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Der Israelit · 1896-07-20 · Heft 58 (20.7.1896) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 58 (20.7.1896)
Date
1896-07-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXVII Jahrgang. M 88. Jer Israelit. Ein Uentrat-Wrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Br Lehmann in Mainz Montag, den 20. Juli 565« (1896). sc. Mnekr abonnirt man bei allen Postanstalten für die Monate G Lngust vllä 8eptewdsr G auf den Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitungsschalter des Wohnortes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriefträger aufgegeben werden. Die Expedition des „Israelit". Leitender Artikel. Nlein Religionsbnch. Von Bezirks-Rabbiner Dr. Eh rmann in Baden (Schweiz). V. Das Titelblatt mit seinen astronomischen, kalendarischen^Bemerkungcn, sotvie die Tekuphot auf der dritten s-eite überschlagen wir. Erst am Ende der Schulzeit mache ich befähigtere Schüler auf die Weisheit aufmerksam, die den jüdischeil Kalender vor allen anderen auszeichnet, die nur von der überraschendeil Einfachheit noch übertroffen wird, welche mit Hilfe einiger weniger, leicht faßlichen Voraussetzungen einen Schulknabeu in den Stand setzt, selbst einen Kalerider zu niachen. Um so langer verweilen wir bei der zweiten Seite, welche die Chronik von der Erschaffung der Welt bis auf den heutigen Tag enthält. Was ist das für ein tacitäischer, kerniger Lapidarstyl, der auf 3/4 eines Duodezblättchens fast 6000 Jahre Geschichte erledigt! Wohl lernen die Kinder ihre Biblische Geschichte nicht aus dem nH, sondern aus einem besonderen Geschichtsbuch. Aber die lakonische Bemerkung, die unser rrb zu den einzelnen markanten, historischen Thatsachen gibt, fährt wie ein zündender Funke in den todten Geschichtsstoff, macht ihn lebendig und fruchtbar, indem er ihn in unmittelbare Beziehung zu dem Kinde setzt. Unsere biblische Geschichte erzählt von Moses. Der Lehrer hilft der Erzählung nach, so gut und so schlecht er es eben versteht. Aber der einzige Gedanke, auf den der Lehrer selten verfällt, und den unser nrb dem Kinde vermittelt, daß im nächsten Jahre 3289 Jahre seit der Geburt Moses verflossen sind, schlägt eine große Brücke zwischen unseren großen Lehrer und seinen letzten Schüler. Diese kleine Geschichtstabelle bringt Ordnung, Orientirung und chronologischen Sinn in den ungeheueren Geschichtsstoff. Gewöhnlich bringen Kinder diesen Sinn von Haus aus nicht mit, aber sie sind ungemein empfänglich dafür, sobald er geweckt und rationell befriedigt wird. Ueber Zeit und Raum haben die meisten Kinder oft wunderbar confuse Begriffe. Wenn kein einsichtiger Lehrer diese Begriffe berichtigt, hängen sie Vielen ihr ganzes Leben lang nach. Mir ist ein Lehrer bekannt, der auf die Frage, wie Esther einen Nichtjuden hätte heirathen dürfen, antwortete, die Geschichte von Esther habe sich vor der Gesetzgebung am Sinai zugetragen, wo das Verbot der Mischehe noch nicht eristirte! Die meisten Kinder glauben z. B., zwischen der Erschaffung der Welt und der großen Fluth liege ungefähr so viel Zeit, als sie jetzt brauchten, um die Sidra rrtwrs und zu lernen. Sie sind ganz erstaunt, aus dem rrh erst zu erfahren, daß dazwischen 1656 Jahre liegen. Wenn man sich nun die Mühe nimmt, diese Jahre ihnen mit denl twrn in der Hand an den ersten Geschlechtsregistern nachzuweisen, dann wundern sie sich, daß sie nicht von allein das geftlnden haben. Aber dieser Hinweis genügt, daß sie für die Zukunft auch diese Parthieen der Thora mit Aufmerksamkeit lernen und die vielen Namen und Zahlen jedenfalls nicht mehr langweilig finden.

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