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Der Israelit · 1896-07-23 · Heft 59 (23.7.1896) · page 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 59 (23.7.1896)
Date
1896-07-23
Page
– (sequence 25)
Language
German
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Orthodoxe MuderrlhunrÄ -o/v> o 5 E s Kf>- ARON -2>- f» 23. Juli 18S6.Z lNr. IO. w&säi mm: r*mM WS7.VLWSMW jL’Vii^CFSfD^ &y^> Das l^mtsjubiläum. f'xW) Von M. Koninski — Weiß. Der Religionslehrer Benjamin Rosenthal zog soeben, wie bereits ungezählte Male in den letzten Wochen den abgegriffenen „Luach" (Kalender) aus der Brusttasche seines Hausrocks. Derselbe fiel schon ganz von selbst auf der gewünschten Seite auf. „Albert," sagte er zum Vorjüngsten, „sieh noch einmal in Deinem Notizkalender nach, ob das Darum stimmt, denn ich hatte einmal einen Luach, in dem war die Frankfurter Meffe um 14 Tage zu spät verzeichnet und der Jahrmarkt in Tirschtiegel um zwei Tage. Noch gut, ich fahr' nicht auf Märkte, es hätt' mir schön gehen können. Also, ich will Euch damit nur sagen, daß der Luach unzuverlässig ist. Lies mir einmal die Feiertage aus Deinem Kalender vor, ich will vergleichen." Der Kleine legte gehorsam die Feder hin, mit der er an seinen Schularbeiten geschrieben, nahm sein Taschennotizbuch vor und begann: „6ten Januar Heilige drei Könige, 2ten Februar Lichtmeffe —" „Dummer Junge, was r edest Du da?" schrie Herr Rosenthal aufgebracht, „bin ich l'hawdil katholisch? Unsere Jomtauwim." „2. März Fasten Esther, 3. März Purim, 2. April Paffah Anfang, 5. Mai Lag b'omer —" „Halt, genug!" unterbrach der Vater mit Befriedigung und steckte sein Büchlein ein, „es stimmt. Am 5. Mai Lag b'omer. Einen Tag vor Lag b'omer habe ich mein Amt vor 25 Jahren angetreten. Es fällt auf einen Schabbos, mein Amtsjubiläum. Kinder, es ist ein schönes Gefühl sich sagen zu können: „Du hast fünfundzwanzig Jahre Deine Pflicht getreulich erfüllt und Dich mit den verdammten Bengels abgequält." „Ich weiß noch wie heute," sagte Frau Rosenthal sinnend und ließ die graue Socke, an der sie gerade stopfte, auf den Schoß fallen, „ich weiß noch wie heute, wie wir ankamen. Erst hast Du geglaubt, es wäre eine feste Anstellung, und wie Dir der erste Vorsteher gesagt hat, es ist nur eine Vertretung für Reb Schaje, der erkrankt ist, hast Du nicht schlecht gezappelt. Er hat Dir nur bald die Versicherung gegeben, daß Du über hundert Jahr nach Reb Schaje's Ableben die Stelle definitiv bekommst. Zwei Jahre hat's doch noch gedauert, bis er zu allem Guten gestorben ist. Am 6. Av ist die Jahrzeit und am 1. Elul hast Du endlich Deinen Contraet und das volle Gehalt bekommen. Weißt Du noch, wie uns den ersten Monat drei Thaler und zwei gute Groschen übrig geblieben sind? Wir waren an die gute Einnahme gar nicht gewöhnt. Dann freilich, wie die Kinder gekommen sind, haben wir keine Ersparniffe mehr gemacht," sagte sie einfach. Rosenthal nickte bestätigend mit dem Kopfe. „Nun, sie werden sich bei meinem Jubiläum schon abfinden, lumpen laffen sich die Herren nicht. Ich rechne sogar stark auf eine Gehaltserhöhung. Wie mein Kollege Fabisch in Rogsamtsche sein fünfundzwanzigjähriges Amtsjubiläum gefeiert hat, hat er eine Zulage von achtzig Mark pro Jahr bekommen und ein Ehrengeschenk von fünfzig Mark." Frau Rosenthal sah ihren Gatten ungläubig an. „Der Mann wird übertrieben haben, es werden schon noch ein paar an Fünfzig gefehlt haben. —" „Ich soll so gesund sein, wie ich's im Israelit gelesen Hab'." Frau Rosenthal wiegte, die Coulanz der Rogsamtschen Gemeinde bewundernd, den Kopf hin und her. „Vielleicht nehmen sie sich hier ein Beispiel," sagte sie endlich mit Nachdruck.

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