Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 58 (20.7.1896)
- Date
- 1896-07-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1114 Regierung noch nicht erschienen sind, ist einzig und allein dem Umstande zuzuschreiben, daß Regierung und Land gegenwärtig mit den Millenniums-Feierlichkeiten zu sehr beschäftigt sin), als daß man dieselben mit solchen innerlichen Angelegenheiten belästigen könnte; desto thätiger sind sie aber in ihrer Presse, in welcher sie voller Begeisterung Luft-Schlösser bauen und sich schon im Vorhinein an dem von ihnen entworfenen Bild des zukünftigen jüdischen Landes-Ober- Nestors, der Sitz und Stimme im Oberhause haben und der offiziöse Vertreter der Landes-Judenheit sein wird, entzücken. — Dieses Bild aber, wie schön und herrlich cs auch gezeichnet sein mag, kann nicht anders, als ein Luft-Gebild bezeichnet werden; denn die Zeichner derselben machten dabei die Rechnung ohne den Wirth; sie vergaßen nämlich in ihrem Enthusiasmus, daß in dem schönen Ungarlande außer neologen, auch orth. Juden leben, die aber über diesin Punkt ganz anders denken. Die ung. orth. Juden — welche, nebstbei bemerkt — die überwiegende Mehrheit der Landes- Judenheit bildet — wollen nämlich von gar keinem — und selbst orth.-geistlichen Landes-Oberhaupte wissen, und zwar mit vollem Rechte; denn die jüdische Geschichte kennt keine jüdische Hirarchie und die Schaffung einer solchen Institution hieße der historisch-freien Entwickelung der jüdischen Religion Gewalt und Zwang anthun und deren Lebens-Puls unterbinden! Die Herren Neologen mögen daher von ihren durch und durch verfehlten Projekten selbstwillig und rechtzeitig abstehen und sich nicht durch ein gewaltiges Fiasko vor der Oeffentlichkeit blamiren! — K. Schweiz. Zürich, Mitte Juli. Am rara 'b rar fand Hierselbst die öffentliche Jahresprüfung der unter Leitung des Herrn Rabb. Dr. Kornfein stehenden Religtonsschule der isr. Religionsgesellschaft statt. Es darf dieses Ereigniß mit Fug und Recht als ein Wendepunkt in der schweizerisch-jüdischen Schutgeschtchie bezeichnet werden. Die Reugründung der Schule, die organisatorischen Schwierigkeiten, die sich aus der Kollision der Unterrichtsstunden mit denjenigen anderer Anstalten ergaben, die dem Nullpunkte nahen Vorkenntnisse der Kinder — all' dies wirkte zusammen, um die Aufgabe des Unterrichtsleiters zu einer dornenvollen, beinahe aussichtslos erscheinenden zu machen. — Wenn gleichwohl in allen Fächern als rnn-, nbe^-Uebersetzen, Geschichte, Gramatik, jüdische Pflichtenlehre, Resultate erzielt wurden, welche allgemeine Bewunderung erregten, so ist das eine Thatsache, die als rühmliches Beispiel der Oeffentlichkeit nicht vorenihalten werden darf, zumal Herr Rabb. K o r n f ei n als Hauptmoment des Unterrichts stets den Grundsatz im Auge hatte, dem er auch in einer gediegenen Schlußrede Ausdruck gab: „Nicht fürdieSchule lernen wir, sondern für das Haus und für das Leben." Als man nach dreistündiger Prüfungsdauer — kaum ausreichend, um das im Jahresbericht niedergelegte Material zu bewältigen — auseinanderging, waren alle Anwesenden voll hoher Befriedigung, die in dem frohen Bewußtsein gipfelte: Wieder ist ein neuer Stein gefügt in den stolzen Bau, den die Wackern Israels errichten, um in seinen Mauern ihrem Volke Schutz zu bieten gegen den Sturm und Andrang der Zeit. ran r'n. Uersonakien. Deutsch-Krone, im Juli. Wieder ist in Israel ein Mann dahiagegangen, wie er in di ser Zeit der religiösen Gleichgültigkeit, besonders bei uns im Norden, so selten ist, und wie wir ihn so sehr noch hätten brauchen können, einer von denen, die in dem bewegten Mecr unse'es modernen Lebens fest wie Felsen stehen, die allen W< gen de8 Zweif,l8 und Unglaubens kühnen Widerstand leisten. Herr Benjamin Löwe von hier starb am 28. Tamus nach kurzem, schwerem Leiden im 70. Jahre, nach einem Leben der strengsten Frömmigkeit und des innigsten Glaubens. Und Herrn Benjamin Lowe's Glaube war nicht nur ein Glaube in WorUn, sondern ein Glaube, der skine Echtheit bewährt hat in einer Reihe glänzender Thaten, Thaten der Nächstenliebe und der Barmherzigkeit, mit welchen er die peinlichste Jnnehaltung aller Gebote verband. Sein ganzes Leben legt dafür beredtes Zeugniß ab. Wo es galt den Glauben, Judenthum und jüdisches Wissen zu unterstützen und zu fördern, schonte er weder seine Person noch sein Vermögen, und wo seine Kraft nicht auSreich'e, wandte er feinen Einfluß auf andere tdeldenkende Männer an, um sie zu gleichem Streben zu begeistern. Herr Löwe war stets mitbetheeligt an allen Vereinen und Verbindungen, die sich die Förderung relig öser und humaner Zwecke zur Au'gabe gemacht hatten. Und noch viel mehr wirkie er in der Stille, denn einfach und anspruchslos w e er in seinem ganzen Wesen war, haßte er das Prangen vor der Oeffent ichkeit und selbst das Lob seiner intimsten .t-'eiinde konnte ihn in Verlegenh it s tzen. Wie groß de-halb auch die allgemeine Liebe nnd Hochachtung war, deren er sich e'fr.u'e, bewies die groke Zahl der L i tragenden, die ihm das letz'e Gel ite gaben. Fast alle Bewohn r der Stadt, mit den Behörden an d r Svive, folgten dem Zuee All' der Vorzüge und t'-ffiichen Charaktere genichasten dieses Mannes gedachte Her, Ra diner Wmldler aus Schönlank m seiner ergteuenben > nd rüb,e»ren G>ab ede. Niema d bäte Herrn Benjamin Lön e'8 Verdienst, auch beper zu würdigen g wußt. Verba d die beiden Männer doch seil Jab'en eine innige F eundsckafk, gestützt auf g-iche Ue' -rz ugung mb gleiches S reb n. In allen seinen Unteniehmui g.n halie Herr Löwe eru Herrn Rabbiner Waeldler's Rath ein und dieser gab seiner Woh tharigk-it 6e s die 'echte Richtung Hir Rabbiner Waeldler führte das Wort an: byi mayn by) minn by noiy nb)yr\ cnm nts6r by„ und wies nach wie glänzend Herr Löwe dielen drei Vorschriften nachgekommen, wie er selbst alle Gebote der Thora stienge innegehalten und zur Erforschung der Lehre beigetragen, indem er in I rusalem auf geheriigrem Boden ein Haus errichtet, damit dorr G lehrte ihre Zeit ausschließlich dem Studium der Schult widmen könnte , wie er d n Goite-dienst ge'örbert durch die Ein'ichtu, g eines B'isaaleS in lein m Hau'e, um auf diese Weise ie mm Geschästsversonal den Besuch des Go t sdienstes zu e möglichen, u d schließlich, wie seine W hl hätigkeit keine Schranken gekannt und wie die Krone derselben eine zweite Stiftung in Jerusalem sei: ein Krankenhaus, das 8