Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 56 (13.7.1896)
- Date
- 1896-07-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1078 Am Tage nach der Katastrophe besuchte er nämlich sämmtliche Spitäler, in denen die Verwundeten Ausnahme gcfuuden hatten, darunter auch das jüdische Spital. Nachdem er den einzelnen Verwundeten seine Aufmerksamkeit gewidmet und die im Spitale herrschende Ordnung und Reinheit gerühmt hatte, richtete er an den Leiter des Spitales folgende Worte: „Es freut mich sehr, zu sehen, wie die Juden an dem Werke der Barmherzigkeit und Nächstenliebe so warmen Antheil genommen haben." Rumänien. Bukarest. Wir haben bereits über die traurige Lage der Israeliten durch die Gesetze mitgetheilt, welche die jüdischen Kinder aus den Elementarschulen verbannen. Bei Gelegenheit einer neuen Vorlage von Schulgesetzen, welche die Regierung den Kammern unterbreitete, hatte die gesammte israelitische Jugend Petitionen zum Zweck der Abschaffung von Schulgeldern eingereicht, die von den jüdischen Kindern verlangt werden, und welche die weiften Eltern nicht erlangen können. Am 21. April wurde die Vorlage der Regierung von der Kamurer verhandelt. Mehrere Redner hatten mit Gewandtheit und Wärme die Sache der Israeliten vertheidigt. Herr Thourdjo, der Vorsitzende des Rathes selbst war es, der das Wort ergriff, um das Gesetz zu vertheidigen und die Beibehaltung der Artikel, welche die israelitischen Kinder von den Schulen ausschließen, zu verlangen. Minister Stourdza hat sich hierüber in folgender gehässiger Weise ausgelassen: Diejenigen, welche die vorgeschlagene» Dispositionen angreisen, scheinen Mittel zu suchen, lim die Einwendung von Leuten zu veranlassen, die sich niemals anpassen werden, ich meine die Juden. Ueberall in Ungarn werden die Rumänen gedrückt, und wir sollten nachgeben! Sie, m ine Herren, wollen dem Lande beweisen, daß die mosaische Religion die christliche Religion überwiegt, und daß in unserem Lande die jüdische und nicht die rumänische Rasse die Auserkorene ist. Möchten Sie uns in die schmachvolle Lage eines benachbarten Staates, der Ihnen wohl bekannt ist, versetzen, wo die Regierung auf der Ministerbank durch einen Juden vertreten sei? Eine solche Schande für Rumänien stoßt mir Entsetzen ein. Daher möchte ich Sie bitten, lassen Sie die Philosophen bei ihren philosophischen Theorien, und bleiben wir die Herren im eigenen Lande, anstatt uns zu Sklaven der jüdischen Parasiten zu machen. Die Majorität mußte dieser Rede Beifall klatschen. Das Gesetz wurde ohne Abänderung angenomrnen. Vermischtes. Berlin. („Jack der Aufschlitzer"). Der Raine genügte den antisemitischen Blättern, um den Verbrecher ohne Weiteres zum Juden zu stempeln, trotzdem eine ganze Reihe antisemitischer Führer, wie Schlesinger, Steiner und Pacher Namen tragen, die weit mehr aus jüdische Abkunft hindeuten. Bereits in den ersten Maitagen brachte die Berliner antisemitische „Staatsbürger-Zeitung" die Notiz ans New-Aork: Der dieser Tage wegen Mordes im Gefängnis; von Sing-Sing Hingerichtete Earl Feigenbaum (!!