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Der Israelit · 1896-07-02 · Heft 53 (2.7.1896) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 53 (2.7.1896)
Date
1896-07-02
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXTn. Jahrgang. Zweite Leitage M M 53 des Jtenttltt“. Zeitungsnachrichtc« unv (Sottetyottocnten♦ Deutschland. Aus Süddeutschland. Gestatten Sie, verehrter Herr Redakteur, daß ich die Aufmerksamkeit der Leser Ihres w. Blattes auf die jüdischen Studenten an den Universitäten lenke. Wie oft hört man Klagen über den Niedergang des Iudenthums unter den zukünftigen „Gebildeten", wie oft giebt man seinem Erstaunen Ausdruck über die moralische Versumpfung unter den jiidischen Studenten. — Woran liegt das? Diese Frage zu beantworten, den Grund dieses Nebels zu finden, ist Zweck dieser Zeilen. Es ist zwar bart, die herbe, bittere Wahrheit auszusprechen, sie mag verletzen, aber etri? titüssen wir endlich ein Mal in dieser Sache das Wort ergreifen. Es giebt zwei Klassen unter den jüd. Studenten von denen ich hier reden will, die einett mit einigen jüdischen Kenntnissen ausgerüstet, sind zu Hause fromm erzogen, die anderen, unwissend in ihrer eigenen Religion, sind der jüdischem Lehre untreu. Komtiten nun diese Studenten zur Universität, und haben die rechte Gelegenheit, weitere Fortschritte zu machen in pz'.z: ctr, in der jüd. Geschichte und Litteratur, werden sie angeeisertvon tüchtigen Männern, einzudringen in die Tiefetl jüdischen Wissens, so bleiben die Einen sicherlich gefeit gegeil Verführung, schlechte Gesellschaft u. s. w., die Anderen aber, die Unwissenden, sie gewinnen Achtung, Interesse für das Judenthunl, und nähern sich der ihnett früher so fremden jüdischen Religion. Wie sieht es aber in der That ans? Die Majorität der heutigen jüdischen „Gebildeten" hat keine Ahnung von ihrer Religion, ihren hohen, erhabenen Zielen, von ihrem idealen Inhalt, imb gar wenig sind es, die dem Judenthum noch nach beendigtem Studium überhaupt treu bleiben. Es ist erschreckend, wenn man z. B. hört, daß ein berühmter jüdischer Professor der Medizin einen jüdischen Zeitungs- Redakteur fragt (nomimi sunt odiosa.) „Wie steht es denn eigentlich mit dem Ritualmorde?" Ist es nicht eine Schmach, daß ein Jude eitle solche Frage stellen kann? Und immer wieder — es kann dies gar nicht oft getmg betont werdet! — ist es die krasse Unwissenheit auf dem Gebiete der Religion, die solche Früchte zeitigt. Und die wenigen Studenten, die etwas jüdisches 'Wissen besitzen, wie bald haben sie es verlernt! Kein Wunder: „Wer nicht vorwärts geht, eilt mit Rieserischritten zurück." Die Studenten haben ja 'Niemanden, der sie in der rechten Weise für das Judenthunl weiter zu begeistern versteht. An wem aber liegt die Schuld? Wie ist dem Abhülfe zu schaffen? Die Schuld, sie liegt unzweifehaft an den Rabbinen. Wo gibt es eine Universität in Deutschland, an der sich der Rabbiner um die jüdischen Studenten kümmert? Wo existieren in Deutschland Institutionen, die dem jüdischen Studenten, sei er Jurist, Mediziner oder Philologe, die rechte Gelegenheit bieten, seine jüdischen Kenntniffe zu erweitern? Im Gegentheil! Es sind mir Beispiele genug bekannt, daß Rabbinen Mitschuldige waren an dem Abfalle jüdischer Studenten vom Judenthum. Ich spreche hier nicht einmal von jenen Rabbinen, die der neologen Richtung ganz und gar verfallen sind, sondern von den noch „fromm sein wollenden." Wir besitzen leider gar viele Rabbinen, die Andere nicht unterrichten können, weil ihnen selbst das jüdische Wissen fast gänzlich fehlt, und Andere wieder, die es nicht verstehen, aus Mangel a u Bildung, an Le b ens art, die jungen Studenten für die wrtpn nrr zu gewinnen. — Ein tüchtiger Rabbiner, dem es Ernst ist um seinen Beruf, hat aber gerade die Aufgabe, die Jugend für das Judenthum heranzubilden, ihm Liebe und Achtung für seine Religion einzuflößen. Und dies kann er, wenn er zu verbinden weiß: Echt jüdisches, gründliches Wissen mit wahrhafter Bildu n g. Darum auf Israel, msran rryr.n Ermuntere Dich, “tk uz r „denn dann kommt Dein Licht", dann wird eine lichte Zukunft anbrechen: „Deine Jugend wird Dein Stolz sein." Dann können wir getrost Zusehen, wie die Flammen der Verführung enlporlodern an dem winzigen Strauche, Jsr. 6, b-'rr tuet vhz "vz n:cn rum (2. Mos. 3, 2) Israel steht fest, da es steht auf dem Boden der 'L':-7p7i 'tsti trrip rbv -z'v nr,x "irx Epen ’2 (2. M. 3, 5). München, 26. Juni. In einer Sitzung des Abgeordnetenhauses kam die Petition um Zulassung der Leichenverbrennung zur Erörterung. Dabei bemerkte der Abgeordnete Herr Pfarrer Dr. Frank: „Ein so alter Gebrauch wie das Erdbegräbniß, der durch das Alterthum lind das Ehristenthum geheiligt ist, der nicht blos auf 2000 Jahre, sondern vielleicht auf die Uranfänge der Menschheit zurückgeht (Vollmar: Auf .Adam!), der auch durch die religiösen Anschauungen der Juden, die doch im alten Bunde das auserwähtte Volk waren, ebenso wie durch die Anschauungen der Christeil geheiligt ist, verdient schon eine größere Rücksicht und matt sollte daran nicht rütteln. Die Regierung hat das auch wohl bedacht

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