört nicht einmal dem Verbände der orth. Gemeinden des Landes an, sondern Beruf)! vielmehr auf der Basis der Congreß-Statuten; um so mehr aber verdient es rcglftrtrt zu werden, daß bei der jüngst statt gefundenen Rabbiner-Wahl in Alt- Ofen kein einziger der vielen Reflektanten von den Candidaten des hiesigen Rabbiner-Seminars berücksichtigt wurde, und die Wahl auf einen Zögling der Preßburger ran?’ siel, indem man bei ihm mehr Frömmigkeit und jüdisches Wissen, als bei einem Zögling des Budapester Rabbiner-Seminars zu finden hosst. Möge es dem neuen Altofener Rabbiner auch gegönnt sein, durch sein Leben und Wirken zu bezeugen, daß sich seine Gemeinde in ihm nicht getäuscht hat! — R. (F.) Prag, 26. Juli. Hier hat sich ein neuer Wohlthätigkeitsverein gebiloet, der arme jüd. Mädchen. die sich irgend einem Berufe widmen, dadurch unterstützen will, daß er ihnen rituelle Kofi verabreichen läßt. Die Ausspeisung beginnt am 15. September und müssen die Petenten in ihrem betreffenden Gesuche auch genau angeben, welchem Berufe sie sich eigentlich widmen wollen. Die Statthalterei hat dem „Israelitischen Landesverein für Böhmen" den Auftrag erlheilt, für seine Mitglieder einen Pensionsverein zu gründen und die darauf bezüglichen Statuten an hoher Stelle zur Prüfung vorzulegen. Der Verein wird daher am 23. und 24. August eine Generalversammlung abhalten, um derselben die Statuten eines solchen Pensionsvereines, die unierdessen von einem ad hoc niedergesetzten Comits ausgearbeitet werden sollen, zur Begutachtung vorzulegen. Rußland. Friedrichstadt (Curlaud). Dem vereideten Rechtsanwalt, Hofrath und Ritter Adolf Goldblatt ist vom Justizminister das Recht verliehen worden, in den Ostseeprovinzen zu advociren. Es ist dies, wie die „Pr." meldet, der erste Fall seit Einführung der neuen Gerichtsordnung in unseren Provinzen, daß einem Israeliten dieses Recht gewährt worden. Der Fall darf daher allgemeines Interesse beanspruchen. H. Goldblatt bekleidete früher die Stellung eines Büreauchefs im Justizministerium, ging dann als Obersekretär an den dirigirenden Senat über und beschloß seine dienstliche Laufbahn als Beamter des Senats. Hernach war er längere Zeit als Juriseonsult der Großen Russischen Eisenbahn-Gesellschaft und an verschiedenen Banken thätig und soll jetzt die Absicht haben, nach seiner Heimathstadt Mitau überzusiedeln. — Fürst Uchtomsky hat in der von ihm herausgegebenen „St. Petersburger Wedomosty" begonnen, einen Kampf gegen die religiöse und nationale Unduldsamkeit zu führen. So erschien vor Kurzem im genannten Blatt ein Artikel „Das Collektivgewissen", in welchem der Gleichstellung aller Unterthanen ohne Ausnahme der Konfession und Nationalität kräftig das Wort geredet wurde. Wie vorauszusehen war, wurde nun Fürst Uchtomsky von den Blättern der gegnerischen Partei scharf auf's Korn genommen, und namentlich der „Rußky Listok" warf ihm unverblümt vor, daß er feindliche, schädliche Interessen vertheidige. Daraufhin richtet Fürst Ssergei Wolkonski, der Verfasser jenes Artikels, an die „Wedomosty" eine mit seinem vollen Namen Unterzeichnete längere Zuschrift, in der es heißt: „Bis jetzt stand Ihre Zeitung beinahe allein da im Kampfe, welchen sic gegen die religiöse und nationale Unduldsamkeit zu führen begonnen. Sie sind voran gegangen, ohne sich durch die Aeußerungen offener Feindschaft gegen ihre Richtung irre machen zu lassen; es fanden sich Leute, die nicht bei der gedruckten Anklage gegen Sie wegen Berrathes stehen blieben; wahrlich, es hat deren „russische" Herzen schon gar sehr gekränkt, als sie vernahmen, daß im „Heiligen Rußland" Worte christlicher Duldsamkeit, der Achtung vor dem menschlichen Gewissen erklingen, und daß die Menschen gastfreundlich zu geistiger Gemeinschaft zusammengerufen werden." Weiter eonstatirt Fürst Wolkonski, daß die Stimme des „St. Petersburger Wedemosty" nicht in der Wüste verhallt sei, sondern in den Herzen der großen Masse, unbewußten Anklang gefunden habe, und daß die Gegner des Fürsten Uchtomsky sich vergebliche Mühe geben, ihn und seine Ansichten als gänzlich ohne Bedeutung und Einfluß hinzustellen. — Bei dem hohen Ansehen, das Fürst Uchtomsky in hohen Kreisen genießt, wird man dieser Zeitungspolemik einige Bedeutung nicht absprechen. Rumänien. Jassy, 30. Juli. Das hier erscheinende rumänische Journal „Evenimentul" brachte kürzlich folgende Begebenheit zur Sprache: Dieser Tage kam ein armer Jude mit drei Kindern, die eine diphteritische Angina halten, l)hr an. Dieser Jude kannte durch Zufall Herrn Ghica, den Gehilfen des MaireS. Er wandte sich an ihn mit der Bitte, er möge ihm seine kranken Kinder in einem Spitale unterbringen. Herr Ghica, dessen Güte bekannt ist, gab ihm ein Empfehlungsschreiben. Der Mann machte die Runde bei allen Hospitälern der Stadt, überall wurde er abgewiesen, weil er ein Jude ist. Herr Ghica richtete hierauf an einen Hospitalsleiter folgende Zeilen: „Theuerer Doctor! Drei Kinder sterben, ist es möglich, daß ihnen Keiner zu Hilfe kommen will? Der unglückliche Vater rennt von einem Spital zum anderen und man hält ihm das Reglement entgegen. Die Angina läßt sich leider nicht mit den Gesetzen oder mit dem

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