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Der Israelit · 1896-07-09 · Heft 55 (9.7.1896) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 55 (9.7.1896)
Date
1896-07-09
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXVH. Jahrgang. Zweite Beilage w M 55 -es «Israelit-. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. München, 8. Juli. (T r e f e n e s F l e i s ch?) Der Schächter Friedrich Mich! hat in seiner Eigenschaft als vom hiesigen Rabbinat aufgestelltes Kontrolorgan gegen den jüdischen Fleifchhändler Gustav Bechhäfer Anzeige bei seiner Aufsichtsbehörde erstatte:, daß der letztere beim Einkäufe von Fleisch sich habe Unregelmäßigkeiten zu Schulden kommen lasten, die dem jüdischen Ritus zmviderlaufen. Bechhäfer fühlte sich durch die Anzeige, weil sie angeblich auf Unwahrheit beruht, beschwert und stellte gegen den Michl Privatbeleidigungsklage, die jedenfalls sehr interessante Details zu Tage geschafft hätte, da auch von Bechhäfer behauptet wurde, Mich! kaufte trefenes Fleisch. Durch die Bemühungen des Amtsrichters Dr. Rumpf gelang es jedoch, die Angelegenheit durch einen Vergleich aus der Welt zu schaffen, nach welchem Mich! erklärte, die Anzeige im guten Glauben als Kontrolorgan des Rabbinats erstattet zu haben, und daß ihm jede beleidigende Absicht hiebei fern gelegen fei. Bechhäfer zog hierauf die Privatklage zurück und überahm die fämmtlichen durch oas bisherige Verfahren erwachsenen K osten. Daß Bechhäfer sämmtliche Kosten übernahm, erscheint jedenfalls sehr auffallend und die Gemeinde thäte gewiß gut, der Sache noch näher auf den Grund zu aehen. Wreschen, 2. Juli. Von der Beliebtheit des Herrn Erzbischof Dr. v. Stab lew ski in Posen haben die Zeitungen bereits vielfach berichtet und erst unlängst wurde aus Schrimm über dessen Toleranz Mittheilung gemacht. Bei Beginn der Judenbewegnng warnte er als Probst damals Hierselbst von der Kanzel herab die Versammelten vor Unfrieden mit den jüdischen Mitbewohnern. Es dürfte auch Ihre Leser interessiren, Kenntniß von einem Schreiben zu haben, welches Herr Probst Dr. v. Stablewski an die Wittwe des verstorbenen Königl. Kreisphysikus Dr. Paradies Hierselbst richtete. Genanntes Schreiben, wovon ich eine Abschrift besitze, hat folgenden Wortlaut: Sehr geehrte Frau! Es gibt Schmerzen, in denen jeder menschliche Trost vergeblich wäre und die nur lindern kann ein Aufblick nach Oben! Und doch — sehr geehrte Frau, kann ich mir nicht versagen, Ihnen in dieser traurigen Stunde zu erklären, daß Ihr Schmerz auch unser Schmerz ist, daß, wenn Sie in dem Verblichenen mit Recht einen innig geiiebten Gatten betrauern, wir einen menschenfreundlichen, uneigennützigen Arzt und edlen Mitbürger betrauern. Er fiel wie ein tapferer Soldat, als Opfer feines erhabenen Berufes. Au seinem Grabe darf ihin deßhalb das Zeugnitz nicht versagt werden, daß er in seinem reinen, aufrichtigen Herzen weder die Schranken der Religion noch der Rationalität kannte, um seine Menschenliebe zu bethätigen. Ties war das Geheimniß, durch welches sich der Verblichene die Achtung und die Liebe so weiter Kreise erworben har. Ihr Schmerz, sehr geehrte Frau Kreis-Phnsikus um den Verlust eines solchen Gatten möge, wenn nicht Trost, so doch Beruhigung und Linderung 'n dem Glücke finden, daß das Andenken Ihres theuren Verstorbenen bei Freunden und Bekannten stets in Ehren bleiben wird Mit der Versicherung des anfrichtigslen Mitgefühls zeichne ich Hochachtungsvoll Tr. v. S tab lewsky. Personalien. 4- Mainz, ö. Juli. Ein unabsehbarer Leichenzug gab heute einem schlichten, einfachen Manne das Geleite. In langer Rede schilderte aus dem Friedhöfe der Trauerredner die zahlreichen Verdienste des Dahingeschiedenen mit Ausdrücken des höchsten Lobes. Es galt Zacharias L a d^e n b u r g, der am letzten Donnerstag im Alter von 71 Jahren seine reine Seele aushauchte, zu ehren. Gar Mancher, der den unscheinbaren, bescheidenen Mann im Leben wohl oft gesehen, aber nicht näher gekannt hat, war überrascht durch die Menge der Leidtragenden, die sich zusammenfetzten aus allen Kreisen der hiesigen Gemeinde. Dem Uneingeweihten schien wohl die Grabrede mehr wie zu viel des Lobes zu enthalten, doch wenn er die Umstehenden gefragt hätte, so würde er die Antwort erhalten haben: Der Rabbiner hat noch lange nicht genug gesagt: es ist fast unmöglich all das Gute und Schöne aufzuzählen, was Ladenbnrg in seinem segensreichen Leben in anspruchsloser Weise gefördert bat. Mit den Worten des Midrasch, fcxy -“s pn*:;: zb'vr -n* -r-ii’r ppr*r zur vorwöchentlichen Sidrn begann Herr Rabbiner Dr. Bondi und schilderte die Selbstlosigkeit und Uneigennützigkeit des Dahingeschiedenen, die in unserer Zeit fast unverständlich geworden ist. AU die herrlichen Pflichten, von denen wir alltäglich mit den Worten unserer Weisen sagen, daß mir nur deren Früchte in dieser Welt genießen, der Stamm jedoch für jene Welt aufbewahrt bleibe, wurden aufgezahlt und für jede derselben bekannte Thaten aus dem Leben Ladenburgs gefunden, die zeigten, daß er sich mit der herrlichen Krone einer jeder dieser Pflichterfüllung geschmückt. Die zahlreiche Trauerversammlung lauschte tiefergriffen den Ausführungen des Redners mit dem Bewußtsein, daß durch den Verlust Ladenburgs unser Gemeindeleben eine fast unaussüllbare Lücke aufzuweisen hat. Die Armen beklagen ihren Freund und Wohlthäter, die Besucher der Synagoge unserer Gesellschaft verminen den

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