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Der Israelit · 1896-07-02 · Heft 53 (2.7.1896) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 53 (2.7.1896)
Date
1896-07-02
Page
– (sequence 23)
Language
German
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1029 besonderen Wunsch einen Bericht über die Verhandlungen der Delegirten-Versammlung in Berlin, obgleich die Zeitungsberichte längst bekannt sind. Seine Darstellung stand in vollem Gegensätze zu den Berichten, die in Zeitungen und Vereinen in gehässiger Weise von Feinden des Lehrerbundes abgestattet sind, und rief den Eindruck hervor, daß mehrere Delegirten mit der Absicht nach Berlin gekommen seien, um die geplanre Vereinigung zu verhindern und den Zusammenschluß zu yintertreiben Einstimmig wurde daraus der Beitritt zum Lehrerbunoe beschlossen und Eppstein—Hoppstädten zum Delegirten und der Unterzeichnete zu seinem Stellvertreter gewählt. Zugleich wurde der Delegirte beauftragt, dahinzumirken, 1) daß der Vorstand des Lehrerbuudes sich aus den Vorsitzenden der Einzelverbände zusammensetze, — 2) daß der Beitrag der Einzelmitglieder aus 1 M. erhöht und 8) eine Lehrerzeitung gegründet werde. Aus Antrag wurde beschlossen gegen säumige Mitglieder in geeigneter Weise vorzugehen. Nach dem gemeinschaftlichen Abendessen wurde in freier Besprechung die Versammlung bis zur späten Stunde fortgesetzt. Zwei ter Dag. Herr Rabbiner Dr. Eohn—Bonn sandte telegraphischen Gruß. College Lißner—St. Johann entschuldigte per Draht seine Abwesenheit. Die Verlagsbuchhandlung von Will). Ia co bsohn in Breslau hatte eine Auswahl von Werken ihres Verlags zur Ansicht und Vertheilung übersandt. — Vormittags 8 Uhr begann die Arbeit des 2. Tages. Nachdem Ort, Zeit und Arbeitsplan der nächstjährigen Versammlung festgesetzt war, beschäftigte die Angelegenheit der Mitglieder Dr. S ing e r—Coblenz —R ansenbe rg—Neuwied die Versammlung in längerer, lebhafter Erörterung. Die Versammlung war einstimmig der Ansicht, daß die Coblenzer Collegen in dieser Frage durchaus korrekt gehandelt haben und nahm gleichzeitig im Hinblick auf die Stellungnahme der Gemeinde-Unterstützungs'Commission des D.-J. G.-B. in dieser Angelegenheit den Antrag an, daß der Lehrerbund baldmöglichst einen Ehrenrath ins Leben rufen soll, der als einzig berechtigte Instanz zur Entscheidung in Streitfragen zwischen Mitgliedern von Lehrervereineu zu betrachten ist. In freier Rede behandelte Eppstein- H. das Verbandsthema: „Welche gesetzlichen Schritte sind nöthig resp., welche Grundlagen sind zu schaffen, um dauernde Anstellung und Pensionierung der Lehrer und Versorgung ihrer Hinterbliebenen herbeizuführen?" Er führte aus. 1. Es ist gewiß nicht uninteressant zu erfahren, aus welchen Ursachen heraus sich die Verhältnisse, die wir beklagen, entwickelt haben. 2. Für unseren Zweck genügt es, ihr Vorhandensein zu constatiren. 3. Beim Forschen nach den nothwendig gesetzlichen Schritten kommt man innner und immer wieder auf das erste Hindernis das fehlende CorporationSrecht der Gemeinden. 4. Es wäre unbillig, gerade die Herrschsucht der Vorstände oder der Gemeinden gegenüber ihren Beamten für den llebelstaud verantwortlich zu machen: a) Der Vorstand kann seine Gemeinde nicht auf die Dauer verpflichten, solange er der Steuerzahler nicht sicher ist. b) Der Vorstand kann seiner Pflicht, die Gemeinde zur Beschaffung des Religionsunterrichts anzuhalten, nicht nachkonlmen, solange die Gemeinde nicht eorporativ ist. 5. Aber auch, wenn Corporation vorhanden, bleibt die eine Schwierigkeit die stetige Abnahme der kleinern Gemeinden. 3. Die kann nur gehoben werden, wenn die größeren Gemeinden, welche die Steuerkräfte der kleineren Gemeinden in sich aufnehmen, ihre moralische Verpflichtung anerkennen, dafür eine Leistung zu übernehmen. 7. Es scheint mir würdig, ehe man an die Zwangsgewalt des Staates appellirt, den Versuch zu machen, ob nicht freie Vereinigung zum Ziele führt. 8. Zuallererst muß der Unterbau hergestellt werden: die Gemeinden müssen Corporationsrechte haben. 9. In eine energische Agitation nach dieser Richtung einzutreten; die Vorsteher dafür zu gewinnen, was um so leichter erreichbar sein dürfte, als ihre gegenwärtige Amtsgewalt sehr problematisch. 10. Die Vorstände der größeren Gemeinden nmß man veranlassen, eine Besprechung aller Vorsteher resp. Notabeln herbeizuführen, um Einzelkorporalion und kleinere oder größere Bezirskverbände zu erstreben. Die sich au den interessanten Vortrag knüpfende lebhafte Debatte, in welcher besonders der vom Rabbiner Dr. Vaßfreuud - Trier ausgeführte Plan der Gründung sogenannter Filialgemeinden, als Glieder von Großgemeindeu Anklang fand, ergab die Resolution: „Die Versammlung erblickt in der Corporation der Gemeinden die erste Grundlage zur dauernden Anstellung und Pensionierung jüd. Cultusbeamten und beauftragt ihren Vorstand, zu diesem Zwecke mit den Vorständen der Synagogengemeinden in Verbindung zu treten. Der 2. Vortrag: „Ausbildung des Lehrers als Cantor" wurde bis zur nächsten Jahresversammlung verschoben.

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