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Der Israelit · 1896-07-09 · Heft 55 (9.7.1896) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 55 (9.7.1896)
Date
1896-07-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXVII Jahrgang. M 55. ■' De r Israelit. Ein Wentrak-Wrgan für das orthodoxe Tudenthum. Begründet von Dr. fe^munn in Utainj. Donnerstag, den Leitenver Artikel. Hirsch's (Lonnnentcrr zu den Haftoroth. *) Mainz, 7. Juli. Jeder wird es schon an sich selbst beobachtet haben, wieviel Räthsel und Dunkelheiten das tiefsinnige Prophetenwort ihm darbietet, das uns allsabbatlich und an den Festtagen in den Haftoroth entgegentritt. Und mit hoher Freude wird darum jeder eine Uebersetzung nebst einem Commentar begrüßen, der Helles Licht verbreiten und Verständniß schaffen will. Und nun gar, wenn ein Buch, wie das vorliegende, das Werk eines Mannes ist, der in rastloser öffentlicher Thätigkeit seit Jahrzehnten in Wort und Schrift als Meister der Rede und des Gedankens sich bewährt hat. In der That sind es nicht alltägliche Forderungen, es sind hochgestellte Ansprüche, die in dieser Uebersetzung und in diesem Commentar ihre Befriedigung finden. Aus dem Vollen und Tiefen ist hier geschöpft und mit leicht bezwingender Hand geordnet und gestaltet. Einleitend umgreift jeweils der Commentar den Inhalt der einzelnen Haftoroth präcis und knapp in zusammenhängender Darstellung, unter steter Rücksicht auf die Stellung des betreffenden Stückes im Ganzen des Prophetenbuches, in strenger Beziehung zu seinen historischen Voraussetzungen, mit festem Augenmerk auf seine Bedeutung für die Geschichte der Zeit. Das alles aber ist erfaßt *) nviDsnn *T1D. Die Haftoroth übersetzt und erläutert von Dr. Mendel Hirsch, Direktor der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. A. I. Hofmann 1896. 9. Juli 5656 (1896). und betrachtet, wie es an der Spitze des Buches ausgesprochen ist: „Als Juden wollen wir sie lesen," im Sinne und Geiste des heiligen, ewigen Gotteswortes. Daraus aber entquillt für den Commentator in zahlreichen Fällen ein völlig neues Verständniß des Prophetenwortes, das, als Grundlage der vorausgesandten Inhaltsangabe dienend, die Haftoroth in ungeahnter Beleuchtung erscheinen läßt und von vornherein die einzelnen Theile des Stückes, wie ganze Verse, so auch sprachliche Wendungen, so harmonisch in den Gedankengang austöst, daß die Schwierigkeiten , die sie sonst dein aufmerksamen Leser bieten, ganz von selbst geschwunden sind. An die Einleitung jeder Haftora anschließend, wird dann das Einzelne, das noch einer Erläuterung bedarf, bei jedem Verse besonders besprochen. So ergibt sich die reichste Ausbeute für das geschichtliche und eregetische Verständniß. Aber noch ein Weiteres erwächst dem Commentator aus dem Geiste, von dem geleitet er in die Tiefen der heiligen Schrift eindringt. Er zeigt uns die feinen Fäden, die gerade diese Haftora nach Wahl und Bestimmung unserer Weisen an diese Sidra, an den Tag knüpfen, an dem sie verlesen werden sollen. Hieraus strömt uns nun als köstlichster Gewinn die Verwerthung und Bedeutung jeder Haftora für uns, für jede lebendige Gegenwart, für das ewig fortdauernde Israel zu. Aus dem Dargelegten wird man erkennen, mit wieviel Selbständigkeit und geistiger Freiheit der Verfasser sein Werk vollbracht hat, wie er nicht nur in ganz eigenartiger, die verborgene Wahrheit erschließender Weise das Prophetenwort zu entsiegeln vermag, wir er es auch auf noch nicht begangenen Wegen für den lebendigen Umlauf zu schätzen und zu münzen weiß. Dieses und jenes ist gerade für unsere Gegenwart von besonderer Bedeutung, wo die die

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