> soll kurz vor seinem Tode erklärt haben, daß er der berüchtigte „Jack der Aufschlitzer" sei. Feigenbaum's Opfer in New-Port waren gleichfalls nur „gefallene Mädchen". Was Herr Redacteur Dr. Bachler (!!) vorsichtiger Weise nur durch zwei Ansrufnngszeichen andeutete, das gab das etwas plumpere „Deutsche Volksblatt" deutlicher kund, indem es wenige Tage darauf die Notiz mit der Vorgesetzten Spitzmarke: Jack der Aufschlitzcr, ein Jude?" abdruckte. — Ans eine direkte Anfrage haben wir von der Nedaction des „Jewish Messenger" in Nem-Poik nachstehende Antwort erhalten: Earl Feigenbaum mar kein Jude, sondern Katholik." Lemberg. Der Landesschulrath hat, w'e im Vorjahre für die Mittelschulen, nun auch für die Volksschulen Galiziens einen einheitlichen Lehrplan für den sraelitischcn Religionsunterricht herausgegeben und zur sofortigen Einführung bestimmt. Dem Lehrplan für die Volksschulen ist eine eingehende Instruction beigegeben. Die Entwürfe des Lehrplanes und der Justrnetionen haben den Rabbiner Dr. I. Caro in Lemberg zum Verfasser. Künfkircheu. In der Ortschaft Szill drang Nachts ein Müllergeselle in die Wohnun , des Gastwirthcs Joseph Adler, schlug denselben mit einer Hacke nieder und trennte der ihrem Mann zu Hilfe eilenden Gattin den Kopf von, Rumpfe, ermordete dann noch deren vierzehnjährigen Knaben und das elfjäh ige Mädchen. Den kleineren Kindern, welche sich in den Wetten ruhig verhielten, that er nichts zu Leide. Die Kinder erzählten Früh, daß Gabor Bacsi die That vollführt ha e, worauf die Gendarmerie den Thäter verhaftete. Das Motiv der That liegt darin, daß Adler, dem er fünf Gulden schuldete, feinen Meister, der ihn entlassen hatte, ersuchte, die Kleider des Müllergesellen zurückzubehalten. Aus Rache vollsührte derselbe die That. Warschau. Der Direktionsrath der Warschauer Handelsakadeinie, einer Schule, welche größtentheils durch jüdisches Geld bestebt, hat neulich beschlossen, die .^ahl der jüdischen Schüler der Anstalt ans drei Prozent der Gesammlzahl zu beschränken, und Wmf Schuwalow hat diesen Beschluß bestätigt. Odessa, 20. Juni. Vor einigen Tagen feierte Herr Nathan Perelstein, Direktor des hiesigen jüdischen Waisenhauses. sein 25jähriges Amtsjubilänin, verbunden mit dein 40jährigen Jubiläum seiner pädagogischen T' ätigkeit. Das Waisenhaus ist, dank feiner tüchtigen und umsichtigen Leitung, eines der schönsten Anstalten im ganzen Reiche. Im Namen des Stadthanptmanns General-Lieutenant Selenp erschien fein Kanzteiches Herr Kasarinow und überbrachte dem verdienstvollen Jubilar ein Schreiben von Sr. Erzellenz folgenden Inhalts: „Geehrter Herr Perelstein! Ihre Amtsthätigkeit als Aufseher des jüdischen Waisenhauses im Laufe der verflossenen 25 Jahre zeichnete sich durch Ihren beispielswerthen Eifer und durch Ihre besondere Liebe zur Erziehung der Ihnen anvertrauten Waisen aus. Deshalb erachte ich es für eine angenehme Pflicht, Ihnen meinen herzlichen Dank dafür auszudrücken, von dem Wunsche begleitet, Sie mögen noch viele Jahr^e Ihren Dienst fortsetzen. General- Lieutenant Selenp " Schriftliche Gratulationen erhielt Herr P. vom früheren Stadtrathe General Mintschiaky und noch vielen anderen; Depeschen aus Moskau vom dortigen Bürgermeister Geheimralh Maratztn. Persönlich erschienen das gesammte Kuratorium des Wa scnhanses, die Vertreter der „Talmud-Thora", wo der Jubilar vüle Jahre hindurch Dirigent war, der Palästina-Gesellschaft, des isr. Lehrervereins und viele persönliche Fieunde, die Herrn P. als eifrigen und pflichttreuen Beamten der Gemeinde schätzen. Im Saale