Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 61 (30.7.1896)
- Date
- 1896-07-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXYII. Jahrgang. M 61. Der Asraelit. Ein Uentrak-Wrgan für das orthodoLe Tudenthum. Begründet von »r. fe^mann in Htninr Donnerstag, den 30. Juli 5656 (1896). ssr Merrlr abonnirt man bei allen Poftanstalten für die Monate © Angust und September © auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSfchalter des Wohnortes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriefträger aufgegeben werden. Die Expedition des.Israelit". Leitender Artikel. Der Wette galtMe KathMknlag ml» die Men. Lemberg, im Juli. Gerade drei Jahre sind es her, als in Krakau der erste galizische Katholikentag unter geringer Theilnahme und mit großem Eclat abgehalten wurde. Es gab nicht viel zu berathen, denn in einem Lande, dessen Bevölkerung, mit Ausnahme der jüdischen, fast durchweg der katholischen Konfession angehört, ist schlechterdings kein Anlaß vorbanden, die Confession zu vertheicigen. Aber ein Katholikentag mußte sein, Venn viele Provinzgrüßen wollten just die Gelegenheit haben, Reden zu halten, und ihre Namen in den Zeitungen gedruckt zu sehen. Zum Glucke gibt es in Galizien Juden, die, in Ermangelung anderer Themen, für manchen Vaterlandsretter einen willkommenen Gegenstand darbieten, seine Fähigkeiten zu zeigen. Gäbe es keine Juden, man müßte welche erfinden. Wen könnte man sonst für alles Unheil in der Welt verantwortlich machen, wem könnte man sonst alle Schuld aufbürden, wenn es an den Tag kommt, daß etwas faul ist im Staate Galizien? So bilde.e denn auf dem ersten galizischen Katholikentag die „Judengefahr" den Hauptgegenstand der Berathungen. Der Mittelpunkt der frommen Versammlung bildete eine große Rede des großen Gelehrten Stanislaus Grafen Tarnowski, Präsidenten der Krakauer Akademie der Wissenschaften über die Gefahren, von denen die katholische Kirche bedroht ist, in welchen nachgewiesen wurde, daß neben anderen kleinen Gefahren, die größte die von den Juden herrührenve sei. Schon das Vorhandensein von Juden in der Welt bilde eine Herausforderung für das katholische Bewußtsein, die umso größer ist, als diese Juden sich noch auch Rechte im Staate und in der Gesellschaft anmaßen. Rechte, die ihnen der verruchte Liberalismus, wenigstens in der Theorie, auch zugestanden hat. Zwar gab sich der gelehrte gräfliche Professor der Hoffnung hin, daß alle diese Juden einmal noch „selig ‘ werden, und ihrem „Aberglauben," an dem sie einige Jahrtausende mit unbegreiflicher Hartnäckigkeit festhalten, abschwören werden; dann wird auch die Gefahr für die katholische Kirche von dieser Seite geschwunden sein. Aber da dies noch eine Weile auf sich warten lassen könnte, hatte der Graf einstweilen einige Mittel erfunden, von denen er sich, wenn nicht eine gänzliche Beseitigung der „Judengefahr," so doch eine beträchtliche Milderung derselben versprach. Sie gipfelten in dem Satz: man lasse die Juden nicht leben. Graf Tarnowski riet, man solle den Juden nach Kräften alle Erwerbszweige abschneiden, ihnen keine Faustbreit Erde verkaufen oder verpachten, mit allen der Gesellschaft und dem Lande zur Verfügung stehenden Mitteln ihnen die Möglichkeit einer erfolgreichen Ausübung von Handwerk und Gewerbe nehmen, ihnen den Handel aus der Hand reißen, und so gut dies geht, ihnen alle Quellen einer höheren Bildung verstopfen. Dann werde die katholische Kirche gerettet sein. Originell waren diese Vorschläge allerdings nicht, die Antisemiten hatten diese Lehren längst verkündet;