Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 60 (27.7.1896)
- Date
- 1896-07-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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JISMJO.;•>;^.r. V 7 v'^'.. XXXYII, Jahrgang. Der Israelit. Ein Uenlrak-Wrgan für das orthodore ÄudenLHum. Begründet von Dr, f^tnunn in ntnitif. Montag, den 27. Juli 5656 (1896). 8ät Bwei MÄvK abonnirt man bei allen Postanstalten für die Monate S August and September G auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitungsschalter des Wohnortes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriesträger ausgegeben werden. Die ErpeLikon -es „Israelit". Leitender Artikel. Sprüche der Mter. Sechstes Buch. XI. Mainz, den 26. Juli. Als zwölftes Mittel zur Aneignung der Thora folgt nun ntp das wir mit Weltsitte wiedergegeben haben. Alan versteht darunter die Kenntnisse, Wissenschaften, Fähigkeiten und Lebenserfahruugen, durch deren hingebende Pflege wir die Welt zur menschlichen Wohnstätte den Bedürfnissen des Lebens gemäß gestalten und vervollkommnen. So wird der Ausdruck ntn im Talmud Kidduschin, Fol. 6V gefaßt: nt”'7i [iS px “p-n sSi n:tron sSi stpoa rrb i:\str und ebenso an anderen Stellen. — Andere Erklärer fassen das Wort auch als Bedächtigkeit und Gründlichkeit. Auch diese Auffassung ist sprachlich gerechtfertigt. Es dürfte ihr jedoch der Umstand entgegenstehen, daß dieser Anforderung erst weiterhin in mc^s gedacht wird. Andere haben statt nrr>' die Lesart: nntp was das Hinsitzen über den anzueignenden Lehrstoff oder die Veranstaltung, die Jeschiba, bezeichnen würde, in welcher Schüler die Lehren des Lehrers entgegennehmen. So gewiß diese Gemeinsamkeit des Thorastudiums, dieser lebendige Verkehr zwischen Lehrern und Schülern unter sich bedeutsame Mittel zur Aneignung der Thora sind, so spricht doch gegen seine Betonung an dieser Stelle der Umstand, daß die wesentlichsten hierher gehörigen Momente unmittelbar vorher durch pnn ,dot enve» DH’öSn bwbn nnan gewürdigt wurden. Mit nrw wäre nach unserer Auffassung die bedeutsame Wahrheit ausgesprochen, daß die Aneignung anderweitiger Wiffenschaften, daß Kenntniffe von Handwerk, Geschäft und Handfertigkeit jeder Art weit entfernt, ein Hinderniß für das Studium der Thora zu sein, sogar als Mittel zur Aneignung und Conservirung der Thora empfohlen wird. Kaum kann es anders sein. Unsere Thora ist nun, ist eine Thora für das Leben. In ihm findet sie ihre praktische Anwendung und Verwirklichung. Der Thorakundige, der dem täglichen, frisch pulsirenden Leben fern und fremd gegenüberfteht, hat seinem Wiffen den Boden entzogen, aus dem er neue Kraft schöpfen und auf dem es allein zur Thal reifen kann. Auch darin stehen uns unsere großen Weisen als mustergiltiges Vorbild da. Es giebt kein Wiffen, das ihnen zu hoch und keine Hantirung, die ihnen zu gering war. Von Mar Samuel wiffen wir, daß ihm die Bahnen der Himmelskörper so geläufig waren, als die Straßen seiner Vaterstadt Nahardea, während wir andere wieder als Schuhmacher, Weber und Taglöhner beschäftigt sehen. Alle haben sie ihren Beitrag redlich zu vbvn ne»' beigetragen; das hat ihnen ihre Thora erhalten und zu eigen gemacht. Diese Aneignung der Thora war das Hochziel ihres ganzen Lebens, sie war ihr eigentlicher „Beruf". Das was wir heutzutage „Beruf" nennen, die Art und Weise nämlich, wie man die Mittel zum Leben gewinnt, das galt ihnen an und für sich als etwas Nebensächliches, Untergeordnetes. Sie redeten einer