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Der Israelit · 1896-07-13 · Heft 56 (13.7.1896) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 56 (13.7.1896)
Date
1896-07-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXVII, Jahrgang. M 56. Der Israelit. Ein Uentrat-Wrgan für das orthodoxe Äudenthum. Begründet von ör. Ife&matm in Htain|. Montag, den 13. Juli 5656 (1896). Leitender Artikel. Mein Religionsbuch. Von Bezirks-Rabbiner Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz). III. Wenn ich bei der reichen Fülle dessen, was meine Schüler und Schülerinnen zu lernen haben, um sich die Wahrheiten ihres Judenthums anzueignen, nicht weiß, wo ich beginnen soll, so wüßte ich mir keinen besseren Rathgeber und Wegweiser, als beit Lehrer und Vater der Menschheit, als Gott selber und die Art und Weise, wie Er sein Religionsbuch, seine Thora eröffnet hat. Diese zeigt dem zu unterweisenden Menschen zu allererst den Himmel, die Erde und alles, was sie füllet, und sagt, alles Dieses hat uranfänglich Gott gemacht. .psn ns: traten ns 's sin nwn Das ist die ächte, wahre, vollendete Anschaulichkeit des Unterrichts, die von dem Bekannten, Geläufigen, jedem Naheliegenden ausgeht, daran das Unbekannte knüpft und es daraus entwickelt. Dieses Beispiel eopire ich ganz genau und lasse meine Schüler statt in's Buch, zum Fenster hinaussehen, zeige ihnen die Bäume, die Vögel, die Berge, den Himmel und was nur in ihren! Sehfeld liegt und sage ihnen: das Alles hat einmal Gott gemacht. Daß Gott der Schöpfer der Welt ist, bildet den unerschütterlichen Untergrund für alles religiöse Bewußtsein. Er hat auch uns geschaffen, wir leben in seiner Welt, haben darin Wohnung, Essen, Kleidung, alles umsonst; nur müssen wir uns der Hausordnung oder Weltordnung fügen, die der große Schöpfer und Eiaenthümer der Welt ihren Einwohnern vorgeschrieven hat. Diese Anordnungen kennen zu lernen, zu wissen, was man thun darf und nicht thun darf und diesem Wissen entsprechend nun auch wirklich zu handeln, das ist deßhalb das Wichtigste alles dessen, was wir zu lernen und zu thun haben. Dieses Letztere sage ich meinen Schülern nicht einmal, das müssen sie sich selber sagen. Thun sie das nicht, lese ich es nicht aus ihren Blicken, das brennende Verlangen nun endlich zu erfahren, was man thun darf und was nicht, so war ich ein stümperhafter Lehrer und habe mein Pensum schlecht erledigt. Wer noch eines Beweises für die Göttlichkeit unserer Thora und ihrer Mizwoth bedarf, dem leuchtet er aus der Art und Weise, aus dem Interesse und der Selbstverständlichkeit entgegen, mit welcher die schlichte, reine, unverdorbene Kindernatur das non und mic, das xats und nno, das rwia und nrn aus der Belehrung und Unterweisung von Lehrern und Eltern hinnimmt. Ihm selber unbewußt, fühlt und empfindet das Kindergemüth das ihm Entsprechende, Gemäße und Homogene aus den Anforderungen des Gottesgesetzes heraus und fügt sich mit allen Aeußerungen seines kleinen, kindlichen Lebens frei und leicht und freudig dem Regime, dem göttlichen Willen. Wer diese Lust, das Gesetz seines Lebens kennen und erfüllen zu lernen, dem Kinde verkümmern oder gar niemals aufkommen lassen will, der braucht es nur anzufangen, wie es unsere systematischen, mosaischen Religionsbücher anfangen. Sie fangen nicht wie die Thora mit dem Anfang, sondern noch ein ganzes Stück früher an. Superklug wie sie sind, glauben sie, wenn gelehrt werden soll, daß Gott die Welt geschaffen habe, so müsse doch zuvor das Dasein Gottes selbst erst gelehrt und bewiesen werden. Daß es die Thora selbst nicht so macht, daß sie das Dasein Gottes stillschweigend als selbstverständlich voraussetzt, ist für diese Religionsbücher und ihre Autoren nicht maßgebend. Sie verstehen das besser.

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