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Der Israelit · 1896-08-03 · Heft 62 (3.8.1896) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 62 (3.8.1896)
Date
1896-08-03
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1194 Dieser Abgeordnete wird 20 Frcs. für jedes Attest zu erhalten haben. Da die jüdischen Schulen fast ausschließlich von armen Kindern besucht werden, hatte der frühere Unterrichtsminister darin gewilligt, diese Prüfungslaxe um ein Bedeutendes herabzumrndern. So geschah es, daß in den beiden jüdischen Schulen von Bukarest, die etwa 700 Zöglinge zählen, die Besoldung der Delegirten von 14,000 Frcs. auf 800 herabgesetzt wurde. In diesem Jahr kamen wir um die nämliche Vergünstigung ein, und waren um so sicherer, dieselbe zu erreichen, als sie uns zwei Jahre hindurch gewährt worden war. Ich füge hinzu, daß es in den neuen, vom jetzigen Minister infolge des neuen Schulgesetzes ausgearbeiteten Bestimmungen ausdrücklich heißt, daß das theilweise oder auch gänzliche Fortlassen dieser Taxe denjenigen Schulen gewährt werden könne, die durch Geschenke und Beiträge erhalten würden, und in denen das Schulgeld gering oder überhaupt nicht vorhanden ist. Unsere Schulen gehören in diese Kategorie, wie dies ein jeder weiß. Der Minister Pani wies unsere Eingabe ausdrücklich zurück und ließ uns mittheilen, daß er nur dann einen Prüfungsbeamten in unsere Schulen schicken würde, wenn wir im voraus 20 Frs. für jeden zu prüfenden Schüler, er sei nun arm oder reich hinterlegen, daß der Artikel der Beftimniung, der eine mögliche Herabminderung der Taxe für einige Schulen in Aussicht stellt, nur auf Kinder von Rumänen Anwendung findet, und die Juden als solche nicht angesehen werden können. Da es nicht gut möglich ist, diese bederttende Summe aufzubringen, sehen wir uns genöthigt, auf die Prüfung für unsere Zöglinge zu verzichten. Dieser Beschluß wurde auch den anderen Gemeinden mitgetheilt, die eine ähnliche Eingabe eingereicht hatten. So wären denn die jüdischen Kinder in die Unmöglichkeit versetzt, sich auch nur in einer öffentlichen Schule vorzustellen. Und dies gerade ists, was der Minister anstrebt. Die jüdischen Kinder sollen nicht in die staatlichen Schulen ausgenommen werden." Portugal. (L. T.) Lissabon, 19. Juli. Vierhundert Jahre sind nahezu verfloffen, seitdem König Emanuel der Große die Juden aus Portugal verbannte und der letzte Rabbiner aus Liffabon zog. Der in der Geschichte bekannte Papst Alexander VI. (Borgia) beeilte sich dem Könige zu seiner Heldenthat zu gratuliren und verlieh er ihm zugleich den Titel: „fidelissimus“ („allergetreuester"). Der Patriarch von Lissabon wieder begann seine Jub^lpredigt, die er damals vor dem Könige und dem Hofe hielt mit den Worten: „Venite, disperdamus eos de gente, et non memoretur nomen Israel ultra" („Kommet, vernichten wir sie als Volk und der Name Israel soll niemehr erwähnt werden. Psalm LXXXTII, 5. ny Ss-ifc” aty *isr ’ao a-mar ia^.) Nun war das Königreich Portugal, um im antisemitischen Jargon zu sprechen „judenrein" und die Christen in diesem Lande waren wieder unter sich. Vierhundert Jahre sind nun seit diesem traurigen Ereignisse verschwunden und das Königreich Portugal schämt sich darüber, daß es in seiner Unduldsamkeit die Juden verbannt und verfolgt hat. Voller Neue darüber, hat es schon vor einigen Jahrzehnten seine Pforten wieder den Juden geöffnet. Hier in Lissabon existirt wieder eine jüdische Gemeinde und soeben wurde auch Herr Angelo Sitrug aus Livorno zum Rabbiner erwählt. Derselbe wird zwar auch als p-rai erntr f?rr fungiren, weil die Gemeinde noch zu klein ist, um solche Funktionäre anzustellen, aber innnerhin ist jetzt wieder ein Rabbinat in Lissabon installirt und die Söhne Jakobs leben hier wieder in Frieden und Ruhe. Vermischtes. Stuttgart. Ter 65. Bericht der Israel. Waisenanstalt in Eßlingen pro 1. April 1896/96 ist wieder ein recht günstiger für diese Anstalt. Der Fortgang dieses Werkes der rettenden Menschenliebe ist ein ungestörter und segensreicher und erfreut sich die Anstalt auch des Wohlwollens Ihrer Mas. des Königs und der Königin, welche den Sparhafen der Zöglinge mit 40 M. bedacht hat. Die Gesammteinnahmen erlitten zwar einen Ausfall, der jedoch durch Ersparnisse in den Ausgaben annähernd beglichen wurde. Die Anstalt erhielt im letzten Verwaltungsjahre an Legaten und Stiftungen 5437 M. an Spenden 8175 M., an Kostgeldern 1757 M>, an Beiträgen vom K. Staatswaisenhause 260 M., an Zinsen 13,390 M. und verausgabte für Besoldungen 4042 M., für Lebensmittel 7656 M., im ganzen über 18000 und besitzt jetzt außer deni Gebäude 360591 M. Der Zöglingsstand ging von 39 auf 37 zuürck. 8 Zöglinge traten aus, 6 wurden neu ausgenommen An der Anstalt wirken 1 Hauptlchrer, 1 Hilfslehrer und 1 Aufseherin. Vorstand des Vereins ist Oberkirchenvorsteher H. M Goldschmidt hier. Hamburg, 29. Juli. Frau Hannchen Lewisohn, Gattin des erst jüngst Heimgegangenen Herrn Sally Lewisohn, ist heute hochbetagt gestorben. »1*28 Jn. Mertzweiler i. E«, 26. Juli. Eine erhebende Feierlichkeit, an welcher sich viele Fremden betheiligten, fand am OT nuitf den 25. Juli hier statt. Herr Felix Berg von hier schenkte nämlich der hiesigen Geineinde eine Thorarolle mit prachtvoll goldgesticktem sammetem Mäntelchen und Blumenkrone, die unter den üblichen Ccremonien ihrer Bestimmung übergeben wurde. Grotzwardein. (Der Adjutant Görgcy's.) In hiesiger Stadt wurde vor einigen Tagen die Leiche eines armen alten Diurnisten zu Grabe getragen, der einst zu den Helden des ungarischen Freiheitskampfes zählte. Jacob Fodor (Frank) — dies der Todte — wurde im Jahre 1818 zu Ezabrendek (Zala) geboren. Als neunzehnjähriger Jüngling wurde er Freiwilliger in einem in Italien stationirenden Jnfantelie-Regimente; 1848 eilte er als Lieutenant heim,

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